Die Uni Zürich legt die Interessenbindungen ihrer Professoren offen. Aber: Die Angaben sind lückenhaft.

Martin Sturzenegger

Die Hochschule startete zum Jahresbeginn eine Transparenzoffensive. Sie schuf eine öffentliche Datenbank, welche die Interessenbindungen ihrer Professoren offenlegt. Auf den ersten Blick erscheint die Liste umfassend – sie enthält fast 1300 Einträge über Mandate, Mitgliedschaften oder Verwaltungsratssitze. Die Angaben sind allerdings lückenhaft. So müssen die Professoren beispielsweise nicht erwähnen, wenn ihr Lehrstuhl von privaten Geldgebern gesponsert wird. Und Beratungsmandate dürfen verschwiegen werden, wenn sie zeitlich beschränkt sind.

TA-Recherchen zeigen: Etliche Professoren verzichten deshalb darauf, ihre Interessenbindungen offenzulegen. Dies, obwohl sie stark mit Wirtschaft und Politik verknüpft sind und einflussreiche Mandate innehaben. Rechtsprofessor Samuel Kern Alexander etwa erhielt 2016 von der EU ein dreijähriges Beratermandat für die Bankenregulierung. Zuvor liess er seine Expertise unter anderem im britischen Parlament einfliessen. Im Register steht bei ihm: «Keine Interessenbindungen». Medizinprofessor Reinhard Dummer verzichtet ebenfalls auf eine Deklaration. Ein Papier zeigt jedoch, dass er diverse Honorare erhielt – unter anderem von Roche, Novartis oder GlaxoSmithKline.

Der Informationsgehalt hängt im Wesentlichen vom Deklarationswillen der einzelnen Professoren ab. So enthält das Register, nebst vielen interessanten Informationen, auch Banales – zum Beispiel, dass der Unirektor Michael Hengartner Mitglied des Quartiervereins Oberstrass ist.

«Zur vollständigen Transparenz ist es noch ein weiter Weg», sagt Ralf Margreiter (Grüne). Der ehemalige Kantonsrat wagte 2013 einen ersten politischen Vorstoss und ist damit Urheber des angepassten Universitätsgesetzes. Trotz der Informationslücken glaubt er, dass das Register ein wichtiger Schritt zur angestrebten Transparenz ist. Seit Hengartner im Jahr 2014 die Geschicke der Hochschule übernahm, habe sich einiges zum Besseren gewendet.

Bei der Schwesterhochschule ETH Zürich fehlt zurzeit ein vergleichbares öffentliches Register. Derzeit arbeite jedoch eine interne Arbeitsgruppe Vorschläge zu einer verbesserten Transparenz aus, heisst es auf Anfrage.

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