06.07.2016, Züriberg
Eingeladen zu der Infoveranstaltung über das Projekt Universitätsspital Zürich (USZ) hatte der Quartierverein Fluntern. In einem altehrwürdigen Hörsaal gaben vor etwa 40 Interessierten Martin Waser, Spitalratspräsident und alt Stadtrat, Gregor Zünd, Vorsitzender der Spitaldirektion, Maria Aström, Direktorin Immobilien, sowie Peter Bodmer, Projektdelegierter «Berthold», Erläuterungen zu dem Riesenprojekt, dessen erste Teiletappe an der Gloriastrasse frühestens 2026 umgesetzt sein wird. Geschätzte Kosten: 600 Millionen Franken.

Um es gleich vorwegzunehmen: An der Podiumsdiskussion unter Leitung der Journalistin Esther Girsberger gab es auf Fragen zu den heissesten Punkten – Höhen, Volumetrien, Erschliessung – keine konkreten Antworten. Aber immerhin die Absichtserklärung der USZ-Verantwortlichen, die ursprünglich eingeforderten Raumansprüche beträchtlich zu reduzieren. Man sei seit der ersten Bedarfsformulierung, die im Masterplan 2014 Eingang fand, flexibler geworden – «gescheiter», gab Waser zu. «Wir waren zuerst strukturell nicht richtig vorbereitet, jetzt sind wir anders aufgestellt und können besser sagen, was wir brauchen – und was wir finanzieren können.» Zu den strategischen Neuerungen gehört die Auslagerung der Kantonsapotheke und verschiedener Logistikdienste nach Schlieren sowie der Hälfte der ambulanten Leistungen in den «Circle» beim Flughafen Kloten.

Die strategische Weichenstellung des USZ lautet gemäss Waser: «Kein quantitatives Wachstum – tendenziell wird es weniger Betten geben.» Hingegen soll in dem «europaweit einmaligen akademischen Medizincluster» (Gregor Zünd) qualitative Exzellenz im Vordergrund stehen. Diese will man nicht nur durch das Zusammenrücken von Versorgung, Forschung und Lehre erreichen, sondern auch durch gezielte Kooperation mit externen Gesundheitsdienstleistern wie etwa Spitex, Hausärzten und Pflegeheimen.

Denkmalschutz kritisiert

Bei den verschiedenen besorgten Fragen aus dem Publikum zu Höhen und Volumen der künftigen Ersatzneubauten verwiesen die USZ-Verantwortlichen auf das Planungsprozedere: Zurzeit berät die kantonsrätliche Kommission für Planung und Bau über eine Richtplananpassung. «Der Kantonsrat wird uns sagen, wie viel Fläche wir beanspruchen dürfen», erklärte Peter Bodmer. Dann gehe es darum, die Gestaltungspläne, die zurzeit als Entwurf vorlägen, an den Richtplan anzupassen. Höhen und Volumen würden jedoch noch nicht auf der Richtplanstufe festgelegt, sondern erst im Architekturwettbewerb. Waser stellte zudem für Juli die Ausschreibung eines Stadtraumwettbewerbs in Aussicht. Mit dem Richtplan sei die Diskussion garantiert nicht abgeschlossen, versicherte er. «Wir wollen unbedingt wissen, was die Bevölkerung bewegt.» Architekt Heinz Oeschger, der sich bereits als öffentlicher «Berthold»-Kritiker einen Namen gemacht hat, nahm die Gelegenheit wahr und forderte aus dem Publikum heraus, die Gebäudehöhe müsse auf erträgliche 480 m ü. M. herunterkommen (Vertiefungsstudien von 2014 geben den USZ-Bauten 40 bis 50 Meter mehr Platz nach oben.)

Bei etlichen Voten aus dem Publikum ging es um Kritik an der geplanten Erhaltung des alten Spitalbaus und -parks. Der vom Architektenbüro Haefeli Moser Steiger (HMS) in den 1940er- und 1950er-Jahren entworfene Komplex steht unter Denkmalschutz. Der HMS-Bau dränge alle Neubauten den Hang hinauf, nervte sich ein Fluntermer. «Wieso kann man nicht darüber reden, dass seine Zeit abgelaufen ist?» Ein anderer Quartierbewohner sprach gar von «Landischrott», und ein dritter Kritiker meinte, die Bevölkerung würde nicht verstehen, wieso ein derart grosser Bau, der als Spital nicht mehr tauge, stehenbleiben müsse. Das sei doch ein undemokratischer Entscheid.

Die USZ-Führung machte jedoch klar: Weder der HMS-Bau noch der Spitalpark mitsamt der alten Anatomie dürfen angetastet werden. «Andernfalls sieht man sich vor Bundesgericht wieder», zitierte Bodmer die Haltung der Denkmalschützer. Beim USZ, das keine Projektverzögerungen riskieren will, macht man sich deshalb schon mal Gedanken, wofür der alte Spitalbau künftig genutzt werden könnte. Gregor Zünd nannte Beispiele, die ohne viel Technik auskommen: Büros, Palliativmedizin, Geriatrie, Klinik für Essstörungen.

Sorgen wegen Mehrverkehr

Neben Volumen, Höhen und Verteilung der Ersatzbauten beschäftigt im Quartier vor allem der erwartete Mehrverkehr. Das Problem sei bisher beschönigt worden, kritisierte eine Vertreterin der FDP 7/8 das fehlende Verkehrskonzept. Waser beruhigte: «Das Spital ist kein Verkehrsverursacher im grossen Stil.» Zu 90 Prozent kämen die Leute mit öV, Velo oder zu Fuss. Und Bodmer betont, auch ein Verkehrskonzept müsse nicht schon auf Richtplanstufe feststehen. Die etwa 20 000 zusätzlichen Menschen, die bis 2045 ins Planungsgebiet kommen werden, seien gemäss Studien verkraftbar. Allerdings nicht ohne Ausbau des öV. Man diskutiere zurzeit mit der Stadt diverseste Möglichkeiten. Einem Podiumsteilnehmer, der in der geplanten Auslagerung von Logistik und Kantonsapotheke einen Denkfehler ortete («wie kommen denn die Waren hierher?»), gab Waser schliesslich zu bedenken: «Statt 40-Tönner werden kleinere Lieferwagen eingesetzt. Heute kämen die 40-Tönner manchmal wegen 50 Kilo. Diesen Unsinn wird es nicht mehr geben!»