Gregor Zünd wird neuer Direktor des Universitätsspitals Zürich

Am 1. April tritt Gregor Zünd die Nachfolge von Rita Ziegler am Universitätsspital an. Wir sprachen mit ihm über seine Startups, Kooperationen und veraltete Strukturen.

Herr Zünd, der Direktionsposten im Unispital Zürich gilt als einer der härtesten der Branche. Sind Sie schon nervös?

Nervös nicht, aber Respekt habe ich schon. Es ist sicher kein einfacher Job, aber ich freue mich, dass ich mich hier einbringen kann. Es steht uns eine spannende Zeit bevor.

In der Vergangenheit gab es aber auch den einen oder anderen Konflikt. Das Universitätsspital besteht aus 43 Kliniken mit sehr eigenständig denkenden Direktoren. Wie führt man einen solchen Betrieb? Mit der harten Hand?

Die harte Hand wäre völlig verkehrt. Wir sind in einer Expertenorganisation. Die Mediziner sind unsere Leuchttürme. Hier kommen sie nur weiter, wenn sie die Leute begeistern und von ihren Ideen überzeugen können.

Sie haben vier Startups gegründet. Haben Sie sich eigentlich einmal überlegt, in die Privatwirtschaft zu wechseln? Dort gäbe es viel zu verdienen.

Ja, das habe ich mir sicher überlegt. Aber ich finde die Aufgabe hier spannender und erfüllender. Hier kann ich etwas bewegen, die Zukunft mitgestalten. Denn die Medizin wird sich in den nächsten 20 bis 30 Jahren noch wesentlich verändern.

Die Bevölkerung wird älter, chronische und komplexe Erkrankungen nehmen zu. In der Medizin wird man vermehrt interdisziplinär arbeiten müssen. Werden Sie jetzt die alten Strukturen über Bord werfen?

Ich werfe nichts über Bord, aber es ist schon so, dass wir vermehrt verschiedene Berufsrichtungen zusammenbringen müssen, damit wir die Patienten gemeinsam behandeln können. Dafür müssen wir nicht alles umkrempeln. Aber vielleicht müssen wir vermehrt Zentren schaffen oder Boards, wo sich verschiedene Disziplinen treffen. Das Ziel ist es, dem Patienten die bestmögliche Diagnostik und Therapie bieten zu können. Wir werden uns künftig vermehrt um Krankheiten herum organisieren.

Kooperationen gibt es auch nach aussen. Wo wollen Sie Akzente setzen?

Einerseits in der Kooperation mit der Universität, der ETH sowie Fachhochschulen. Andererseits auch in der Zusammenarbeit mit anderen Spitälern, insbesondere mit den Stadtspitälern und den Kantonsspitälern Winterthur und St. Gallen. In der Herzmedizin und in der Geriatrie haben wir mit der Stadt schon eine gute Kooperation, diese wollen wir auf weitere Bereiche ausdehnen. Dabei ist es wichtig, dass wir die Eigenständigkeit der Betriebe anerkennen. Es geht nicht um Übernahmen, sondern darum, Win-win-Situationen zu kreieren. Davon profitieren letztlich die Patienten.

Die bauliche Erneuerung des Hochschulquartiers ist ein Jahrhundertprojekt. Welche Chancen bieten sich dadurch?

Die grösste Chance besteht darin, gemeinsam mit Uni und ETH das Hochschulquartier zu gestalten. In Europa sind wir die Einzigen, die diese Konstellation mit einer hervorragenden Universität und einer technischen Hochschule direkt auf der anderen Strassenseite haben.

Was könnte daraus resultieren?

Dass wir auf diesem Weg neue Technologien entwickeln und diese frühzeitig zum Wohle des Patienten einsetzen können. Ausserdem können wir auch Räume gemeinsam nutzen, wie zum Beispiel Hörsäle.

Zürich ist mit seinen diversen Spitälern und der boomenden Life-Science-Industrie ein Zentrum für Medizin. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung?

Der Medizinplatz Zürich hat eine grosse Chance, sich attraktiv zu positionieren. Unter den europäischen Universitätsspitälern sind wir an fünfter Stelle. Aber wir haben den Anspruch, weiter nach vorne zu kommen. Das geht nur zusammen mit der Universität und der ETH.

Interview: Jan Hudec