Das ausgebaute Hochschulgebiet beansprucht weniger Raum und erzeugt doch nicht so viel Mehrverkehr

Kantonsregierung, Stadtrat und Hochschulen lassen keine Zweifel zu, welche Bedeutung die weitere Entwicklung des Universitätsviertels für Zürich hat. Sie haben zum Stand der Arbeiten informiert.
 Stefan Hotz

Manchmal liegt die Botschaft in der Form, wie sie vorgetragen wird. Etwa wenn drei Mitglieder des Regierungsrats, zwei Stadträte und die Spitzen von Universität, ETH und Unispital (USZ) gemeinsam vor die Medien treten. Das manifestiert den Stellenwert, den die Entwicklung des Hochschulgebiets Zentrum für Zürichs Zukunft geniesst, und zeigt, dass die Beteiligten sich einig sind.

Anlass des Auftritts vom Freitag war das Ja der kantonsrätlichen Kommission für Planung und Bau (KPB) zur Richtplanvorlage vom Mittwoch. Die langen Beratungen haben zwar nicht den planerischen Elan der beteiligten Ämter und Institutionen gebremst, aber die Möglichkeit, sich mitzuteilen. So unterstrichen alle Redner, wie wichtig das Vorhaben für den Forschungsplatz und Wirtschaftsraum Zürich ist und wie entscheidend, dass die Institutionen in Fussdistanz zueinander bleiben.

In der Sache war das meiste spätestens seit dem KPB-Entscheid bekannt. So wurde der Raumbedarf um über 10 Prozent auf 315 000 Quadratmeter reduziert. Das erlaubt es, die maximale Höhe der Gebäude um zwei bis drei Stockwerke auf 57 Meter zu senken. Betont wurde, die Kubaturen würden in der Praxis nicht ausgeschöpft, seien aber nötig, um den künftigen Architekten Spielraum zu geben. Vor allem das USZ verkleinere den «Fussabdruck», so Spitalratspräsident Martin Waser. Es lagert Nebenbetriebe aus; die Kantonsapotheke nach Schlieren, die ambulante Versorgung in den Circle an den Flughafen.

Das kommt auch dem Denkmalschutz zugute. Anders als bis anhin vorgesehen bleibt der historische Bau der Anatomie am Spitalpark erhalten. Er soll zu einem Begegnungszentrum werden. An den Gelenkbau von Haefeli-Moser Steiger legen Kanton und Stadt nicht Hand an, auch wenn die KPB das «in Erwägung» ziehen will. Laut Baudirektor Markus Kägi ist der Ausbau des USZ mit dem Bau möglich, weshalb seine Entlassung aus dem Inventar der Schutzobjekte unrealistisch ist.

Stadtrat André Odermatt meinte zur Alternative, das Spital entlang der Rämistrasse neu zu bauen, es diene der Bevölkerung mehr, den schützenswerten Spitalpark zu erhalten, als einen neuen Garten hinter einem Riegel anzulegen. Er betonte, man lege grossen Wert darauf, dass ein lebendiges und durchlässiges Quartier entstehe. Zu diesem Zweck wird demnächst ein Studienauftrag für ein Stadtraumkonzept vergeben.

Entspannt haben sich die Erwartungen zum Mehrverkehr. Im Masterplan von 2014 rechnete man bis 2030 mit 45 Prozent Zunahme, jetzt noch mit 16 Prozent. Laut Stadtrat Filippo Leutenegger lässt sie sich mittelfristig mit einer Verdichtung des Tramverkehrs und Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr auffangen. Später sollen «Aufstiegshilfen» wie Rolltreppen ab Central und Stadelhofen dazukommen.

Zwei Kennzahlen zeigen die Dimension des Vorhabens: Die Gesamtkosten werden auf 4,5 Milliarden Franken geschätzt, der Zeithorizont reicht bis 2045. Zunächst entscheidet der Kantonsrat über den Richtplaneintrag. Mitte 2017 liegen die Gestaltungspläne und das Stadtraumkonzept vor. Noch in diesem Jahrzehnt starten jeweils mit einem Architekturwettbewerb 3 von insgesamt 6 Projektierungen: zuerst für den USZ-Neubau im Kernareal Ost an der Gloriastrasse, etwas später dann für einen Neubau der Universität auf dem Gebiet Wässerwies und für die medizinische Forschung im sogenannten Gloriarank.


Der Heimatschutz atmet auf, andere sind enttäuscht

tox. ⋅ «Die Minimalforderungen des Heimatschutzes sind erfüllt», freut sich Barbara Truog. Die Präsidentin der Stadtzürcher Sektion hat für den Erhalt des alten Spitals samt Park und Anatomie-Gebäude gekämpft. Nun haben die Projektverantwortlichen ihre Pläne entsprechend angepasst. Weniger begeistert ist der Heimatschutz von der angekündigten Reduktion der Volumen. «Wir hätten uns mehr erhofft», sagt Truog dazu. Für Martin Schneider, den Präsidenten des Quartiervereins Fluntern, sind die Korrekturen an den Flächen und Höhen ein Schritt in die richtige Richtung. Die Quartierbevölkerung sei grundsätzlich für die Weiterentwicklung des Medizin-Standorts im Stadtzentrum, ist er überzeugt. Sie habe aber weiterhin Bedenken wegen der grossen Volumen und fordere öffentliche Erdgeschoss-Nutzungen und gute Verbindungen für die Fussgänger. Daher setze sie hohe Erwartungen in die konkrete Planung, die jetzt erst beginne. Enttäuscht ist hingegen Heinz Oeschger, der Sprecher der Arbeitsgruppe besorgter Bürger. Die Vorlage der Baudirektion sei krud und unbedarft, sagt er. Die Anforderungen an guten Städtebau seien missachtet worden. Sowohl die Haefeli-Moser-Steiger-Bauten als auch der Spitalpark müssten teilweise zur Disposition gestellt werden. Diesen Weg habe die Kommission für Planung und Bau des Kantonsrats geöffnet. Er solle nun begangen werden. Die Entwicklung des Medizin-Standorts zieht aber auch die Arbeitsgruppe nicht in Zweifel.