Uniklotz berichtet

Zürich muss endlich sein Wachstum in den Griff bekommen!

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Wirrwarr Zürich West

Die Fläche von Zürich West wurde sozusagen über Nacht durch Entlassung aus grossen Industriezonen zum weiten Baufeld. Die beste Voraussetzung für die Gestaltung eines neuen zeitgenössischen Stadtteils! Es hätte der Stolz von Zürich werden können!

Das klägliche Resultat ist bekannt: Eine in die Fläche gehende Wucherung von zufällig verteilten Wohn- und Bürohochhäusern. Keine Gruppierung wie z.B. im Quartier de la Défense in Paris, noch eine andere Art von Anordnung, wie z.B. an der Europaallee oder in der Manegg. Überall werden Horizonte durchstossen, der Überblick schwindet und die Stadt wird klein und eng gemacht. Hanoi lässt grüssen (Bild NZZ, Januar 2018):

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Vorbild Stadterweiterung 1900

Von ganz anderem Kaliber ist die unten stehende Sicht auf eine gelungene Stadterweiterung von  Zürich um 1900. Wie in diesem Blog auch schon gesagt, sind alle Elemente, die eine Stadt ausmachen ehrlich, direkt und freudvoll ausgedrückt. Und doch machten sie zusammen ein Bild. Tonhalle, Börse, Stadthaus, Geschäftshaus Metropol, Badeanstalt, Post, Hotel und Stadttheater sind die Bausteine. Die neuen Quaianlagen umarmen das Seebecken und haben den Schwerpunkt der Stadt in Richtung See verschoben. Zürich konnte aus dem Mittelalter herauswachsen und bei diesem städtebaulichen Akt eine neue und erfreuliche Gestalt gewinnen. Damit ist Zürich in der Belle Epoque interessanter geworden und konnte sich in Europa sehen lassen. Das ist gekonnter Städtebau.

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In die selbe Zeit reichen die Anfänge des Hochschulgebiets. Die Ansiedlung der ETH und später der Universität lösten die Bebauung des Südwesthangs mit Wohnhäusern und Villen aus. Das sogenannte „Hochschulquartier“ ist eine Synthese aus Instituten und Wohnquartieren. Diese Stadterweiterung ist bis auf wenige seltsame Hinterhofsituationen ebenfalls geglückt.

Generationenprojekt „Berthold“

Die Vorschläge unter dem Namen „Berthold“ sind bekannt: Mit einem städtebaulich vernünftigen Masterplan 2005, der inzwischen Vergangenheit ist und der die Rämistrasse in Form einer Kultur- und Bildungsmeile zum Rückgrat genommen hätte. Beim aktuellen Masterplan 2014 hingegen handelt es sich um eine ideenlose Kompression von Volumen, die den Hang hinaufgedrückt wird und dort einen massiven Riegel bestehend aus zu hohen Sockelbauten und Hochhäusern generiert.

Das ganze ist eine Schädigung des Stadtbildes von Zürich. Der Eingriff ähnelt den unsensibel platzierten Monstern der sechziger- und Siebzigerjahre. Das lokale Negativbeispiel ist das Frauenspital 1970. In diesem Sinn war die Version 2014 der Planung „Berthold“ von Beginn an veraltet. Im Unterschied zu den Industriebrachen von Zürich West steht im Hochschulquartier viel mehr auf dem Spiel: Es stellt sich die Aufgabe, das Neue in ein wertvolles und historisch gewachsenes Stadtgewebe zu integrieren.

An dieser Stelle muss nochmals klar gesagt werden, dass die exzessiven Höhen sowohl der Sockelbauten, als auch der Hochhäuser nichts mit Fortschritt zu tun haben:

  • Das Spital will aus funktionalen Gründen kein Hochhaus, keinen separierten Patientensilo in Form der vorgeschlagenen „Spitalwand“.
  • Die Universität will ihre Forschung nicht in einem „Laborturm“ untergebracht sehen.

