Uniklotz berichtet

Vom Impressionismus zur Wahrheit der Klötze

Das revidierte Gipsmodell zeigt die maximalen Gebäudekuben der 6 Gestaltungspläne, von denen 3 bereits ausgeschrieben und mit Rekursen belegt sind.

Das revidierte Gipsmodell zeigt die maximalen Gebäudekuben der 6 Gestaltungspläne, von denen 3 bereits ausgeschrieben und mit Rekursen belegt sind.

Von den „Impressionistenbildern“ des Stadtraumkonzepts hat Uniklotz.ch<http://uniklotz.ch> in den letzten Blogbeiträgen berichtet: Entspannte Ferienstimmung im grossen Grün, kaum ein Auto, keine Neubauten. Der Maxime, für die Öffentlichkeit Tranzparenz zu schaffen, hat die AGBB-ZH die Gelegenheit genutzt, die der neusten Entwicklung angepassten kubischen Modelle für Sie zu fotografieren. Es sei Ihnen aber ausdrücklich empfohlen, die Ausstellung im Anatomiegebäude auch selbst zu besuchen: Gloriastrasse 19, werktags 8-18 Uhr. Wir haben die Ausstellung am Ende des Flügels in Richtung Kantonsspital gefunden.

Als Anknüpfungspunkt wollen wir uns die Sternwartstrasse vornehmen. Sie beginnt im sogenannten Gloriarank und führt über die Schmelzbergstrasse (in der Falllinie des Hangs) hinweg schliesslich bis zur Universitätsstrasse. Diese an Stelle von bestehenden Bauten neu zu schaffende Strasse wird als ein „Boulevard“ dargestellt und seit 2014 als „breiter als die Bahnhofstrasse“ angepriesen, was jedoch mit 22 gegenüber 24 m nicht stimmt. Weitere Tatsache dieses „Boulevards“ ist sein Querschnitt: die besagten 22 m Breite zu etwa 30 m Gebäudehöhe. Das ist ein stehender Querschnitt! In Paris unbekannt. Typisch ist dort 80 m Breite und bei 6 Geschossen etwa 15-20 m Gebäudehöhe. Was wir da erhalten sollen, ist eine Gebäudeschlucht. Schauen wir uns die Visualisierung aus dem Stadtraumwettbewerb 2017 an:

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Es braucht die Lupe eines Bilderrestaurators um überhaupt irgendwo die Fassaden zu sehen, welche die Gebäudeschlucht ausmachen würden. Mit Detektivarbeit kann nachgewiesen werden, dass wir uns in der heutigen von Spitalgeschossen überdachten Vorfahrt des Frauenspitals befinden und gegen Südosten in Richtung Gloriarank blicken.

Daraus schliessen wir einerseits, dass für Millionenbeträge bestehende Bausubstanz (Betriebskantinen, Grossküchen, Hörsälen und Büros) aus dem Weg geräumt und vernichtet werden muss und anderseits, dass uns im lichten Hang des unteren Zürichbergs eine Strassenschlucht erwartet:

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Der Blick geht von der Universitätsstrasse (nicht mehr sichtbar) in Richtung Gloriarank, wo ein Laborhochhaus die Strassenschlucht abschliessen soll. Im Vordergrund die Spitalbauten neuen Datums, die abgebrochen werden müssten. Die stolze Sternwarte würde zum Hinterhofgebäude.

Vom Laborturm des Gloriaranks geht der Blick nach Nordosten. Bis zur Schmelzbergstrasse hat der Durchbruch („Percement“ bei Haussmann, Paris) bereits stattgefunden, jenseits derselben stehen die verschiedenen Opferbauten des Frauenspitals noch. Das nächste Bild zeigt die Schneise des Abzubrechenden:

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Mitte des Gloriaranks geht es los: Ein Gebäude mit relativ neuen Hörsälen, dann folgen Spitalgebäude mit Küche und Kantine. Jenseits der Schmelzbergstrasse die Empfangsgebäude des Frauenspitals und dahinter der relativ neue liegende Trakt desselben.

Wohlgemerkt: Der Zwang zu dieser haussmannschen Abbruchschneise rührt von der Fehlplanung, an der Rämistrasse Freiflächen und nutzlose Gebäude zu verschenken:

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Die alte Anatomie (rechts unten) führt uns zur nächsten Beobachtung:

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Zu Gunsten der alten Anatomie hat die Baudirektion ihren gigantischen, 28 m hohen „Volumenzapfen“ abgeschnitten und damit weitere Baufläche verschenkt. Das Resultat: eine verzwergte Anatomie am Fuss der Bettenwand des neuen Spitals.

Die Moral der Geschicht’:

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Stören zu gross geratene Gebäude, so sind sie einfach aus den Bildern „herauszudeleten“. Dank Digitalisierung ein Kinderspiel.

1 Kommentar

  1. Felix de Fries

    Nach dem Ausblenden der geplanten Tatsachen auf den schönfärberischen Bildern der städtischen Quartierplanung zeigen die detaillierten neuen Modelle, wie es tatsächlich in Zukunft im Spitalquartier aussehen soll. Obwohl der effektive Bettenbedarf und die Finanzierung weiterhin unklar ist und auch keine Spitalliste der öffentlichen Spitäler in der Stadt und im Kanton und ihrer zukünftigen Aufgabenteilung bzw. Spezialisierung vorliegt, soll der untere Zürichberg mit gigantischen Bauten zubetoniert werden. Auch das Konzept des zukünftigen Universtätsspitals, das ja die Grundlage der Planung darstellen sollte, ist nicht klar. Wenn im neuen „Forschungsspital“ grössere Zimmer gebraucht werden, weil möglichst alle medizinischen Massnahmen direkt am Bett des Patienten stattfinden sollen, was geschieht denn mit den Patienten nach ihrer Operation bzw. intensiven Behandlung, wenn sie bei der Rehabilitation weiterhin medizinisch behandelt und überwacht werden müssen? (Das Konzept der möglichst schnellen Entlassung, das sich im Zeitalter der Fallpauschalen ausgebreitet hat, erweist sich heute in vielen Fällen als trügerisch auch in Bezug auf die finalen Kosten.) Wenn das alte Kantonsspital, wie geplant, erhalten werden soll, dann könnte die Rehabilitation und auch die Polikliniken dort untergebracht werden, was erlauben würde die Bauvolumen auf der Bergeseite der Sternwartstrasse zu vermindern. Eine oder mehrere Kliniken des neuen Spitals könnten, wie schon gesagt, an der Pestalozzi-Strasse auf dem Territorium des heutigen Kinderspitals Platz finden, wenn der Neubau auf der Lengg bezogen werden kann*. Es gäbe also einige Möglichkeiten, die geplanten Bauvolumen am Berg zu vermindern. Voraussetzung wäre, dass ein detailliertes Konzept zum neuen Spital, seinen Aufgaben in Zusammenarbeit mit anderen Spitälern in der Region und zu seiner Finanzierung vorgelegt wird, was eine öffentliche Diskussion und die Übernahme von politischer Verantwortung erlauben würde. Bevor dies geschehen ist, ist das Vorantreiben der Planung, die mit hohe Kosten verbunden ist, gegenüber dem Steuerzahler und dem Stimmbürger, der am Schluss über die einzelnen Projekte zu befinden hat, verantwortungslos.
    Felix de Fries
    *In der Bauphase und beim Abriss der Frauenklinik könnten die Gebäude des heutigen Kinderspitals dem Unispital zudem als Ort für einzelne Kliniken und Polikliniken dienen, wenn der Raum in den Häfeli-Moser-Steiger-Bauten dafür nicht ausreicht

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