4,5 Milliarden Franken sollen in die Entwicklung des Uniquartiers investiert werden. Ein Verein sowie Anwohner haben nun Rekurse gegen die Grundlagen des Projekts eingereicht. Sie fordern eine bessere städtebauliche Lösung.

Michel wenzler

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Es war ein Rekurs mit Ansage: Sie werde sich gegen die geplanten Gebäudehöhen im Zürcher Hochschulquartier wehren, sagte die «Arbeitsgruppe besorgter Bürger Zürich», als Baudirektor Markus Kägi (SVP) die ersten drei von sechs Gestaltungsplänen für das Gebiet festgesetzt hatte.

Die Pläne bilden die rechtliche Grundlage für die Entwicklung des Uniquartiers – und in nächster Zeit werden sie die Richter beschäftigen. Architekt Heinz Oeschger, Mitglied der Arbeitsgruppe, bestätigt auf Anfrage, dass die Kritiker ihre Ankündigung umgesetzt und beim Baurekursgericht gegen die drei Gestaltungspläne rekurriert haben.

Zu diesem Zweck haben sie eigens einen Verein mit dem Namen «Zukunft Hochschulgebiet Zürich» gegründet. Er solle allen «engagierten Bewohnern und Arbeitsgruppen ein Dach beim Kampf gegen Höhen und Baumassen» bieten, heisst es auf dem Blog der Gruppierung. Initiiert wurde der Verein von der vierköpfigen «Arbeitsgruppe besorgter Bürger Zürich», laut Oeschger umfasst er aber mittlerweile rund 30 Personen aus dem Quartier.

Der Heimatschutz verzichtet

Der Verein wehrt sich nicht als Einziger juristisch gegen die Pläne für das Hochschulquartier. «Ich weiss von mehreren privaten Rekursen von Anwohnern», sagt der Architekt. Gemäss Baudirektion sind bis gestern drei Rekurse eingegangen. Aufgrund des laufenden Verfahrens äussert sie sich dazu aber nicht weiter.

Nicht rekurriert haben der Stadtzürcher und der kantonale Heimatschutz, wie es auf Anfrage heisst. Dies, weil man seit Jahren mit dem Kanton im Gespräch sei und dieser die Anliegen des Heimatschutzes – beispielsweise die Erhaltung des Spitalbaus von Haefeli-Moser-Steiger – weitgehend berücksichtigt habe.

Gegen «hässliche Warzen»

In den nächsten Jahren sollen sich das Universitätsspital, die Universität und die ETH vergrössern und modernisieren. Rund 4,5 Milliarden Franken wird die Erweiterung voraussichtlich kosten, 3 Milliarden sind allein für das Unispital vorgesehen. Skepsis herrscht insbesondere gegenüber den geplanten Bauvolumen und Bauhöhen. Der Verein «Zukunft Hochschulgebiet Zürich» fordert, dass die Universität und die ETH in ihren Ausbauprojekten Abstriche machen und Flächen abbauen. Im Fall des Unispitals ist dies im Verlauf der Planung geschehen.

Die Vereinsmitglieder kritisieren zudem die vorgesehene Bauhöhe. Ihrer Ansicht nach soll maximal bis auf 480 Meter über Meer gebaut werden dürfen – und nicht wie vom Regierungsrat festgelegt 512 Meter über Meer. Die neuen Spitaltrakte würden so höchstens 25 statt 57 Meter hoch. An Hanglagen sollen zudem gar keine Hochhäuser entstehen können. Oeschger bezeichnet sie als «hässliche Warzen im Hang».

Zu prüfen sei zudem, ob einzelne Trakte des denkmalgeschützten Spitalbaus der Architekten Haefeli-Moser-Steiger nicht doch zurückgebaut werden könnten, um zu einer besseren städtebaulichen Lösung zu kommen. Zu einer solchen gehört für die Gruppierung auch die Berücksichtigung des Stadtklimas. Es brauche Luftzirkulation am Hang, um im Sommer einen Hitzestau zu vermeiden. Der Verein warnt deshalb von einem horizontalen Gebäuderiegel am Zürichberg.

Volk kann nicht mitreden

Mit ihrer Einsprache wollen die Kritiker nicht die Weiterentwicklung des Hochschulquartiers verhindern, wie sie betonen. Zürich brauche ein neues Universitätsquartier. «Wir verlangen aber ein städtebaulich besseres Projekt», sagt Oeschger. Den Rekurs sieht der Verein als einzig verbleibendes Mittel, da der Bevölkerung das Mitspracherecht verweigert worden sei.

Tatsächlich können sich die Stimmberechtigten nicht zum Grossprojekt äussern. Der Kantonsrat hat im Frühling abschliessend darüber befunden, als er sich mit grosser Mehrheit für den Richtplan aussprach und damit die alleinige Entscheidungskompetenz Baudirektor Markus Kägi übertrug. Eine linke Minderheit hatte vergeblich beantragt, den Stadtzürcher Gemeinderat sowie die Stimmberechtigten bei den Gestaltungsplänen mitreden lassen. (Zürcher Regionalzeitungen)