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Züriberg, 13.01.2016
Von: Bettina Balmer, Sonja Rueff Frenkel und Alexander Jäger
Gedanken zum Tribünen-Artikel «Vor dem grossen Wurf – Hochschulquartier und wir» von Andreas Diethelm im «Züriberg» vom 3.12.2015.

Das Interesse der Bevölkerung ist gross an den Konsequenzen des Generationenprojekts Masterplan Zentrum Zürich («Bertold»), was verständlich und erfreulich ist.
Bei einem grossen Wurf müssen von allen Seiten Kompromisse gemacht werden. Es ist gut, zu wissen, wo der Schuh gerade auch in den betroffenen Quartieren drückt. Konstruktive Ideen zu angezweifelten Punkten sind in der Politik stets willkommen und gehören zu unserem Demokratieverständnis.
Zum Antrag des Regierungsrats für eine Teilrevision des kantonalen Richtplans gab es 410 Einwendungen, die geprüft und wo möglich als Änderung in die Richtplanvorlage aufgenommen wurden.

Probleme und Chancen

Wir möchten die Probleme und Chancen des Projekts Bechtold aus unserer Sicht als Kantonsräte kommentieren und mögliche weitere Ideen zur Lösung von gewissen Problemen aufzeigen. Eine ungefähre Vorstellung über die Bauvolumina beim Masterplan Hochschulgebiet Zentrum Zürich ist nötig, um im Kantonsrat über den Antrag des Regierungsrats zur Teiländerung des Richtplans zu entscheiden. Vorläufig liegen aber noch keine real geplanten Bauprojekte vor. Die vorliegenden Modellfotos zeigen abstrakt maximal mögliche Volumina, aber keine architektonisch durchdachten fertigen Bauausschreibungen. Der Standortentscheid wurde 2011 durch den Regierungsratsbeschluss 1181 gefällt. Details sind im Bericht «Strategische Entwicklungsplanung Universitätsspital und Universität » des Kantons Zürichs vom 26. August 2011 nachzulesen.
Standortentscheide für grosse Projekt haben Vor- und Nachteile. Der gewichtigste Vorteil sind weiterhin vorhandene Synergien zwischen ETH, Universität und Universitätsspital. Die zentrale Lage mit Direktanbindung zum Flughafen (Tram Nr. 10) ist attraktiv. Als Vergleich sei an das mitten in der Stadt Cambridge gelegene Harvard erinnert: Boston downtown ist in zwölf Minuten (Subway), der internationale Flughafen in 14 Minuten (Auto) respektive 32 Minuten (öV) erreichbar. Natürlich ist Zürich nicht Boston, doch soll auch hier eine Aufbruchsstimmung entstehen, die das Zentrum belebt und den Wirtschaftsstandort stärkt. Auch kostenmässig macht das Projekt Bechtold Sinn, denn ein Neubau «auf der grünen Wiese» wäre deutlich teurer.

Mutige Ideen sind gefragt


Für die Verkehrserschliessung sind kreative und mutige Ideen gefragt. So könnte z.B. eine breite Brücke über die Rämistrasse den Verkehrsfluss klar verbessern. Eine tiefergelegte Rämistrasse mit ebenerdigem Überqueren für Fussgänger und mehr Grünraum wäre eine schöne, allerdings extrem teure weitere Variante. Realistischer ist eine Verlängerung der Polybahn, zum Beispiel mit einer Rolltreppe. Die Entwicklung moderner Metropolen zeigt, dass mehrere Standbeine nötig sind. Dies gilt auch für Zürich als «Wirtschaftsmotor der Schweiz»: Mit «Bechtold» kann sich Zürich tatsächlich als international führende Universitätsstadt mit international renommiertem Universitätsspital etablieren, gerade auch dank Synergien zur ETH.
Beim Volumen und Ausmass der Überbauung sind zurzeit noch grosse Differenzen vorhanden. 350 000 m2 sind eine grosszügige Vorstellung, 150 000 m2 hingegen klar zu wenig Fläche. Aus unserer Sicht wäre eine Reduktion der vorgesehenen Bauhöhe prüfenswert. So könnte für das Stadtbild eine Aufwertung resultieren, die für die Anwohner hinter den geplanten Bauten verkraftbar wäre. Ein allfälliger verminderter Liegenschaftswert könnte durch Aufzonierungen kompensiert werden. Mit vermehrtem Wohnraumbedarf im Gebiet ist zu rechnen, dies bringt im attraktiven Quartier auch eine Wertsteigerung der angrenzenden Grundstücke. Bei den viel kritisierten «Blöcken» auf dem Schanzenberg und auf dem Sportplatz Wässerwies steht letztlich die allgemein als richtig empfundene Verdichtung in städtischen Räumen im Vordergrund. Wenn die Stadt Zürich weiterwachsen soll, wird man nicht um eine Verdichtung herumkommen. Die für das Hochschulquartier angestrebte Dichte ist allerdings im Vergleich mit andern Städten wie z.B. New York oder London gering. Eine massvolle Verdichtung erlaubt zudem den Erhalt von bestehenden Grünzonen.
Die oft erwähnte internationale Ausstrahlung dieser Projekte kann zu einem grossen Teil und ohne Werbeaufwendungen durch ausländische Patienten erfolgen, die sich in Zürich behandeln lassen. In ihrem Heimatland werden sie über kompetente ärztliche Behandlung berichten, was das Renommee der hiesigen Institutionen stärkt. Aber auch der Besuch der Stadt durch ihre Begleitpersonen wird einen Werbeeffekt haben. Zudem bezahlen ausländische Patienten für das Spital meistens gewinnbringende Tarife. Insgesamt lässt sich sagen: eine gewinnbringende Situation für ausländische Patienten und für unsere Region.

Erhöhte Innovationskraft

Wir plädieren für konstruktive Diskussionen, die wichtige Beiträge für die Weiterentwicklung des Projekts bringen können. Weitere Informationsveranstaltungen sind auch nach dem Beschluss des Kantonsrats zur Richtplanteilrevision nötig, ebenso das Einbringen von Lösungsvorschlägen aus der Bevölkerung.
«Bechtold» ist eine einmalige Chance, Zürich als ernst zu nehmende Universitätsstadt mit international führendem Universitätsspital zu positionieren. Erhöhte Innovationskraft in unserer Region, mehr Arbeitsstellen und Fortschritt werden unsere Gesellschaft weiterbringen und zu Wohlstand und Wohlergehen führen. Lassen Sie uns gemeinsam einen wohlüberlegten grossen Wurf wagen. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen!