Kommission des Kantonsrats will Abbruch des Haefeli-Moser-Steiger-Baus bei Planung nicht ausschliessen

Die Kommission für Planung und Bau des Kantonsrats hat die Pläne fürs Hochschulgebiet ganz leicht abgespeckt. Und sie möchte, dass noch einmal über die Schutzwürdigkeit der alten Spitalbauten diskutiert wird.
Adi Kälin

Die Planung für das Hochschulgebiet bewegt seit Jahren die Gemüter der Anwohner. Vielen erscheint das Volumen der Erweiterungen für Universität, ETH und Spital als viel zu gross und massig. In einigen Punkten ist die Kommission für Planung und Bau des Zürcher Kantonsrats nun den Gegnern etwas entgegengekommen, hält aber im Grundsatz an der Planung fest. Einstimmig sagt die Kommission Ja zum abgeänderten Richtplan, dem zentralen Instrument für die Zukunft des Hochschulgebiets. Als Nächstes muss nun der Kantonsrat über den Richtplaneintrag entscheiden. Dies dürfte aber wegen der Budgetdebatte kaum mehr dieses Jahr geschehen. Verfeinert wird die Planung anschliessend durch fünf kantonale Gestaltungspläne, die von der Baudirektion erlassen werden müssen.

Wie viel zusätzliche Fläche?

Das heutige Hauptgebäude des Universitätsspitals stammt vom Architektentrio Haefeli Moser Steiger und ist im Inventar der schützenswerten Bauten aufgeführt. Seine zentralen Bauten sollen erhalten bleiben. Die Kommission für Planung und Bau sieht das allerdings anders. Laut ihrer Medienmitteilung plädiert sie einstimmig dafür, den ganzen oder teilweisen Abbruch des Baus mindestens in Erwägung zu ziehen. «Um eine in betrieblicher und städtebaulicher Hinsicht bestmögliche Planung zu ermöglichen, kann der Haefeli-Moser-Steiger-Bau ganz oder teilweise abgebrochen werden», heisst es in einem neu eingefügten Punkt. Eine Entlassung aus dem Inventar liegt zwar nicht in der Kompetenz des Kantonsrats. Man müsse aber im weiteren Planungsprozess den Denkmalschutz gegen die betrieblichen Erfordernisse eines modernen Spitzenspitals abwägen, findet die Kommission. Auch die alte Anatomie, ein Rest des Spitals aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, hat zu Diskussionen geführt. Möglicherweise wird man nun mindestens die Fassade erhalten.

Die Mehrheit der Kommission will die Vorlage des Regierungsrats in weiteren Punkten ändern. Statt einer Erweiterung der Geschossflächen um 350 000 Quadratmeter, was rund 40 Prozent entspräche, sollen es noch 320 000 Quadratmeter sein. Die Reduktion entspricht den Berechnungen der einzelnen Institutionen, die ihren zusätzlichen Flächenbedarf seit Beginn der Planung selber auf 315 000 Quadratmeter heruntergeschraubt haben. Die SP hatte in der Kommission eine Reduktion auf 290 000 Quadratmeter beantragt, die Grünen wollten sogar nur 230 000. Die Mehrheit der Kommission fand, wie es in einer Medienmitteilung heisst, der Antrag der Grünen gefährde das Projekt, jener der SP lasse zu wenig Spielraum für die künftige Entwicklung.

Im Norden wird der Perimeter etwas verkleinert: Das Dreieck zwischen Universitätsstrasse und Sonneggstrasse soll daraus entlassen werden und seinen Charakter als Wohngebiet behalten. Konkrete Pläne hätte es für das Gebiet allerdings sowieso nicht gegeben. Eine Kommissionsminderheit wollte den Perimeter unverändert lassen, damit die ETH dort mindestens langfristig Entwicklungsmöglichkeiten hat.

Im Bereich Verkehr will die Mehrheit der Kommission explizit festgehalten wissen, dass die Zahl der Parkplätze erhalten bleibt. Sie befürchtet etwa, dass man das Parkhaus Central «opfern» könnte, um dort eine mechanische Aufstiegshilfe zu schaffen. Auch die Kapazität der Hauptverkehrsstrassen soll nach Auffassung der Mehrheit der Kommission gleich bleiben. Gefordert werden überdies eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und mehrere Achsen für Fuss- und Veloverkehr. «Nach Möglichkeit» soll zudem eine attraktive Treppe vom Central zur ETH, entlang der Polybahn, gebaut werden.

Stadt darf nicht entscheiden

SP und Grüne wollten, dass für die weitere Planung nicht kantonale, sondern kommunale Gestaltungspläne als Instrument verwendet würden. Damit könnte die Stadt Zürich mitentscheiden. Die Mehrheit lehnt dies ab, weil die Stadt ja eng in die Planung eingebunden sei und die Bedeutung des Projekts kantonale Gestaltungspläne erheische. Viele Anträge wechselnder Mehrheiten drehen sich um Detailfragen, die in der Regel nicht im Richtplan festgehalten sind. So wird etwa gefordert, fossile Energie auf ein Minimum zu reduzieren, ökologisch wichtige Nischen zu erhalten, Dachflächen für die Erzeugung von Strom zu nutzen oder auf eine besonders gute Architektur zu achten. Die Mehrheit findet, dies müsse in den Gestaltungsplänen geregelt werden – auch wenn bei diesen der Kantonsrat nicht mitreden könne.

Der Masterplan für das Hochschulgebiet sieht vor, dass Wohnraum ausserhalb des Planungsperimeters, der heute von Universitätsinstituten belegt ist, wieder zum Wohnen genutzt werden soll. SP und Grüne wollen dies auch im Richtplan gesichert wissen, die Mehrheit stellt sich aber dagegen. Die Höhe der Bauten hätte die FDP gern begrenzt, die Mehrheit findet, dass dies nicht nötig sei. Zum einen verringere die Flächenreduktion den Zwang, in die Höhe zu bauen, zum andern seien turmartige Gebäude für Spitäler unpraktisch. Zudem sollen die Architekturwettbewerbe möglichst offen gestaltet sein.

Während die Kommission am Richtplan gearbeitet hat, ist auch die eigentliche Planung vorangetrieben worden. Am Freitag wird an einer Pressekonferenz, an der sich Vertreter von Regierungs- und Stadtrat beteiligen, über die Fortschritte berichtet. Dann wird es sich auch zeigen, ob es Punkte gibt, in denen sich die Anträge der Kommission und die neuen Planungen widersprechen.


Nur die Grünliberalen wollen zurück auf Feld eins

wbt. ⋅ «Die Kommission für Planung und Bau (KPB) stimmt dem abgeänderten Richtplan einstimmig zu», heisst es in deren Medienmitteilung vom Mittwoch. War da nicht einmal irgendetwas? In der Tat hatte die KPB im Juni darüber orientiert, dass sie die Rückweisung der Richtplanvorlage der Regierung zum Hochschulgebiet mit 14 zu 1 Stimme abgelehnt habe. Der Antrag war von Kommissionsmitglied Thomas Wirth (glp., Hombrechtikon) eingereicht worden, und trotz Einstimmigkeit zum Abschluss der Beratungen hält Wirth an der Rückweisung in Form eines Minderheitsantrags fest.

Der Kantonsrat verpasse leichtfertig eine städtebauliche Chance, wenn er den Rückweisungsantrag wie die Kommission ablehne, schreibt die kantonale GLP in ihrer Stellungnahme zum Kommissionsentscheid. Bereits zu Beginn der Planung zum Hochschulgebiet seien die Weichen falsch gestellt worden. Mit der Rückweisung lasse sich dies ohne entscheidenden Zeitverlust korrigieren. Man vergrössere die Akzeptanz und verkleinere die Risiken der Umsetzung. Den Grünliberalen schwebt eine Neugestaltung vor, wie sie im vergangenen Jahr oft herumgeboten wurde: mit einer Ausrichtung des Universitätsspitals auf die Rämistrasse und einem Park, dessen Zentrum die alte Sternwarte bilden soll.

