Die bauliche Entwicklung von Unispital und Hochschulen ist einen Schritt weiter – jetzt liegen die Gestaltungspläne öffentlich auf

 Stefan Hotz

Die Projektleitung für die Entwicklung des Hochschulquartiers im Zentrum Zürichs drückt aufs Tempo. Vor weniger als einem Monat genehmigte der Kantonsrat die nötige Anpassung des Richtplans. Nun legt die Baudirektion bereits die sechs kantonalen Gestaltungspläne (Karte) während zweier Monate öffentlich auf. Erst wenn dieser zweite Schritt abgeschlossen ist, können die Neubauten für die Universität, das Unispital (USZ) und die ETH Zürich projektiert und bewilligt werden.

Was lange währt …

Vorangegangen war eine lange und intensive Diskussion mit 21 Sitzungen in der Planungskommission des Kantonsrats. Der Aufwand habe sich gelohnt, erklärten Kantonsplaner Wilhelm Natrup und der Projektdelegierte sowie Gesamtleiter Peter Bodmer in einem informellen Gespräch im Vorfeld der Planauflage. Die Rahmenbedingungen hätten sich verbessert. Nicht zuletzt aufgrund kritischer Stimmen aus dem Quartier wurde die zusätzliche Fläche reduziert, ausserdem begrenzte das Parlament die maximal mögliche Höhe der Gebäude auf 512 Meter über Meer. Am Ende stimmte es mit einer deutlichen Mehrheit von 161 gegen 9 Stimmen zu.

Mit den Gestaltungsplänen, die in die Kompetenz von Baudirektor Markus Kägi fallen, werden die weiteren Prozesse zur Schaffung der planungsrechtlichen Grundlagen ausgelöst, wie es in einer Mitteilung heisst. Das umfasst die Abstimmung von Neubauten, Freiräumen und Verkehr wie auch gestalterische Vorgaben. Dazu gehört ebenso die Frage der Entlassung mehrerer Gebäude aus dem entsprechenden Schutzinventar, so dass sie abgebrochen werden könnten. Die wertvollsten Teile, insbesondere der Haefeli-Moser-Steiger-Bau des USZ, der Spitalpark und, was lange ungewiss war, das unmittelbar am Park liegende alte Anatomiegebäude, bleiben erhalten.

Der Kantonsrat wollte einen Abbruch des heutigen USZ nicht von vornherein ausschliessen. Das geht laut der Projektleitung nicht, weil der Spitalbetrieb während der Bauarbeiten weiterlaufen muss. Ausserdem habe man den Nachweis erbracht, dass der Ausbau mit Erhaltung des Haefeli-Moser-Steiger-Baus möglich sei. Daher wird das Prozessrisiko einer Entlassung aus dem Inventar als zu hoch eingestuft. Umgekehrt wird erwartet, dass insbesondere der Heimatschutz Fairness walten lässt und auf rechtliche Schritte verzichtet.

Auch die Stadt handelt

Ebenfalls am Freitag startet die Stadt Zürich das Verfahren zur Anpassung ihrer Bau- und Zonenordnung (BZO). Diese stammt im Hochschulquartier nämlich noch aus dem Jahr 1963 und ist nicht mehr konform mit dem eidgenössischen Raumplanungsgesetz. Die Revision wurde im Hinblick auf die Pläne von Spital und Hochschulen aufgeschoben. Auch diese Unterlagen liegen bis am 12. Juni öffentlich auf. Laut Ruth Schnider vom Hochbaudepartement entlässt auch die Stadt zwei Grundstücke aus dem kommunalen Inventar, ein Wohnhaus an der Schmelzbergstrasse und die Turnhalle an der Rämistrasse. Für diese entsteht aber auf dem Areal Wässerwies Ersatz.

Bei der BZO kann der Zürcher Gemeinderat mitreden, auch eine städtische Volksabstimmung ist möglich. Allerdings ist der Stellenwert begrenzt, weil die kantonale Planung allfällige städtische Vorbehalte übersteuern würde. Gemäss dem Entwurf soll die heutige Mischzone grösstenteils zu einer Zone öffentlicher Bauten mit zwei bis sieben Geschossen werden. Ausserdem will die Stadt an diversen Stellen im umliegenden Quartier, die von den Hochschulen genutzt werden, den heute geltenden Wohnanteil null auf das Niveau in der Umgebung anheben.

Am dringlichsten ist der Gestaltungsplan USZ Ost für den grossen Neubau an der Gloriastrasse, wohin der neue Haupteingang für das Unispital zu liegen kommt. Ausserdem will die Universität die Planung auf dem Areal Wässerwies auf der anderen Strassenseite vorantreiben. Diese beiden Gestaltungspläne will der dafür zuständige Baudirektor Markus Kägi zusammen mit dem Plan der ETH im Gebiet Schmelzbergstrasse im Herbst festsetzen. Für die restlichen drei Gestaltungspläne, zwei fürs USZ, einen für die Universität im Gloriarank, muss die Stadt zuvor noch Verkehrsbaulinien anpassen.

Gespräche mit Anwohnern

Die Projektleitung treibt mehrere Verfahren parallel voran. Gleichzeitig mit der öffentlichen Auflage wird bis September der Studienauftrag Stadtraumkonzept Hochschulgebiet Zürich erarbeitet, dessen Resultate wie die Einwendungen im Herbst in die definitiven Pläne einfliessen sollen. Bis zum Sommer finden ausserdem Gespräche mit Vertretern aus dem Quartier und den künftigen Nutzern statt. Bis im Spätherbst will man aufgrund einer Präqualifikation bereit sein, so dass die ersten Wettbewerbe ausgeschrieben werden können. Voraussetzung ist, dass nach der Festsetzung der Gestaltungspläne keine Rekurse eingehen, andernfalls wird ein Time-out nötig.