Das Baurekursgericht des Kantons Zürich muss sich mit dem Milliardenvorhaben im Zürcher Hochschulviertel befassen. Eine Bürgergruppe will keine hohen Bauten.

Andreas Schmid

Das in die Jahre gekommene Universitätsspital Zürich soll umfassend erneuert werden. Ebenso sind Neubauten der Uni für die medizinische Forschung geplant. Von einem Generationenprojekt ist die Rede, fast drei Milliarden Franken investiert das Spital in den nächsten 20 Jahren in seine Infrastruktur. Die Pläne sehen einen Spital- und einen Laborturm vor, deren Höhen von einem Teil des Quartiers als unverträglich erachtet werden. So will die Arbeitsgruppe besorgte Bürger Zürich gegen die Ende August vom Kanton festgesetzten Gestaltungspläne rekurrieren, wie Heinz Oeschger als Vertreter der Gruppe festhält: «Wir werden ans Baurekursgericht gelangen.»

Drei von sechs Gestaltungsplänen für das Riesenprojekt im Hochschulquartier wurden Ende August publiziert. Architekt Oeschger betont, die Kritiker setzten sich für ein Vorhaben ein, das stadtverträglicher gestaltet werde. Der Gruppe sind vor allem die Bauhöhen am Hang ein Dorn im Auge. Sie fordern, dass die Spitaltrakte wesentlich tiefer als jetzt geplant realisiert werden – sie sollen höchstens 25 Meter hoch werden – und dass das Spitalhochhaus und der Laborturm aus dem Projekt gestrichen werden. Selbst die Verantwortlichen des Spitals wollten keine hohen Bauten, denn ein vertikaler Betrieb sei in einer Klinik unvorteilhaft, sagt Oeschger.

Gesamthaft vergrössern Unispital, Universität und ETH ihre Flächen um ein Mehrfaches und stecken 4,5 Milliarden Franken in die Erweiterung. Die Opposition gegen die Neubauten im Hochschulquartier ist in diverse Gruppen zersplittert und über mehrere Quartiere verteilt. Das wollen Oeschger und seine Mitstreiter bei den besorgten Bürgern nun ändern, indem die abwehrenden Kräfte gebündelt werden. Ziel ist es, sie in einem Verein zusammenzuschliessen.

Weil es sich um Projekte von Universitätsspital und Universität, zwei kantonalen Institutionen, sowie um Vorhaben der ETH, einer eidgenössichen Hochschule, handelt, können sich die Einwohner der Stadt Zürich als vorwiegend Betroffene nicht zu den Plänen äussern. Eine Volksabstimmung gibt es nicht, der Kantonsrat hat den «Richtplan Hochschulgebiet» im Februar mit 161 gegen 9 Stimmen gutgeheissen. In 21 Sitzungen hatte sich das Parlament mit der Vorlage befasst.

Heinz Oeschger betont, seine Arbeitsgruppe bekenne sich grundsätzlich zur Weiterentwicklung der drei Institutionen. Es gehe nicht darum, dass einigen Bewohnern am noblen Zürichberg die Aussicht verstellt würde, sondern um das städtebauliche Gesamtbild, das durch hohe Gebäude beeinträchtigt würde.

In die Diskussion um das Projekt sind neben Interessengruppen fünf Quartiervereine involviert. Diese hoffen, dass die Anwohner von den Neubauten insofern profitieren, als Liegenschaften, die jetzt im Besitz von Unispital, Uni und ETH sind, künftig als Wohnraum zu Verfügung stehen. Dies, weil die Institutionen Aussenstellen aufgrund der Zentralisierung nicht mehr brauchten.

4,5 Mrd.

Diesen Betrag investieren Universitätsspital, Universität und ETH im Hochschulquartier in Zürich in neue Infrastruktur.