Die Gegner des Masterplans Hochschulgebiet Zürich finden, dass die Wirtschaftswissenschaften nicht im Stadtzentrum sein müssen.

Marius Huber

Der organisierte Widerstand gegen den Grossumbau des Zürcher Hochschulquartiers hat sich ein neues Ziel ausgesucht. Nachdem bisher das Universitätsspital wegen der Ausmasse der geplanten Neubauten im Fokus stand, geht es nun um die Universität. Denn erstens legt diese laut der «Arbeitsgruppe Besorgte Bürger Zürich» nach bisherigem Planungsstand bei den Geschossflächen deutlicher zu als das Spital. Und zweitens habe sie bisher keine Abstriche gemacht – anders als das Spital, das seinen Bedarf primär aus wirtschaftlichen Gründen um 25 Prozent reduzierte.

Deshalb nutzte die Arbeitsgruppe diese Woche eine Informationsveranstaltung der Uni, um Rektor Michael Hengartner zu fragen, wofür der viele Platz überhaupt nötig sei. Konkret bezweifelte sie, ob es in den Neubauten im Zentrum Raum für die Wirtschaftswissenschaften brauche. Schliesslich stünden diese in keinem Zusammenhang mit dem Medizinal-Cluster, den Unispital, Uni und ETH dort gemeinsam realisieren wollen. Hengartner argumentierte mit betrieblichen Gründen. In einem TA-Interview sagte er das unlängst so: «Wenn wir zu viele Studiengänge auf den Irchel verschieben, gäbe es Hörsäle im Zentrum, die wir nur noch an zwei Nachmittagen benötigten. Das ist nicht effizient.» Zudem sei in den Neubauten auch externe Infrastruktur eingeplant, etwa Turnhallen für die Mittelschulen.

Um 10 Prozent reduziert

Die Universität bekräftigt auch eine frühere Aussage Hengartners, wonach der Raumbedarf gegenüber älteren Plänen um 10 Prozent reduziert worden sei. Nachvollziehen lässt sich das nur bedingt: Laut dem Masterplan von 2014 waren für die Uni Zusatzflächen von 145 000 Quadratmeter vorgesehen. Im überarbeiteten Richtplan, Anfang November publiziert, waren es noch 134 000 Quadratmeter. Das wären nur 7,6 Prozent weniger. Die Universität erklärt die Differenz damit, dass man im ersten Richtplanentwurf mit 150 000 Quadratmetern gerechnet habe. Zwei Drittel der Fläche dienen der Uni zur Kompensation jener Häuser im Umfeld des Hochschulquartiers, in denen sie heute eingemietet ist und die sie nach Bezug der Neubauten freigeben will. Ihr tatsächlicher Flächenzuwachs beträgt daher nicht 54 Prozent, wie frühere Zahlen suggerierten, sondern 15 Prozent.

Trotzdem bleiben die Kritiker skeptisch gegenüber den Neubauten. Das kommt in einer Forderung des Architekten Heinrich O. Matthias zum Ausdruck: Die Verantwortlichen sollten im ganzen Hochschulquartier die möglichen Ausmasse mit Ballonen «ausstecken», damit sich Bevölkerung und Politiker ein Bild machen können. Ballone waren kürzlich auch bei der gescheiterten Zürcher Grossüberbauung Ringling ein Thema. Auch dort ging es um die Einordnung ins Quartier. Ein Alt-Bundesrichter fand es unverständlich, dass die Behörden damals aufs Ausstecken verzichteten.