Kritiker des Masterplans (Plan «Berthold») für die Neugestaltung des Hochschulquartiers fordern den Kantonsrat auf, das Planwerk zur Überarbeitung an den Regierungsrat zurückzuweisen.

Lisa Maire

Die Forderung wurde am Dienstag von der AGBB-ZH (Arbeitsgruppe besorgte Bürger Zürich) im Rahmen einer Medienkonferenz lanciert. Die Gruppe erhielt dabei Schützenhilfe von zwei Meinungsführern in Sachen Städtebau, nämlich vom ehemaligen Basler Kantonsbaumeister Professor Carl Fingerhuth und Martin Killias, emeritierter Strafrechtsprofessor und seit einem Jahr Präsident des Zürcher Heimatschutzes (ZVH). Beide bezeichnen den im Masterplan 2014 und im Richtplan 2015 vorgesehenen Flä- chenzuwachs von rund 40 Prozent für Spital und Hochschulen als «masslos».

«Gigantische Verschandelung»

Fingerhuth erscheint der Plan als «gewalttätiges Abfüllen des Areals». Er wirft den Planern vor, nicht im Voraus abgeklärt zu haben, was das Quartier überhaupt verträgt. Ein Dorn im Auge sind dem Städtebauexperten sowohl die überdimensionierten Volumen als auch die Monokultur der Nutzungen und das ungelöste Problem der Erschliessung. Er wirft der Kantonsregierung aber auch eine «problematische Kommunikation» vor. Bei Projekten von dieser Bedeutung dürfe man nicht einfach die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellen. Für ZVH-Präsident Martin Killias steht fest: Bei der Planung des Hochschulquartiers muss Geschichte erkennbar bleiben. Denkmalgeschützte Bauten wie das Universitätsspital oder die Sternwarte «ertrinken aber in einem Meer von klotzigen Neubauten». Die bisher verbreitete Visualisierung aus der Vogelperspektive sei trügerisch, sagte Killias. Anhand einer neuen Visualisierung, die die Quartiere rechts der Limmat vom Lindenhof aus abbildet, zeigte er, wie der Masterplan zu einer «gigantischen Verschandelung des Quartiers» führen würde.

«Städtbau-Aufgabe nachholen»

Die Zürcher ETH-Architekten Heinz Oeschger und Matthias Hürlimann stellten das Zentrum von «Berthold», das Unispital, in seinen wahren, be- ängstigenden Massen dar – auf Fotos, vom Strassenniveau aus gesehen. Die beiden Mitbegründer der AGBB-ZH sehen ihre Analyse als Beitrag, damit aus dem «überdimensionierten Projekt» ein «echter Wurf» werden kann. Ihrer Meinung nach müssen dazu Volumen und Höhen, die «nach dem Lego-Prinzip» aufgebaut wurden, auf ein vernünftiges Mass reduziert werden. Für die AGBB-ZH ist unter anderem auch eine teilweise Preisgabe der denkmalgeschützten Spitalbauten denkbar sowie eine Verkleinerung und Verschiebung des Spitalparks. So werde es möglich, in der Ebene statt am Hang zu bauen. «Wir sagen Schach zu der bestehenden Masslosigkeit», so Hürlimann zusammenfassend. Man wünsche sich, dass der Kantonsrat den Richtplan an die Regierung zurückweise, «damit diese ihre städtebaulichen Aufgaben nachholen kann».