Die NZZ hat in ihrem Artikel «Kampfzone Stadt» (10. 3. 17) einen treffenden Überblick über das öffentliche Baugeschehen in der Stadt Zürich geschaffen. Der Fall der Gründersiedlung der Familienheimgenossenschaft und das Generationenprojekt für das Hochschulquartier zeigen beide, dass es ohne vorgängige Überlegungen des Städtebaus zum Konflikt kommt. Streit und Sackgasse sind nicht Schicksal; sie gründen auf Unterlassung. Im Fall des Hochschulgebiets überlässt der Stadtrat das Feld dem Kanton. Was nicht hätte sein müssen, ist nun eingetreten: Die krude Vorlage der Baudirektion, die dem Stadtbild schweren Schaden zufügen kann, ist soeben mit kleinsten Korrekturen, aber auch einem interessanten Mehrheitsantrag durch den Kantonsrat genehmigt worden. Niemand hat Freude am Projekt, denn es ist durch einen frühen Entscheid unter Ausschluss des Städtebaus entstanden. Wer will schon einen Bettensilo, eine aus dem Hang herausragende Spitalwand als Wahrzeichen im schön gewachsenen Hochschulgebiet? Mit der fehlenden Qualität macht sich das Generationenprojekt angreifbar. Es kann erneut zu einem Fall Ringling mit einem Verdikt aus Lausanne kommen.

Nach dem Ratsentscheid geht es um die Ausarbeitung der Gestaltungspläne für das Hochschulgebiet. Bereits im Sommer sollen sie vorliegen. Wird die Baudirektion wieder «inhouse» kochen, ohne Debatte, ohne Einbezug und Konkurrenz von externen Fachleuten? Es ist zu hoffen, dass ein wichtiger Mehrheitsantrag des Kantonsrates nicht übergangen wird. Dieser erlaubt es, das in die Hanglehne hinaufgeschobene und dort komprimierte Volumen besser zu verteilen und damit neue «Warzen im Hang», wie das 1970 erbaute Frauenspital, zu vermeiden. Eventuell gelingt es sogar, den Spitaleingang wieder an die Rämistrasse zurückzubringen.

Heinz Oeschger, Zürich