Uniklotz berichtet

Rekurs als Weg

1

 

Die horizontale Hangansicht auf etwa 500 müM täuscht: Der „Zaun“, die „Staumauer im Hang“ ist zwar enorm und würde Sicht, Zirkulation und Luftaustausch (Stadtklima) übermässig behindern. Doch ist zu bedenken, dass es sich nicht um eine dünne Mauer handelt, sondern um einen gigantischen „Treppentritt im Hang“: Die Bautiefe, d.h. die horizontale Ausdehnung, die aus dem Hang heraussticht, soll zwischen 100 und 175 m betragen! Die vertikale Dimension bewegt sich zwischen 30 und bis gegen 50 m Höhe! Ein üblicher Treppentritt in einem Wohnhaus bemisst sich mit Steigung x Auftritt, in Normalfällen von 17 X 29 cm. Der gigantische Treppentritt der Hochschulbauten am Hangfuss des Zürichbergs würde 45 X 150 Meter messen. Das ist Gift für den Hang; das würde die rechtsufrige Seite Zürichs verunstalten.

In der Schrägansicht von der Stadt herauf wird man die Wohnquartiere und die Waldkuppe nicht mehr sehen und umgekehrt von oben her die Stadt nicht mehr. Auch nicht von der öffentlichen Aussichtskanzel der Kirche Fluntern.

Unten rechts der Massstab mit 0-50 und der einsamen 100 m-Marke.

Unten rechts der Massstab mit 0-50 und der einsamen 100 m-Marke.

Nachdem sich gezeigt hat, dass der Stadtrat die Interessen seiner Stadt im Rekurs nicht wahrzunehmen vermochte, müssen wir davon ausgehen, dass das Generationenprojekt von Spital und Hochschule für ihn offenbar too big to discuss ist. Im letzten Blogbeitrag von Vittorio Lampugnani / NZZ am Sonntag hat er festgehalten, dass sich die Stadtverwaltung bisher um das einzelne Haus, aber nicht um den grossen Zusammenhang der Gebäude im Stadtgewebe gekümmert hat. Wir müssen feststellen, dass es im stark wachsenden Zürich die städtebauliche Dimension nicht gibt: „Vollgas und niemand sitzt am Steuer“. Der Stadtrat ist mit dem 4.5 – 6-Mia Generationenprojekt offenbar überfordert. Die Stadt tritt nach dem Misserfolg von Zürich West an der weitaus prominenteren und exponierteren Lage des Hochschulquartiers ohne städtebauliches Wissen aufs Glatteis.

Lassen wir New York als Sonderfall mit eigener Schönheit einmal beiseite: Wer in den USA Städte erlebt hat, weiss welchen Schatz eine über die Epochen gewachsene europäische Stadt bedeutet. Wie auch andere Experten hat Lampugnani gezeigt, dass Zürich am kippen ist. In dieser Situation darf es nicht sein, dass sich ausgerechnet im Hochschulgebiet der nächste Fehltritt ereignen soll.

Die Planung zog sich zwar über Jahre hin, doch deren bisherige Kosten sind angesichts der Milliarden-Bauinvestitionen verhältnismässig gering. Es ist noch nichts gebaut. Die notwendigen Verbesserungen können jetzt noch vorgenommen werden.

3

Niemand – nicht einmal die Baudirektion – hat Freude am Grossprojekt. Für die Unförmigkeit der Volumen im empfindlichen Hang werden Zwänge, aber nicht Gestaltungsfreude geltend gemacht. Spital und Universität wollen aus betrieblichen Gründen keine Hochhäuser. Beides, Stadtbild und Nutzung, sprechen dagegen. Und das seit der Präsentation im Jahr 2014.

Für die bessere Lösung braucht es den Rekurs des Vereins Zukunft Hochschulgebiet Zürich AGBB.