Die Baudirektion hat mit den exzessiven Höhen an den Bedürfnissen der Institutionen vorbeigeplant. Die durch falsche Verteilung der Volumen erzeugte Ballung in Hanglage würde für das Stadtbild von Zürich zur Hypothek.

Was immer wieder vergessen geht: Der horizontale, über einen halben Kilometer lange  Gebäuderiegel blockiert die Luftzirkulation und errichtet eine Klimabarriere, die Thermik und Fallwinde blockiert. Wird die Luftzirkulation im Hang behindert, kommt es auch in der Innenstadt zum Stillstand. Das Nachfliessen vom See oder vom Limmattal her bleibt aus.

Die AGBB ist auf Kurs

Die AGBB bleibt die einzige Kraft, die seit Beginn kritisch aber konstruktiv für ein  zukunftsfähiges Hochschulprojekt kämpft. Sie ist über Jahre von der Baudirektion und dem  Stadtrat mit Versprechungen hingehalten worden. Am Schluss wurden unsere Eingaben ohne jede Einsicht fallen gelassen. Das Baurekursgericht hat dem Stadtrat von Zürich noch vor den Festtagen eine Chance zur Äusserung eingeräumt. Wie uniklotz.ch im „Straussen-Beitrag“ vom Januar  berichtete, hat sie die Chance zur Rettung des Projekts nicht genutzt. Einmal mehr: Kein Städtebau in Zürich.

Mit dem neuen Mittel des Baurekurses und verstärkt durch den Verein Zukunft Hochschulquartier Zürich, bleibt die AGBB auf Kurs, denn Zürich hat ein besseres Hochschulprojekt verdient!

Es bleibt dabei – die AGBB fordert nach wie vor:

  • Bessere Verteilung der Volumen im exponierten Hang des historisch gewachsenen Hochschulquartiers.
  • Respektierung des Stadtbildes durch Vermeidung von exzessiven Bauhöhen
  • Aufsplittung des Gebäuderiegels für klimatische Durchlässigkeit
  • Niedere Bauten, die für einen modernen Spitalbau geeignet sind

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 Kommentare

  1. Felix de Fries

    Die revidierte Bau- und Zonenordnung von André Odermatt wurde vom Kanton genehmigt, ist aber gegenwärtig durch Einsprachen des Heimatschutzes blockiert, der den Schutz von schützenswerten Bauten zu wenig berücksichtigt sieht.
    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/kanton-genehmigt-neue-bauordnung-zu-99-prozent/story/21776810

    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/revision-der-zuercher-bau-und-zonenordnung-ist-blockiert/story/15608919

    Warum André Odermatt und Martin Waser sich für ein neues USZ ohne das frei werdende Areal des Kinderspitals stark machen, ist nicht klar. Warum dieses Areal nicht in die Berthold-Planung einbezogen wurde, würden wir gerne vom Chef der kantonalen Baudirektion, Markus Kägi, hören.

  2. Felix de Fries

    Der Einspruch von Anwohnern gegen ein Umbau Projekt der Rudolf Steiner Schule, zeigt wie Anwohner, unterstützt von einem Gründliberalen gegen den angeblich drohenden Lärm durch Schüler, die mit dem ÖV anreisen, vorgehen. Sie hatten früher den Bau eines Kinderspitals am alten Standort durch eine kursfristig lancierte Kampagne verhindert. Im Rahmen der neuen BZO könnte das Umbau-Projekt der Steiner Schule realisiert werden, da das Quartier aus einer reinen Wohnzone entlassen wird.

    https://www.nzz.ch/zuerich/stadtzuercher-steiner-schule-von-anwohnern-weiter-ausgebremst-ld.1356088

