Die drei Fürsten des Hochschulquartiers, Lino Guzzella (ETH), Michael Hengartner (Universität Zürich) und Martin Waser (Universitätsspital), schwärmen vom hohen Ross herab von ihren Träumen zum Zürcher Wissenschaftsstandort, der «sogar über Europa hinaus wahrgenommen wird» und zu «Megatrends im Bereich Medizin, die weltweit ausstrahlen, führt» (NZZ 5. 7. 16). Mit dieser Machtdemonstration, der allerhöchste Hightech-Ansprüche zugrunde liegen, und gigantischen Raumforderungen entlarven sie sich als unprofessionelle Bauherren: Die Modellaufnahme zeigt ein Bild mit Legoartig gestapelten Bauvolumen ohne jeden Zusammenhang. Nach dreijährigem Planungsprozess fällt auch Martin Waser nun ein: «Die städtebauliche Diskussion müssen wir noch führen.» Das Volk trägt nicht nur die Milliardenkosten des Projekts, es wird bald auch die mutwillige Zerstörung eines der lebendigsten zentralen Stadtquartiere erleiden. Die drei Herren legen gemeinsam mit Baudirektor Markus Kägi ein Kuckucksei ins Nest des Zürcher Hochschulquartiers. Wenn der Vogel schlüpft und die Türme in die Höhe schiessen, wird die Stadtbevölkerung jäh erwachen und das Ausmass einer Giganterie erkennen, die auf Masse (Volumen) statt Klasse (Qualität) setzt. Nur der Kantonsrat kann jetzt noch die Bremse ziehen.

Matthias Hürlimann, Zürich

ETH-Chef Lino Guzzella und seine Kollegen von Spital und Universität wollen den Medizinstandort Zürich von Platz drei in Kontinentaleuropa ganz an die Spitze bringen. Dafür braucht Guzzella keine goldene Infrastruktur, bezahlt vom Bürger. Die wirklich Besten kommen nämlich nicht wegen toller Büros und luxuriöser Labors, sondern weil sie mit den spannendsten Köpfen faszinierende Aufgaben lösen wollen. Der Schuss geht vielmehr nach hinten los. Gross klotzen, statt clever zu vernetzen, das begräbt je länger, je mehr die Lust am Forschen.

Lukas Hässig, Zürich