4

4 Kommentare

  1. Felix de Fries

    Der monumentale Eingriff in die Landschaft, der am Zürichberg geplant ist, ist nicht den sachlichen Bedürfnissen des neuen Universitätsspitals und seiner Kliniken geschuldet, die in Zukunft verschiedenartige therapeutische Leistungen am Patienten direkt an seinem Bett erbringen wollen. Auch die Raumhöhe, die wegen diesem Konzept gegenüber den Zimmern im Altbau deutlich erhöht werden soll, bedingt nicht die Höhen und Tiefen der grossen geplanten Spitalbauten am Berg. Hier soll wahrscheinlich der Triumph, der die moderne Medizin dank Forschung und Technik über die Krankheit erringt, unübersehbar manifestiert werden. 400 Meter von geplanten Gebäuden des USZ an der Gloriastrasse liegt an der Pestalozzi-Strasse das grosse Areal der Kinderspitals, das 2021 frei wird und dementsprechend für neue Bauten des Unispitals genutzt werden könnte. Es gehört dem Kanton Zürich, der mittels einer direktionsübergreifenden Arbeitsgruppe des Regierungsrats in den nächsten Monaten Ideen für seine zukünftige Nutzung entwickeln will. Wenn das Unispital dort in nächster Nähe zu anderen Gebäuden einige Kliniken platzieren könnte, könnten die geplanten Hochbauten am Berg (an der Gloriastrasse und an der Sternwartstrasse) in ihrem Volumen deutlich verringert werden, womit ein kohärentes, landschaftsverträgliches Projekt möglich würde. Dass dieses Areal gar nie Teil der Planungen im Rahmen von Berthold war und vom USZ nie als Areal für neue Bauten beansprucht wurde, ist sachlich nicht nachvollziehbar. Es ist möglicherweise die Folge der Kampagne, welche Anwohner gegenüber dem früheren Neubauprojekt des Kinderspitals erfolgreich auf den Weg gebracht hatten, die für die Zukunft Ruhe in ihrem Quartier sicherstellen wollten. Dass der Kanton dieses Areal jetzt als Joker benützt, den er bei der Planung von Berthold in der Hand behalten will, zeigt, dass es bei der Planung dieses Generationen-Projekts von Anfang an nicht nur um die Erfüllung von Raumbedürfnissen des neuen Spitals oder Universität ging. Dass das Kispi-Areal jetzt von der SP und den Grünen für den Bau von Wohnungen reklamiert wird, kann auf diesem Hintergrund nicht verwundern. Dass beim Generationen-Projekt Berthold bedürfnisgerechte, landschaftsverträgliche Lösungen durch partikulare Interessen verunmöglicht werden, sollte seinen Promotoren, dem Unispital und der Universität zu denken geben. Dass Martin Waser als Direktor des Unispitals keine Ansprüche in Bezug auf die Nutzung dieses Areals für sein Spital angemeldet hat und auch sein Parteikollege der städtische Hochbau-Direktor, André Odermatt, dies im Rahmen der Quartierverträglichkeit des neuen Projekt nicht tat, ist denkwürdig. Dass hier ein „Generationen-Projekt“ welches die Stadt stark verändert und das Stadtbild bleibend beeinträchtigt, offensichtlich nicht nach objektiven Kriterien durchgezogen werden soll, beschädigt den Ruf dieses Projekts, der beteiligten Institutionen und seiner Promotoren, die Antworten zu den vielen Ungereimtheiten des Projekts geben werden müssen.

    https://www.pro-berthold.ch/ueber-uns.html

    Gegen ein Projekt des Regierungsrats auf dem Kispi-Areal, das den Raumbedürfnissen des neuen USZ und landschaftsverträglichen Bauten des USZ am Zürichberg widerspricht, könnte gegebenenfalls ein kantonales Referendum auf den Weg gebracht werden. Unterschriften dafür könnten sicher schnell gesammelt werden.

