Von Manuel Pestalozzi

Am 28. Juni fand wieder eine Informationsveranstaltung zur Planung im Hochschulgebiet Zürich Zentrum statt. Anscheinend wird das Projekt Berthold auf verschiedenen Seiten in homöpathischen Dosen amputiert. In seinem Wesen bleibt es aber gleich.

Bürger, die sich für das Projekt und seine Entwicklung interessieren, sind vorzugsweise Mitglied eines Quartiervereins (QV) im Bereich des Planungsperimeters. Dann erhalten sie eine Einladung für Veranstaltungen, wie sie der QV Fluntern am 28. Juni im Kantonsspital organisiert hat. Thema war diesmal ausschliesslich das Universitätsspital. Spitalratspräsident und Alt-Stadtrat Martin Waser legte nochmals die Dringlichkeit dar, mit der das Ersatzneubauprojekt in Angriff genommen werden muss. Das Publikum hat noch immer die volumetrische Darstellung in Erinnerung, mit der es im Jahr 2014 überrascht wurde. Seither hat es anscheinend einige Veränderungen gegeben – die Spitalorganisation und die neue Spitaltechnik entwickeln sich eben laufend. Dies ist einer Planung auf Jahrzehnte hinaus nicht eben förderlich und macht es schwer, das Vertrauen in das Projekt zu festigen.

Das Universitätsspital hat einen neuen Direktionsvorsitzenden, die Berthold-Kompetenzen sind nun bei einer Direktorin Immobilien gebündelt. Logistik und Apotheke will man jetzt nach Schlieren auslagern, die ambulanten Fälle werden im Circle beim Flughafen Zürich-Kloten behandelt. Betten brauche man weniger. Nur schon aus Finanzierungsgründen komme es, wie Martin Waser beteuerte, zu einer substanziellen Reduktion der ursprünglich eingeforderten Flächen. Nun hofft die Spitalführung auf eine schnelle Änderung des Richtplans und die kulante Bearbeitung der Gestaltungspläne. Dann steht der Architektur-Wettbewerb für die erste Teiletappe an der Gloriastrasse an. Wenn alles rund läuft, soll diese in rund elf Jahren betriebsbereit sein.

Solche Erläuterungen sagen nichts aus über die möglichen Formen und Dimensionen des Ersatzneubaus oder den endgültigen Zustand der Gestaltungspläne. Ob alles rund läuft, das wissen derzeit die Götter. Und vielleicht die Halbgötter aus dem Kreis der Denkmalpflege-Spezialistinnen und -Spezialisten. Die Infragestellung des Haefeli Moser Steiger-Traktes löst rundum Nervosität aus, vor den Heimat-Schutztruppen muss man offenbar echt Angst haben. Denn die gehen bis vor Bundesgericht, was aufwändige, teure Planungsszenarien augenblicklich in Makulatur verwandelt. Büros, Essstörungen, Palliativmedizin, Geriatrie – das könne man in den geschützten Zweckbauten aus den 1940er- und 1950er-Jahren noch unterbringen, war an der Veranstaltung auf Nachfrage zu erfahren. Doch doch, man bringe den grossen Trakt, der als zeitgemässer Spital nicht mehr tauglich ist, schon voll, meinen die Verantwortlichen und bemängeln fast im gleichen Atemzug, dass sich dort Betten kaum kreuzen können.

Während man auf den Entscheid des Kantonsrates zum Richtplan wartet, soll in diesem Sommer noch ein Stadtraumwettbewerb anberaumt werden. Seine Aufgabe dürfte es sein, die Qualität der Freiräume und deren Anbindung an die Umgebung zu klären. Der Wille zu einer Veränderung des «Syntheseprojekts», dem Masterplan von 2014, fehlt aber. Offenbar herrscht die Meinung vor, dass man hinsichtlich der Verteilung der Volumen und Funktionen an diesem Standort die beste aller Möglichkeiten gefunden hat. Vermutlich darf man in absehbarer Zeit darüber berichten, wie Entwurfsteams mit der eher verkorksten Situation umgehen.