So weit geht sonst keine Fraktion. Eine grosse Mehrheit trägt das Vorhaben, wie es die Kommission verabschiedet hat, mit. Die CVP ist hier am konsequentesten. Es sei für die Zukunft des Standorts essenziell, dass sich ETH, Universität und Universitätsspital angemessen entwickeln könnten, schreibt die Partei. Wichtig sei, dass der Richtplan-Eintrag zum Hochschulquartier für die nachgelagerten Planungen genügend Gestaltungsspielraum offenlasse. Die erarbeitete Vorlage sei eine stabile Fundamentplatte für den kommenden Überbau. Umso fahrlässiger wäre es, jetzt aus parteipolitischen Motiven oder Partikularinteressen unüberlegt an einzelnen Stellschrauben zu drehen.

Die SVP ist «im Grundsatz einverstanden» mit der Vorlage. Wichtig sei, dass die Geschossfläche von 350 000 auf 320 000 Quadratmeter reduziert worden sei. Das beeinflusse automatisch die möglichen Höhen der Bauten. Schon jetzt warnt die SVP vor möglichen Kostenüberschreitungen. Die FDP verweist ausdrücklich auf ihren einstimmig gutgeheissenen Antrag, den vollständigen oder teilweisen Abbruch des Häfeli-Moser-Steiger-Baus als Möglichkeit vorzusehen, um für die konkrete Planung mehr Optionen zu schaffen. Sie macht mit dem allgemeinen Einverständnis also einen Schritt auf die GLP zu, ohne die Realisierung des Gesamtkonzepts zu gefährden, wie sie betont. Alle Parteien weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Quartierverträglichkeit hohe Beachtung zu schenken sei. In der Stellungnahme der FDP ist deren Verankerung in der Anwohnerschaft deutlich zu spüren. Sie setzt sich insbesondere auch für eine Höhenbeschränkung ein, fand damit aber in der Kommission keine Mehrheit.

Zwar ist auch die SP mit den planungsrechtlichen Grundlagen für die Weiterentwicklung der universitären Medizin einverstanden, möchte aber die Geschossflächen auf 290 000 Quadratmeter begrenzen. Auch sie fordert einen mit dem umliegenden Quartier zusammen gedachten Campus, in dem sich auch abends ein öffentliches und kulturelles Leben entfalten könne. Ins Zentrum stellt sie zusammen mit der Stadtpartei aber die Forderung nach demokratischer Mitsprache der Stadtzürcher Bevölkerung. Deshalb verlangt sie kommunale statt kantonaler Gestaltungspläne, weil diese durch den Gemeinderat festgelegt werden und ein Referendum in der Stadt Zürich ermöglichen.

Darin trifft sie sich mit den Grünen. Auch diese wehren sich dagegen, dass die nächsten Planungsschritte, die Gestaltungspläne, durch die kantonale Baudirektion allein beschlossen werden können. Strenger als die SP gehen sie mit den Geschossflächen um. Sie fordern eine Begrenzung auf 230 000 Quadratmeter. Wie andere Parteien sprechen die Grünen zudem die offenen Fragen des Verkehrskonzepts und der Erschliessung für die Fussgänger vom Hauptbahnhof her an. Und sie möchten die versprochene Rückführung von nicht mehr benötigtem Wohnraum vertraglich geregelt haben.

Die Sektion Zürich des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) kritisiert die Verkehrserschliessung als ungenügend und unverbindlich. Nach den Beratungen in der KPB stelle man ernüchtert fest, dass auch nach insgesamt elf Jahren Verkehrsplanung im Hochschulgebiet nur unwesentliche Fortschritte erzielt worden seien. Es brauche insbesondere konkrete und verbindliche Projektierungen für den öffentlichen, den Fuss- und den Veloverkehr.