4,5 Milliarden Franken teure Neubauten verwandeln das Quartier vollständig

Universitätsspital,Universität und ETH dehnen ihre Flächen in den nächsten 25 Jahren um ein Mehrfaches aus. Für das Projekt braucht es keine Volksabstimmung. Der Anwohnerschaftist bange.
Andreas Schmid

Wie hoch hinaus sollen Universitätsspital, Universität und ETH Zürich mit ihren Neubauten dürfen? Diese Frage erhitzt die Gemüter am meisten. Ein Riegel trenne die Stadt künftig von den Quartieren ab, sagen Kritiker. Der Richtplan des Kantons siehtfür das Spital einen höchsten Punkt von 521 Meter über Meer vor, damit könnte etwa der Turm für die neue Universitätsklinik 66 Meter hoch werden. Die Gebäudefläche, auf der sich die drei Institutionen ausbreiten werden, ist riesig: Sie beträgt 315000 Quadratmeter, was über 30 Fussballfeldern entspricht. Am 27. Februar wird der Kantonsrat über den «Richtplan Hochschulgebiet» befinden, nach 21 Sitzungen hat seine vorberatende Kommission Planung und Bau einstimmig empfohlen, die Vorlage gutzuheissen. Weil es um Vorhaben von Universitätsspital und Universität, zwei kantonalen Institutionen, sowie Projekte der ETH, einer eidgenössischen Hochschule, geht, ist der Kanton zuständig. Die Stadt Zürich, deren Einwohner die Veränderungen am meisten zu spüren bekommen, ist nicht federführend; und obwohl 4,5 Milliarden Franken für die Infrastrukturen verbaut werden – fast drei für das Unispital, eine für die ETH –, gibt es keine Volksabstimmung.

Investition in die Zukunft

Die kantonale Baudirektion spricht von einem Generationenprojekt und einer einmaligen Chance. Dass solch zukunftsträchtige Vorhaben für die Gesundheitsversorgung, Forschung und Bildung in einer Grossstadtin Zentrumslage realisiert werden könnten, gebe es weltweit einzig noch in Boston, sagt Wilhelm Natrup, der Chef des kantonalen Amts für Raumentwicklung. «Die Nähe der drei Institutionen istfür den Forschungsstandort Zürich wichtig. Eine Aufgabe dieses Vorteils – eine Aufsplitterung und ein Weichen in die Agglomeration – wäre ein herber Verlust.» Natrup widerspricht der Kritik, die Bauten seien viel zu hoch berechnet und zerstörten das Stadtbild. Es seien sogar Auslagerungen beschlossen worden, die festgelegten Flächen würden von den Institutionen benötigt. «Gegenüber ersten Plänen von 2014 haben wir den Bedarf schon um zusätzlich über 10 Prozent reduziert», betont Natrup. Der Amtschef sagt auch, man wolle nicht in die Höhe bauen. «Gerade für Spitalbauten ist dies wegen der Patiententransporte nicht erste Wahl.» Bereits habe man beim Universitätsspital zwei bis drei Stockwerke weniger als ursprünglich vorgesehen. «Auch dabei handelt es sich um den maximalen Rahmen, nicht um tatsächlich projektierte Höhen.» Einen gewissen Spielraum wolle man aber für den Architekturwettbewerb offen lassen, um den Planern nicht unnötig ein Korsett zu verpassen. Zudem werde nicht eine hohe Wand errichtet, sondern es gebe im ganzen Projektlediglich einzelne Aufbauten in die Höhe. Laut Natrup bemüht sich der Kanton auch intensiv um Verbindungen für die Durchlässigkeit des Quartiers und adäquate neue Verkehrslösungen.

 

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Die Arbeitsgruppe besorgte Bürger Zürich ist trotz den Beteuerungen aus der Baudirektion beunruhigt. Die Organisation sieht sich als Interessenvertreterin der Bevölkerung. Sie hat einige Bauexperten in ihren Reihen. Architekt Heinz Oeschger betont, die Gruppe bekenne sich grundsätzlich zur Weiterentwicklung der drei Institutionen. Es gehe aber darum, die Gebäudehö- hen für das Stadtbild verträglich zu konzipieren und den Schwerpunkt des Spitals nicht an den Hang zu verlagern. «Dafür sollte man Teile des bestehenden Gebäudes aus dem Schutzinventar nehmen», schlägt Oeschger vor. Dies wolle auch ein Mehrheitsantrag der Kommission erwirken. Statt Patienten-Silos könnte man so flache,terrassierte Trakte bauen. Ein Plafond von 480 Metern über Meer wäre laut Oeschger angebracht. Mit 25 Meter hohen Gebäuden sei ein optimaler Spitalbetrieb mit horizontalen, schnellen Wegen zu gewährleisten. Das Mammutprojekt betrifft mehrere Stadtteile. Deshalb sind fünf Quartiervereine und weitere Interessengruppen in die Diskussionen involviert. In der Bevölkerung sei eine beträchtliche Skepsis spürbar, sagt Bettina Uhlmann, die Präsidentin des Quartiervereins Oberstrass. Das Projekt wirke aber gesamthaft glaubwürdig, und das Quartier profitiere hoffentlich auch davon. Liegenschaften, die jetzt im Besitz von Unispital, Uni und ETH seien, würden künftig als Wohnraum zur Verfügung stehen. Weil die Institutionen in den Neubauten zentralisiert werden, brauchen sie die Häuser, derzeit ihre Aussenstellen, nicht mehr. Das verspricht laut Uhlmann eine Aufwertung des bereits heute als Wohnviertel beliebten Quartiers. Auf der anderen Seite befürchten Bewohner, dass sich die ETH in ihr Revier ausbreitet, reicht doch der Perimeter in die jetzige Wohnzone hinein.

Reduzierte Höhe verlangt

Uhlmann versteht, dass sich Direktbetroffene am Zürichberg gegen massive Bauten vor ihren Fenstern wehren. Deshalb will auch sie keine Hochhaustürme im Zentrum des neuen Hochschulquartiers und fordert Anpassungen im Richtplan: «Niemand will den Zürichberg mit Hochhäusern zupflastern, deshalb sollte der Kantonsrat die maximale Höhe senken.»