Die Universität Zürich publiziert die Interessenbindungen ihrer Professorinnen und Professoren. Das ist der erste Schritt zu mehr Transparenz.

Patrice Siegrist

Es brauchte einiges, bis die Universität Zürich mehr Transparenz schaffte: ein umstrittenes 100-Millionen-Sponsoring, einen neuen Rektor und einen erfolgreichen Vorstoss im Kantonsrat. Nun hat die Universität die Interessenbindungen ihrer Professorinnen und Professoren veröffentlicht.

Über 650 Namen zählt die Liste. Alphabetisch geordnet, mit blauer Schrift auf weissem Grund. Aufgeführt ist beispielsweise Strafrechtsprofessor und SP-Ständerat Daniel Jositsch. Er ist Stiftungsrat bei der Stiftung für das Tier im Recht, Vorstand der Selbstregulierungsorganisation Polyreg, Verwaltungsratsmitglied des Schweizerischen Instituts für Betriebsökonomie, um nur drei der insgesamt 22 Bindungen zu nennen, die das Register ausweist. Sein Rechtsprofessorenkollege Hans-Ueli Vogt hat nur deren drei – eine davon ist sein Mandat als SVP-Nationalrat.

Das neue Register ist das Resultat einer Änderung des Universitätsgesetzes, die der Kantonsrat verabschiedet hatte. Mit der öffentlichen Liste wolle man zeigen, dass die zusätzlichen Tätigkeiten der Professorinnen und der Professoren mit den universitären Aufgaben vereinbar seien, heisst es in der Medienmitteilung der Universität Zürich. Die Angaben im Register basieren alle auf Selbstdeklaration. Gemeldet werden müssten die Tätigkeiten in Führungs- und Aufsichtsgremien, dauernde Leitungs- und Beratungsfunktionen sowie die Mitwirkung in Kommissionen und Organen von Bund, Kantonen und Gemeinden.

Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, deklariert selber 18 Interessenbindungen. 10 davon sind von Amtes wegen wie beispielsweise seine Mitgliedschaft bei der Rektorenkonferenz Swissuniversities. Sein Amt im Vorstand des Quartiervereins Oberstrass gehört hingegen nicht in diese Kategorie.

Weitere Datenbank folgt

Die Professorinnen und Professoren müssen nicht nur ihre aktuellen, sondern auch ihre früheren Mandate, Funktionen und Mitgliedschaften offenlegen. Ein Beispiel hierfür ist Nikola Biller-Andorno, Professorin für biomedizinische Ethik. Sie weist insgesamt sieben Interessenbindungen auf, wobei nur noch drei aktuell sind: Sie ist Mitglied der Ethik-Kommission der ETH, im Ausschuss des Swiss Medical Board und im Vorstand Swiss Society of Biomedical Ethics. Von 2008 bis 2011 war sie Vizepräsidentin des Bundesprogramms Chancengleichheit.

Interessenbindungen und Sponsoring stehen immer wieder in der Kritik, weil sie die Unabhängigkeit der Forschung gefährden könnten. Jüngst sorgten einige fragwürdige Verträge zwischen diversen Schweizer Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen für Schlagzeilen. Fälle aus Zürich wurden nicht bekannt. In Zürich sorgte aber 2012 der 100-Millionen-Vertrag mit der Grossbank UBS für Aufsehen. Diesen wollte die Universität geheim halten. Der Vertrag wurde nur öffentlich, weil Journalisten, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, Einsicht forderten. Direktor dieses UBS Center of Economics in Society wurde der bekannte Wirtschaftsprofessor Ernst Fehr. Im neuen Register der Universität Zürich hat er neben dieser Funktion vier weitere Interessenbindungen angegeben: Stiftungsrat der Nomis Foundation, Präsident der Excellence Foundation, Verwaltungsrat von Fehradvice and Partners und Gastprofessor an der New York University.

Bei dem UBS-Vertrag seien damals Fehler gemacht worden, räumte Rektor Michael Hengartner anlässlich der letzten Jahresmedienkonferenz ein. Er sieht in der Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft einen Gewinn, Transparenz und Unabhängigkeit seien dabei aber von zentraler Bedeutung. Er hat deshalb eine weitere Datenbank angekündigt, die alle Drittmittelverträge auflisten und deren Kernpunkte bekannt geben soll: Wer gibt wie viel an wen und zu welchem Zweck?

Ernst Fehr – Direktor UBS Center of Economics in Society

Daniel Jositsch – Professor für Strafrecht

Nikola Biller-Andorno – Professorin für biomedizinische Ethik