  3. Felix de Fries

    Lärm will niemand ertragen müssen. Als Hausbesitzer kann man Einsprachen gegen Projekte machen, die mehr Lärm versprechen und damit ihren Bau über längere Zeit blockieren, was zu hohen Kosten führen kann. Als Mieter einer Wohnung ist das im Rahmen des neuen Lärmschutz-Gesetzes auch möglich. Gemäss den Planungsvorschlägen zum Berthold Projekt soll es im Platten-Quartier in Zukunft eine laute Zone mit sehr viel Verkehr rund um die Gloriastrasse und die Sternwartstrasse geben und gleich daneben eine ruhige Zone aus dem Kinspi Areal, wo nach den Plänen von SP und Grünen Wohnungen entstehen sollen. An meinem Wohnort beim Hardplatz gibt es sehr viel Lärm und Abgase, da weiterhin sehr viel Lastwagenverkehr über die Hohlstrase und die Bullingerstrasse führt, welche von der Autobahn her über Dutttweiler-Brücke erreichbar sind mit direktem Anschluss auf die Seebahnstrasse bzw. die Hardbrücke. Wie hier die gültigen Lämschutz und Feinstaub-Werte eingehalten werden sollen, steht in den Sternen. Temporeduktionen und Lärm-schluckende Strassenbeläge sind hier bisher nicht geplant. Auf der angrenzenden Instustriezone auf dem Hardfeld
    darf am Tag beliebig viel Lärm gemacht werden, was die Firma Spross beim Einfüllen von Bauschutt in Bahncontainer auch weidlich tut. Die SBB plant hier für die Zukunft eine Verladestation für Güter von und auf die Bahn. Beim Neubau unserer Häuser zwischen der Hohlstrasse und der Eichbühlstrasse, welche die Dr. Stefan à Porta Stiftung nach dem Abbruch der alten Bauten, die das Wohnen von Arbeitern in den 1920er Jahren revolutioniert hatten, ab September 2019 auf den Weg bringt, dürften dicke Schallschtutz Fenster zum Zuge kommen. Das dürfte sich auch auf die Mieten der neuen Wohnungen auswirken, die deutlich steigen dürften. Den Umbau eines traditionsreichen Schulhauses, wie desjenigen der Rudolf Steiner Schule an der Plattenstrasse, würden wir in unserem Quartier allerdings kaum durch Einsprachen bekämpfen. Dafür ist der Schulbesuch von Kindern, der erfahrungsgemäss mit etwas Lärm verbunden ist, doch ein zu hohes Gut.
    Die Vermeidung von unnötigem Autoverkehr hat bei der Planung in der Stadt Zürich offensichtlich weiterhin keine klare Priorität. Zum umgebauten Kongresshaus am See und ihrem Hotel sollen die Besucher in Zukunft vom Bahnhof her wohl mit einemTaxi gelangen. Vom Bahnhof-Enge her ist das direkt zu Fuss (mit Rollkoffer) kaum möglich.

  4. Felix de Fries

    Solange der Kanton nicht mit der neuen BZO einverstanden ist und am Vorschlag festhält, Gewinne durch Umzohnungen und Aufzohnungen nur mit max. 15% des Gewinns zu belasten, dürfte André Odermatt die einzelnen Zonenpläne zur neuen BZO nicht veröffentlichen. Damit bleibt weiterhin unklar, ob Projekte, wie das neue Schulhausprojekt der Rudolf Steiner Schule an der Plattenstrasse realisiert werden können.
    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/steiner-schule-darf-nicht-im-wohnquartier-bauen/story/14959439
    Rund um Projekte im Rahmen von Berthold kann die Stadt kaum durch Gestaltungspläne Einfluss aus die Planung nehmen, da es hier ja um öffentlichen Grund geht, der nicht der Stadt gehört. Daran ändern auch ihre Studien zur Quartierverträglichkeit der Berthold-Projekte und ihr Vorschlag zum Spitalpark kaum etwas. Das Instrument, Gestaltungsplan, mit dem die Stadt, bewilligt vom Gemeinderat, mit privaten Eigentümern Vereinbarungen treffen kann, welche diese zu höheren Beiträgen an die Umgebungs-gestaltung verpflichten, spielt hier nicht. Deshalb kann es bei den Berthold-Projekten nur um den Guten Willen des Kantons, des Unispitals und der Universität gehen, welche ihre Raumbedürfnisse anmelden. Deshalb waren die Rekurse gegen die eingegebenen Bebauungspläne das einzige, praktikable Mittel, den vorprogrammierten Gang der Dinge bei diesem „Generationen-Projekt“ aufzuhalten. Im „Erlebens-Fall“ werden wir sehen können, ob dies gelingt.
    PS: In Bezug auf die Umnutzung des freiwerdende Kinspi-Areal für gemmeinnützige Wohnungen, für die noch einige Hürden zu überweinden wären, läuft bereits eine Petition)

