Leserforum zum Thema:
Zürcher Hochschulquartier Auf das Prinzip Hoffnung bauen, TA vom 8. 4.

 

Empfindliche Hanglage.

Der sorgfältige Artikel von TA-Redaktor Marius Huber lässt mich – gelinde gesagt – erschüttert zurück. Da soll in Nachbarschaft zu wertvollen historischen Bauten der Zürcher Hochschulen und der feingliedrigen, über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen der Altstadt sowie der Wohnquartiere des Zürichbergs ein Volumen entstehen, das zum Auffüllen einer Industriebrache denkbar sein mag, nicht jedoch als Akzent in einer städtebaulich derart empfindlichen Hanglage. Dürfen wir zulassen, dass dem gegenwärtig modischen Gigantismus zuliebe einer der wertvollsten Stadtteile auf Jahrzehnte hinaus unwiderruflich verschandelt und entwertet wird? Das «Prinzip Hoffnung», mit dem Marius Huber seinen Beitrag betitelt, ist zwar nie fehl am Platz, doch braucht es nun auch dringend städtebaulich engagierte, qualifizierte und sensible Kräfte, die nicht bloss Nutzflächen und Volumen realisieren, sondern dieses entgleiste Projekt redimensionieren. Dies scheint mir die erste Voraussetzung, um gestalterische Aufgaben mit Aussicht auf Erfolg zu lösen.

 Hans Leibundgut, Zürich

Unpraktische Demokratie.

So äussert sich Spass an der Macht: etwas Mitgefühl mit der Quartierbevölkerung mimen in der Gewissheit, dass es nichts kostet. Man kam überein, dass Demokratie bei Projekten dieses Ausmasses schlicht unpraktisch wäre. Nicht, dass es das noch nie gegeben hätte, aber es scheint politisch inzwischen gangbar: Je länger, je mehr scheint das freisinnige Ideal, Effizienz nicht unnötig von lästigen demokratischen Prozessen behindert zu sehen. Die Intransparenz der auf dem Spiel stehenden Interessen geht so weit, dass man schon nicht mehr von Verschleierung sprechen kann. Auch das Schweigen der Sozialdemokratie fällt nicht gross auf, hat sie in Fragen der Stadtentwicklung jenseits des gemeinnützigen Wohnbaus doch kaum mehr eine Differenz zu den Bürgerlichen: Man ist definitiv im grossen Block der Besitzstandswahrer angekommen oder aufgegangen. Oder sollen sich die Gewerkschaften gegen volle Auftragsbücher der Bauwirtschaft wehren? Also braucht ein Vorhaben, das zwischen Altstadt und Zürichberg-Hang einen monströsen 6-Milliarden-Betonwall auftürmen will, auch gar nicht mehr auf seinen grundsätzlichen Nutzen befragt zu werden.

 Andreas Diethelm, Zürich

«Dürfen wir zulassen, dass einer der wertvollsten Stadtteile verschandelt wird?»