«Vorwurf des Gigantismus ist unfair»

Die Chefs von ETH, Uni und Unispital zum Ausbau des Zürcher Hochschulquartiers

In Zürichs Stadtzentrum soll ein Medizin-Cluster von weltweitem Renommee entstehen. DieSpitzen von ETH, Universität und Universitätsspital kontern die Kritik an den Dimensionen des Projekts.

IRENE TROXLER

Die ambitionierten Pläne von ETH, Universität und Universitätsspital im Zürcher Stadtzentrum haben eine Reihe von Skeptikern auf den Plan gerufen. Die drei Institutionen wollen dort im Rahmen eines Masterplans bis 2050 vier Milliarden Franken investieren. Damit sollen etwa 40 Prozent mehr Flächen für Spital, Lehre und Forschung gewonnen werden, hauptsächlich im Bereich der Medizin. Sowohl die städtebaulichen Vorgaben als auch die vorgesehenen Hochhäuser am Zürichberghang stossen auf Kritik. Im NZZ-Interview stehen die Verantwortlichen Red und Antwort: Lino Guzzella, der Präsident der ETH Zürich, Michael Hengartner, der Rektor der Universität, und Martin Waser, der Präsident des Spitalrats, betonen die Bedeutung der Projekts, das nicht einfach «nice to have» sei. «Der Vorwurf des Gigantismus ist für mich etwas unfair», sagt Guzzella. Sie hätten sich gegen eine Salamitaktik entschieden und alle Pläne auf den Tisch gelegt. Dass die Sache nun auf den ersten Blick gross erscheine, hänge mit dem langen Zeithorizont des Vorhabens zusammen. Bereits heute sei Zürich dank der Nähe und der engen Zusammenarbeit der drei Institutionen ein herausragender Standort für medizinische Forschung, sagen die drei. Diese Führungsrolle müsse man weiter ausbauen, um die Zukunftsfähigkeit der Schweiz zu sichern. «Wir wollen die gescheitesten Köpfe der Welt nach Zürich holen», sagt Guzzella. Dazu biete der Standort mitten in der Stadt enorme Konkurrenzvorteile gegenüber peripher gelegenen Universitäten. Nebst einem modernen Spital sei auch ein neues Universitäts-Hauptgebäude geplant, das der Bevölkerung offenstehe, verspricht Hengartner, der überzeugt ist, dass sich eine attraktive Hochschule auch für den Wirtschaftsstandort Zürich auszahlt. Die architektonische Umsetzung werde mit grösster Sorgfalt erfolgen, versprechen die drei. Die nötige städtebauliche Debatte werde man noch führen. Waser verweist auf gewichtige Stimmen, die fordern: «Baut hier etwas Markantes; etwas, das man sieht.» Hengartner, Guzzella und Waser sind sich einig, dass Zürichs Einwohner künftig so stolz auf die Neubauten sein sollen, wie sie es heute auf die markanten Hauptgebäude von Universität und ETH sind.

Die Spitzen von ETH, Universität und Universitätsspital erklären, wie sie mitten in Zürich den Hochschul-Campus der Zukunft realisieren wollen – NZZ vom 05.07.2016