  2. Felix de Fries

    Wie der Regierungsrat nun entschieden hat, soll das Kispi-Areal, das nach dem Umzug des Kinderspitals in den Neubau auf der Lengg frei wird, für einen Ersatzneubau des Zentrums für Zahnmedizin (Zahnärztliches Institut) genutzt werden und nicht für gemeinnützige Wohnungen, wie es die SP Zürich 7 und 8 und die Grünen gefordert hatten. Das heutige Zentrum für Zahnmedizin, am Anfang der Plattenstrasse will der Regierungsrat nun zum Zentrum für ambulante Medizin des neuen USZ umbauen, an dem in Zukunft viele medizinische Leistungen (inkl. kleinerer Operationen) ohne Hospitalisierung ambulant erbracht werden sollen. Damit entschied sich der Regierungsrat für die Konzentration dieser Leistungen im Zentrum des USZ Projekts, während die zahnärztlichen Leistungen auf dem Kispi-Areal erbracht werden sollen, das über die Dolder- Steinwies- und Pestalozzi-Strasse verkehrsmässig gut erschlossen ist, was eine breite Verteilung des Verkehrs im Quartier erlauben würde. Wie hoch das umgebaute Gebäude an der Plattenstrasse werden soll, und wie hoch der Neubau auf dem Kispi-Areal, ist noch nicht bekannt. Ob dank dem grossen Geländegewinn durch die Hinzunahme des Kisp-Areals für das neue USZ, Abteilungen neu verteilt und Gebäude- Höhen und Tiefen an der Gloriastrasse und an der Sternwartstrasse redimensioniert werden, bleibt abzuwarten. Eine entsprechende Änderung der Zonen hätte Auswirkungen auf die bereits bei Wettbewerben entstandenen Projekte. Falls das möglich würde, könnten neue landschaftsverträgliche Projekte für das neue USZ auf den Weg gebracht und die Blockade des Generationen-Projekts längerfristig überwunden werden. Die Konzepte der Stadt für eine starke Verdichtung in einzelnen Quartieren, -im Hochschulquartier z.B. die flächendeckende Überbauung der Wässerwies- müssten aber sicher weiter diskutiert werden.
    Die „Europaallee für Arme“ (Tages Anzeiger) mit Wohnhochhäusern für 1800 Menschen, welche die Stadt an der Thurgauerstrasse plant, ist gegenwärtig durch mehr als 200 Einwendungen blockiert. Ihr Anschluss an das Zentrum von Oerlikon und angrenzende Quartiere ist nicht klar gelöst. Warum an dieser stark befahrenen Strasse zum Flughafen, die an die Büro- Industrie- und Gewerbezone (Hagenholzstrasse) und an das Quartier Leutschenbach Mitte, angrenzt, statt Raum für Start-Ups und Gewerbe, Wohnungen und ein Altersheim entstehen sollen, ist nicht klar. Wenn hier eine grüne Brücke zum Leutschenbach-Quartier entstehen soll, dann brauchte es eine breite Unterführung. Dafür, wie und wo in Zürich gewohnt, gearbeitet und gelebt werden kann, und wo welcher Verkehr fliessen soll, fehlt offensichtlich eine übersichtliche Planung für eine Stadt, die nach Corinne Mauch bis 2030 500‘000 Bewohner aufnehmen soll. Hochhäuser in denen es Wohnungen, Ateliers, Büros, Begegnungsräume und Gärten gibt, müssten für Zürich noch erfunden werden. Sie könnten neue Formen des Zusammenlebens von Älteren und Jüngeren befördern und damit der Ghettoisierung der Gesellschaft (in Hochhäusern) entgegenwirken.

  3. Felix de Fries

    Angrenzend an die Thurgauerstrasse liegt auch das Quartier rund um den Glattpark mit Büros, Läden, Restaurants und Zonen für Sport und Erholung am Fluss.
    http://www.glattpark.ch/boulevard/
    Das Projekt an der Thurgauerstrasse müsste dementsprechend sowohl Richtung Bahnhof Oerlikon als auch Richtung Leutschenbach und den Glatttpark bzw. Opfikon gut (d.h. rollstuhlgängig) erschlossen werden.

Antworten

Theme by Anders Norén