Die Neubauten im Hochschulgebiet dürfen die Höhe von 512 Meter über Meer nicht überragen. Das hat gestern der Kantonsrat entschieden. Vermag das die Quartierbewohner zu beruhigen?
Helene Arnet

Der Kantonsrat diskutierte gestern den Richtplan zum Hochschulquartier und legte Eckwerte für die Überbauung fest: Die Geschossfläche darf um maximal 320 000 Quadratmeter erweitert werden, die Neubauten dürfen nicht über 512 Meter über Meer hinausragen. Zum Vergleich: Das heutige Hautgebäude des Unispitals liegt auf 499 Meter über Meer. Bisher war in der Vorlage keine Höchsthöhe festgeschrieben, obwohl die Gebäudehöhe immer wieder thematisiert wurde. Der Plafond auf 512 m ü. M. wurde von Roger Liebi (SVP, Zürich) beantragt. Allerdings setzte er sich gegen einen Vorschlag der FDP durch, die eine Höchsthöhe von 508 m ü. M. vorschlug.

Liebi begründete seinen Antrag damit, dass man mit dieser Plafonierung die Bedenken der Quartierbewohner ernst nehme. Zudem durchkreuze man in keiner Weise die Pläne des Unispitals, da Spitäler heute aus betrieblichen Gründen nicht mehr auf Hochhäuser setzen. Martin Neukom (Grüne, Winterthur) reagierte postwendend mit dem Vorwurf, es handle sich um einen «Placebo- und Feelgood-Antrag». Die links-grüne Ratsseite ärgerte sich, dass die Bürgerlichen zuvor ihre Anträge, das Geschossvolumen zu verringern, abgeschmettert hatten, nun aber eine Gebäudehöhe festlegen wollen: «Die Bauten werden dann einfach breiter statt hoch», rechnete Jonas Erni (SP, Wädenswil) vor. «Das ist ein verdichtungsfeindlicher Antrag.» Was die Mehrheit im Rat kalt liess. Liebis Antrag wurde mit 91 zu 79 Stimmen gutgeheissen.

Kampf um mehr Freiräume

Liebis Hoffnung, dass mit dieser Plafonierung den Kritikern aus dem Quartier der Wind aus den Segeln genommen wird, dürfte sich allerdings zerschlagen, liegt man doch mit den maximal 512 Meter über Meer klar über den Forderungen, welche die Arbeitsgruppe Besorgte Bürger-Zürich (AGBB-ZH) gestern noch einmal bekräftigte: Sie verlangt eine Höhenbegrenzung auf 495 m ü. M.

Neukom hatte zuvor, wie bereits erwähnt, den Antrag gestellt, dass die Geschossfläche in diesem Gebiet nur um 230 000 Quadratmeter erweitert werden dürfe – statt der im Antrag festgehaltenen 320 000 Quadratmeter. «Wir würden damit lediglich von extrem gross auf gross reduzieren und wenigstens etwas mehr Fläche für Freiräume bekommen.» Andrew Katumba (SP, Zürich) versuchte es mit einem Kompromiss und einer Erweiterung um 290 000 Quadratmeter. Beide unterlagen deutlich.

Auch wenn die Schlussabstimmung aus Zeitgründen vertagt wurde, ist nach der gestrigen Debatte klar: Die Planung über die Zukunft des Hochschulgebietes ist einen Schritt weiter. Der Kantonsrat wird in zwei Wochen bei der Schlussabstimmung dem entsprechenden Richtplaneintrag zustimmen. Mehr als ein Dutzend Mal fiel im Zusammenhang mit den Plänen rund um die Weiterentwicklung von ETH, Universität und Universitätsspital Zürich (USZ) im Stadtzentrum das Wort «Generationenprojekt». Einmal war allerdings auch von einem «städtebaulichen Murks» die Rede.

Die harsche Kritik kam aus dem Munde von Judith Stofer (AL, Zürich). Sie markierte damit die Gegenposition zu Erich Bollinger (SVP, Rafz), der als Präsident der vorberatenden Kommission für Planung und Bau seinem Stolz Ausdruck gab, ein solches «Jahrhundertprojekt» mitzugestalten. Sonja Rueff (FDP, Zürich) freute sich über den «grossen Wurf». Und Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) zog gar Parallelen zum Bau des neuen Gotthardtunnels.

Rückweisung chancenlos

Anders sah das Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon). Der Planungsprozess sei noch nicht abgeschlossen, erklärte er. Städtebaulich überzeuge das Projekt nicht, und deshalb stellte er einen Rückweisungsantrag. Insbesondere der Neubau des USZ stelle sich als grosser Riegel am Hang quer. «Das ist die letzte Chance zu notwendigen Korrekturen», warnte Wirth. Baudirektor Markus Kägi (SVP) wies die Kritik entschieden zurück: «Die Vorlage ist das Resultat von zehn Jahren gewissenhafter Arbeit, zahlreicher Studien, Testplanungen und Vertiefungen.» Der Rückweisungsantrag hatte mit 149 zu 20 Stimmen keine Chance.

Nach dem Richtplaneintrag folgen die Gestaltungspläne, die Mitte 2017 vorliegen sollten. Läuft alles wie geplant, wird die erste der drei Bauetappen zwischen 2022 und 2025 realisiert werden.