Die kantonsrätliche Kommission für Bau und Planung hat den angepassten Richtplan für das Hochschulgebiet einstimmig verabschiedet. Aus diesem Anlass informierten letzte Woche Vertreter von Kantonsregierung, Stadtrat und Institutionen über den letzten Stand des Riesenprojekts.

Lisa Maire

Der Aufmarsch war fast so beeindruckend wie die Dimension des Planwerks, um das es ging: Drei Regierungsräte und ihr Projektdelegierter, zwei Stadträte sowie die Vertreter von Unispital (USZ), Universität und ETH informierten am Freitag vor den Medien über den letzten Stand einer Planung, die das Hochschulquartier in den nächsten 30 Jahren massgeblich verändern wird. Geschätzte Kosten des Generationenprojekts: 4,5 Milliarden. Dafür sollen in drei Etappen insgesamt rund 315 000 m2 zusätzliche Geschossflächen verbaut werden, die das Unispital und die Hochschulen für ihre Entwicklung beanspruchen.

Raumbedarf reduziert

Gegenüber dem Richtplanentwurf von 2015 reduziert sich der angemeldete Flächenbedarf damit um 10 Prozent. Und zwar dank dem USZ, das aus wirtschaftlichen Gründen seinen «Fussabdruck» um fast 40 000 qm2 verkleinert hat. Spitalratspräsident Martin Waser versicherte denn auch zum wiederholten Mal: «Wir wollen kein überdimensioniertes Spital.» Die Bettenkapazitäten würden nicht erhöht, bestimmte Dienstleistungen wie Wäscherei, Kantonsapotheke oder Ambulatorium nach Schlieren und in das neue Zentrum «Circle» beim Flughafen ausgelagert. Durch die Flächenreduktion wurde es möglich, auch die – öffentlich vielfach kritisierten – maximalen Hö- hen um neun Meter herunterzuholen. Das höchste Gebäude werde nicht höher als 57 Meter (512 m ü.M.) sein, versicherte Baudirektor Markus Kägi. «Die Albiskette bleibt also von der Kirche Fluntern aus sichtbar.» Es sei denkbar, dass auch die neu definierten Obergrenzen nicht ausgeschöpft würden, betonte er. Sie gewährleisteten jedoch einen gewissen Spielraum bei der architektonischen Umsetzung.

Denkmalschutz: Keine Diskussion

Keine Aufweichung zeichnet sich beim Thema Denkmalschutz ab. Unerwartet hat die Kommission für Bau und Planung (KBP) in ihrem Bericht zuhanden des Kantonsrats die Schutzwürdigkeit des alten Spitals der Architekten Haefeli Moser Steiger (HMS) sowie des Spitalparks zur Diskussion freigegeben. Zuvor hatten Kritiker des Masterplans bereits beanstandet, der HMS-Bügel drücke die ganze Baumasse klotzig den Hang hinauf. Der Regierungsrat will sich jedoch auf keine Diskussionen – und damit auf Verzögerungen des Gesamtprojekts – einlassen: «Drei hochwertige Gutachten» hätten die Schutzwürdigkeit der alten Spitalanlage bestätigt, sagte Kägi. Auch die «Alte Anatomie» soll erhalten bleiben. Man sei überzeugt, dass sich das bestehende Spital gut in die Neuplanung des USZ integrieren lasse.

Stadtraumkonzept und Dialog

Auch Stadtrat André Odermatt hält nichts von der Abrissforderung. Die Kritiker erhofften sich damit eine Verschiebung und Verdichtung der Planungshauptachse entlang der Rä- mistrasse, sagte er. «Dies widerspricht aber dem Prinzip der Durchlässigkeit.» Die Stadt lege grossen Wert auf ein durchlässiges, lebendiges Quartier. Laut Odermatt wurde soeben ein Studienauftrag für ein Stadtraumkonzept ausgeschrieben. Dessen Empfehlungen sollen in die kantonalen Gestaltungspläne einfliessen, die wiederum genügend Spielräume für den späteren Architekturwettbewerb enthalten würden. Gleichzeitig, so betonte Odermatt, wolle die Stadt auch den «sehr wichtige Dialog» mit den Quartiervereinen und der Bevölkerung weiterführen. Ebenfalls in die kantonalen Gestaltungspläne einfliessen werden Erkenntnisse aus Verkehrs- und Umweltstudien. Mit den reduzierten Ausbauansprüchen verringere sich zwar das ursprünglich vorausgesagte Verkehrswachstum, sagte Stadtrat Filippo Leutenegger. Trotzdem: Bis zum Vollausbau des «Gesundheitsclusters» sei mit 16,5 Prozent mehr Studierenden, USZ-Beschäftigten, -Patienten und -Besuchern zu rechnen.

ÖV-Ausbau und Aufstiegshilfen

Gemäss Studien nutzen dabei die allermeisten den öV für die Anreise. In der Morgenspitze sind dies heute 11 000 Personen. Neben einem Ausbau der Tramkapazitäten und einer neuen Dreifach-Haltestelle, so Leutenegger, seien deshalb auch betriebliche Massnahmen der Hochschulen zur Vermeidung von «Pulks» gefordert. Als weitere Massnahmen gelten Ausbau der Velorouten und der Fussverbindungen. Die sogenannten Aufstiegshilfen ab Stadelhofen/Bellevue und ab HB/Central bleiben vorerst vage Ideen. Ob Rolltreppen oder unterirdische Fahrsteige – zurzeit seien Machbarkeitsstudien im Gange, informierte Leutenegger. Und wie sieht der Zeithorizont aus? Gemäss Gesamtkoordinator Peter E. Bodmer ist Mitte 2017 mit Stadtraumkonzept und Gestaltungsplänen zu rechnen. Danach folgen die ersten Architekturwettbewerbe (USZ-Neubau Gloriastrasse, Uni-Neubauten Wässerwies und Gloriarank). Bis 2025 soll die erste Bauetappe vollendet sein, bis 2035 die zweite und bis 2045 dann die letzte.