Streit um Einzelfragen und grundsätzliche Zustimmung zur Entwicklung des Hochschulquartiers im Kantonsrat

Der Richtplan für die Zürcher Hochschulen ist zwar noch nicht fertig verhandelt, bleibt aber ungefährdet. Nur in einem Punkt korrigiert das Parlament bis anhin seine Baukommission.

Stefan Hotz

Für einmal ist der Begriff Generationenprojekt nicht übertrieben. Während Jahrzehnten und mit Kosten von über 4 Milliarden Franken soll das Zürcher Hochschulgebiet umgestaltet und erneuert werden. «Wir haben die einmalige Chance für die positive Mitgestaltung eines Jahrhundertwerks», sagte Erich Bollinger (svp., Rafz), Präsident der Kommission für Planung und Bau (KPB), am Montag im Rathaus.

Festzuhalten ist aber auch, dass noch kein Bauprojekt vorliegt. Der Kantonsrat hat die Beratungen über die Einträge in den Richtplan aufgenommen, welche die KPB zuvor an 21 Sitzungen vorberaten hatte. Umgekehrt gilt: Ohne langfristige räumliche Sicherung der Entwicklung von Universität, ETH und Unispital (USZ) geht es, wie Baudirektor Markus Kägi sagte, auch nicht vorwärts.

Im Grundsatz ist das Vorhaben unter dem Namen Berthold weitgehend unbestritten. Mehrere Redner betonten die enorme Bedeutung, die ihm nicht nur für Wissenschaft und Medizin, sondern generell für Zürichs Zukunft zukomme. Der Standort des USZ im Zentrum neben den beiden Hochschulen wird von keiner Seite infrage gestellt. Grundsätzlich soll es auch möglich sein, den Haefeli-Moser-Steiger-Bau des USZ abzubrechen und «ohne Angst vor dem Heimatschutz zu planen», wie Sonja Rueff (fdp., Zürich) sagte.

Die Grünliberalen blieben mit ihrem Rückweisungsantrag chancenlos; er scheiterte mit 149 gegen 20 Stimmen. Laut Thomas Wirth (glp., Hombrechtikon) sollte die Rückweisung erlauben, einen städtebaulichen Wettbewerb nachzuholen, und verhindern, dass grosse Gebäudevolumen an den Fuss des Zürichbergs gestellt werden. Judith Stofer (al., Zürich) ging mit der Planung hart ins Gericht und sprach von einem städtebaulichen Murks. Auch die in der KPB nicht vertretene AL-Fraktion erachtete es aber mehrheitlich nicht als sinnvoll, die Planer zurück auf Feld eins zu schicken.

Höchstens 512 Meter über Meer

Wie erwartet offen und umstritten war die Frage nach Festlegung einer Höchstgrenze für die Gebäude (NZZ 24. 2. 17), von der die KPB abgesehen hatte. Aufgrund einer städtebaulichen Studie war für den neuen Hauptbau des USZ aber eine maximale Höhe von 66 Metern oder 512 Metern über Meer errechnet worden. Sie wird inzwischen, da der Flächenbedarf reduziert wurde, nicht mehr als notwendig erachtet.

Um den Kritikern im mehrheitlich bürgerlichen Quartier entgegenzukommen, hatte die FDP den Minderheitsantrag gestellt, eine Obergrenze bei 508 Metern über Meer festzulegen. Im letzten Moment brachte Roger Liebi (svp., Zürich) im Namen seiner Stadtpartei den Antrag auf 512 Meter ein. Antoine Berger (fdp., Kilchberg) sagte, heute heisse es aus der Baudirektion, das USZ habe gar kein Interesse, in die Höhe zu bauen. Dann könne man auch eine Obergrenze im Richtplan festlegen. Liebi meinte, man müsse die Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen und im Rahmen des Machbaren Grenzen setzen.

Für einmal war die linke Seite gegen zusätzliche Beschränkungen. Eine Höhenbegrenzung führe nur zu umso breiteren Gebäuderiegeln, gab Jonas Erni (sp., Wädenswil) zu bedenken. Auch für Martin Neukom (gp., Winterthur) ist das Volumen, nicht die Höhe das Problem: Liebis Antrag sei ein Placebo; man tue nur so, als ob man die Bedenken der Anwohner ernst nehme. Die Sache war klar, als Daniel Sommer (evp., Affoltern a. A.) bekanntgab, seine Fraktion unterstütze den SVP-Antrag.

Überdies lehnte Baudirektor Kägi eine maximale Höhe zwar ab, weil das nicht in den Richtplan gehöre und die Freiheit der Architekten beschränke. Er meinte aber, auch bis 512 Meter über Meer fänden sich gute Lösungen. In der ersten Abstimmung obsiegte der Antrag Liebi mit 132 zu 32 Stimmen deutlich über jenen der FDP. Diese schwenkte auf die Obergrenze von 512 Metern über Meer ein, die dann mit 91 gegen 79 Stimmen im Richtplan verankert wurde. Dies betrifft die Gebäude 1 und 5 in der Grafik, die auf einer Studie von 2014 beruht.

Nicht ohne Grund warf die Linke FDP und SVP Widersprüchlichkeit vor. Denn während die Freiheit, die die Bürgerlichen dem USZ etwa mit der Übertragung des Baurechts gewähren wollen, an einer bestimmten Höhe über Meer endet, wollten sie von einer stärkeren Begrenzung der Geschossflächen nichts wissen. Allerdings hatte bereits die KPB mit dem Einverständnis der Regierung aufgrund von Optimierungen die zusätzlich geplante Fläche von 350 000 auf 320 000 m² reduziert. Heute verfügen Universität, ETH und USZ zusammen über rund 870 000 m².

Gegen weitere Beschränkungen

Die Grünen stellten den Antrag, den Ausbau auf maximal 230 000 m² zu begrenzen. Die SP argumentierte, das Teilgebiet Schanzenberg (Nr. 11 auf der Grafik) sei zu streichen, da es frühestens in zwanzig Jahren überbaut werde; bis dahin werde ohnehin ein neuer Richtplan nötig. Ihr Antrag auf höchstens 290 000 m² Fläche scheiterte wie jener der Grünen: In der Abstimmung übertraf die Kommissionsmehrheit mit 126 Stimmen das absolute Mehr deutlich.

Am Montag konnte der Rat erst 5 von 16 Minderheitsanträgen behandeln. Zwei weitere von rot-grüner Seite scheiterten, davon einer zum Verkehr, ein Thema, das in der Fortsetzung der Debatte voraussichtlich in zwei Wochen weiter zu reden geben wird. Allgemein ist jedoch der Richtplaneintrag, über den der Kantonsrat abschliessend entscheiden wird, nicht gefährdet.