«Höhenfieber im Zürcher Hochschulviertel» NZZ am Sonntag vom 12. Februar

Die Regierung des Kantons Zürich will den Institutionen Universitätsspital, Universität und ETH im Kerngebiet des Hochschulquartiers eine zusätzliche Gebäudefläche von maximal 315 000 Quadratmetern zur Verfügung stellen. Zu diesem Zweck plant sie, horizontal und vertikal überdimensionierte Baukörper an den Hang des Zürichbergs zu stellen – ohne Rücksicht auf städtebauliche Kriterien. Der Kantonsrat soll die dazu nötige Richtplanänderung beschliessen. Das Volk hätte gar nichts zu sagen.

In der Tat sucht man das Wort «Richtplan» in der Kantonsverfassung vergeblich. Doch in Artikel 33 Absatz 1 derselben steht: «Dem Volk werden auf Verlangen zur Abstimmung unterbreitet: [. . .] Beschlüsse des Kantonsrats von grundlegender Bedeutung, die langfristige Auswirkungen auf die allgemeinen Lebensgrundlagen haben (lit. e).» Da haben wir es schwarz auf weiss! Keiner stelle sich auf den Standpunkt, Richtplaneinträge würden in der

Verfassung nicht genannt. Das wäre Wortklauberei. Wer durch eine Richtplanänderung zügelloses Bauen ermöglicht, fasst einen Beschluss von grundlegender Bedeutung. Ergo gehört der Beschluss des Kantonsrats vors Volk.

Renato Orengo, Zürich

Ich bin sehr dankbar für diesen Artikel von Andreas Schmid. Wird doch das Volk in dieser Sache in keiner Weise unterrichtet, obwohl sie sehr einschneidend ist für die Stadt und ihr Bild. Ein so gigantisches Vorhaben ist Grössenwahnsinn.

Es müsste zumindest eine kantonale Abstimmung geben. Da geht es um ungeheuer hohe Geldbeträge. Wunderschöne Grünflächen verschwinden. Ich bin entsetzt.

Regula Danech, Zürich

Kantonsplaner Wilhelm Natrup streut in Form von Verharmlosungen den Laien Sand in die Augen. Spitalbauten sind aufgrund medizintechnischer Fortschritte etwas Vorübergehendes. Das gilt auch für das 1941 bis 1953 realisierte Kantonsspital.

Allein indem das Denk-Tabu fallengelassen wird, dieser (Haefeli-Moser-Steiger-)Bau sei essenziell für die Spitäler des 22. Jahrhunderts, entstehen Raum und Flexibilität für grundsolide – und doch ständig an Entwicklungen anzupassende – Pläne.

Regula Lorenz, Zürich

Der jetzige Richtplanentwurf lässt es zu, dass dem Stadtbild von Zürich nach der Bausünde der Frauenklinik aus dem letzten Jahrhundert weitere «Warzen im Hang» hinzugefügt werden. Seit 2014 hört man gebetsmühlenartig die fragwürdige Aussage, dass den Architekten bezüglich Bauhöhe Spielraum zu lassen sei. Dies widerspricht jedoch der

Tatsache, dass sich Hochhäuser für Spitäler als ungeeignet erwiesen haben.

Warum dann also extreme Hochbauten an empfindlicher Lage, zumal ja Alternativ-Lösungen möglich wären?

Giuseppe De Vecchi, Zürich

Schon Architekturstudierende wissen um die Grotesken von Hochhäusern am Berg. In Zürich taugen anonymisierende Konstrukte weder für effiziente Krankentransporte noch für in Transparenz vernetzbares Forschen. Ein «Laborturm» am Gloriarank nährte nur Klischees lebensferner akademischer «Elfenbeintürmelei».

Ihre Visualisierung wirkt zudem deutlich realistischer als das, womit die öffentliche Verwaltung und ihre Sprecher bis anhin folgenverschleiernd(er) argumentierten.

Caroline Kleiner, Zürich