  5. Felix de Fries

    Der Helikopter-Lärm, der heute bei Flügen der REGA zum Kinderspital ensteht, würde wegfallen, wenn das Gelände für neue Bauten des USZ genutzt werden könnte. Damit könnten Lärm-Imissionen im Quartier in Grenzen gehalten und bei den neuen Kliniken auf zufahrende PWs und Ambulanzen beschränkt werden, fWo der Helikopter-Landeplatz des neuen USZ hinkommen soll, ist in der Planung noch nicht ersichtlich.

  6. Felix de Fries

    Das USZ hat nun den Auftrag für seinen neuen Brand in der Kommunikation für 1 Million Franken an Wirz Brand Relations vergeben. Für Abstimmungen (zu Projekten im Rahmen von Berthold) sollen schon einmal Fr. 40.000.- zur Vergügung stehen.
    https://www.medinside.ch/de/post/usz-neuer-markenauftritt-kostet-eine-million-franken

  7. Felix de Fries

    Der Kanton Zürich, der offensichtlich der Besitzer des Kispi Areals ist, möchte das grosse, frei werdende Areal des Kinderspitals, „das eines der wenigen kantonalen Grundstücke in der Nähe der Universität und des Universitätsspitals sei“, langfristig für öffentliche Zwecke nutzen. Er hält aber fest, „dass das Areal infolge der hohen Landpreise in Zürich Hottingen als Areal für günstigen Wohnraum nicht geeignet sei“. Dementsprechend werden beim Kanton auch andere Nutzungen geprüft, die von einer direktionsübergreifenden Arbeitsgruppe gegenwärtig analysiert werden. Eine Entscheidung über die zukünftige Nutzung des Areals will der Regierungsrat noch in diesem Jahr treffen.
    Die SP meint dazu, der Regierungsrat missachte mit seiner Weigerung den Bau von gemeinnützigen Wohnungen zu ermöglichen, den lokalen Volkswillen, den Anteil gemeinnütziger Wohnungen in der Stadt deutlich zu erhöhen.
    https://zuerich.spkantonzh.ch/aktuell/kampagnen/gemeinnuetziger-wohnraum-auf-dem-kispi-areal/
    Die Nutzung des grossen Areals für Bauten des neuen USZ im Rahmen der Projekts Berthold, der die Platzierung von mehreren Kliniken in nächster Nähe zu den geplanten Gebäuden an der Gloriastrasse erlauben würde, und damit eine Reduktion der Gebäudehöhen an der Sternwartstrasse, ist für den Kanton offensichtlich weiterhin kein Thema. Sie würde von Anfang an bei der Planung im Rahmen von Berthold ausgeschlossen. Der Kanton verunmöglicht so ein kohärentes, landschaftsverträgliches Projekt für ein neues USZ und damit gesamthaft eine landschaftsverträgliche Planung im Rahmen von Berthold. Gegen den Beschluss des Regierungsrats bezüglich der Verwendung des Kispi-Areals könnte gegebenenfalls noch in diesem Jahr ein Referendum ergriffen werden, das den Bau von Spitalbauten (ohne Notfall-Station) auf diesem traditionellen Spital-Areal fordert, das verkehrsmässig über die Steinwiesstrasse und die Pestalozzi Strasse gut erschlossen ist.

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