Geplantes Hochschulquartier Das sind hässliche Quader, TA vom 26. Juli 2016

Fehlende Einordnung in die Stadt.

Die geringe Flughöhe der Argumente des Rektors der Universität lässt mich ratlos. Seit der ersten Präsentation 2014 sind fast zwei Jahre vergangen. Längst ist erkannt, dass Hochhäuser erstens nicht in eine Hanglage gehören, zweitens nicht notwendig und für Spitäler nicht sinnvoll sind. Die Bauherren beziehungsweise Initianten haben zwischendurch bereits zugegeben, dass Städtebau – die Bemühung um Einordnung in die Stadt – nie stattgefunden hat. Deshalb wird nach wie vor versucht, die unpassenden Dimensionen der Baukörper baldmöglichst durch den Kantonsrat festschreiben zu lassen. Dazu dient das vermeintlich schlaue Argument, dass «clevere» Architektur die Sache retten könne. Auf Deutsch: Armani macht die dicke Berta zierlich und charmant. Kann man solche Medienauftritte des Uni-Rektors überhaupt noch ernst nehmen?

Otto Buchmeier, Zürich

Dem Volk vorlegen.

Uni-Rektor Michael Hengartner sagt, dass die «Quader» der Uni Zürich im Hochschulquartier zwar hässlich seien, aber gut ins Stadtbild integriert werden könnten. Wie geht das, wenn schon allein der Richtplan die Höhe der Gebäude vorschreibt, die das schöne Panorama des Zürichbergs verfremden und damit zerstören? Er sagt: «Im 19. Jahrhundert gab es starken Widerstand gegen die grossen Hauptgebäude von Universität und ETH. Heute sind sie akzeptiert und gehören zum Stadtbild.» Das ist aber nur so, weil die Kuppeln die Hauptgebäude überragen und so eine gewisse Eleganz vermitteln. «Die hässlichen Quader» bleiben aber durch den Richtplan mit der vorgegebenen Höhe der Gebäude ein 80 Meter langer Riesenklotz mit vielen kleinen Klötzen, da können Ausführungsplan und clevere Architektur nichts ändern und verschönern. Rektor Hengartner sagt auch, dass die Anwohner von der Neugestaltung mit der Anlage zum «Central Park» profitieren würden. Dieser Park könne «zum wichtigsten Treffpunkt für das Hochschulquartier» werden. Ein grosser Teil dieses Parks ist aber auf drei Seiten von Spital und Bettentrakt umschlossen und kann der Öffentlichkeit herzlich wenig zum Verweilen dienen. Ich gehe mit Michael Hengartner nur einig, wenn er sagt, dass dieses Projekt dem Volk vorgelegt werden sollte.

Raffael Ullmann, Zürich

Grundsätzlich überdenken.

Immer wieder liest man in den Zeitungen und hört man bei Präsentationen von den Verantwortlichen fast mantramässig, dass der «gute Städtebau» erst im Lauf der Erarbeitung der Gestaltungspläne und dann bei der Auswahl der geeigneten Architekten für die Wettbewerbe verwirklicht wird. Aber gerade hier liegt der fundamentale Denkfehler. Der eigentliche städtebauliche Akt wird mit dem Masterplan/Richtplan gesetzt und nicht bei den Gestaltungsplänen, bei diesen geht es im Nachhinein lediglich noch um die Form. Oder anders ausgedrückt: Wenn das Konzept nicht stimmt, werden die Gestaltungspläne zur reinen Kosmetik. Es sind auch nicht die Wünsche der Hochschulen, welche kritisiert werden sollten, sondern die zu früh fixierten planerischen Prämissen. Platz gibt es in diesem Gebiet nämlich genügend, es ist nur die Frage der Verteilung, die beantwortet werden müsste, damit dieses Gebiet nicht nur wissenschaftlich, sondern auch städtebaulich aufgewertet wird. Im Klartext: Man darf sich nicht scheuen, den Perimeter, den Verlauf des Spitalparks sowie die Zukunft des Häfeli-Moser-Steiger-Baus grundsätzlich zu überdenken: Jetzt ist es technisch noch möglich; je weiter diese Grundsatzdiskussion hinausgeschoben wird, desto näher kommt man aber an den Point of no Return, und damit wäre die einmalige Chance verpasst, das Hochschulquartier Zürich ganzheitlich aufzuwerten.

Heinrich O. Matthias, Zürich

Strategie ohne Mehrwert.

Meiner Meinung nach ist eine architektonische Debatte zum jetzigen Zeitpunkt irreführend. Zuerst muss geklärt werden, ob es überhaupt strategisch sinnvoll ist, wertvolle Bausubstanz und ein intaktes städtisches Quartier einer sich hauptsächlich am internationalen Hochschulranking orientierenden, zentralisierten Hochschulplanung zu opfern. Ich bezweifle, dass durch eine Anhäufung einzelner Fakultäten Synergien entstehen, und frage mich, wo der Mehrwert dieser Strategie liegt.

Urs Esposito