Uniklotz berichtet

Gerichtsurteil bringt Abstimmung über Uni-Quartier ins Spiel – Tages-Anzeiger vom 27.03.2018

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Das Baurekursgericht hat die Gestaltungspläne der kantonalen Baudirektion für das Uniquartier aufgehoben. Damit könnte das Volk nun doch mehr Mitsprache bekommen.

Von Hannes Nussbaumer, Ressortleiter Zürich, @tagesanzeiger

Der gross angelegte Umbau des Zürcher Hochschulgebiets ist fürs Erste gebremst. Das Baurekursgericht hat die drei Gestaltungspläne, welche die kantonale Baudirektion im letzten August festgelegt hatte, in erster Instanz wieder aufgehoben.
Das Hauptargument der Richter: Bevor die Baudirektion einen Gestaltungsplan vorlegen kann, muss die Stadt Zürich ihre Bau- und Zonenordnung anpassen. Der Rechtsvertreter der Rekurrenten, Rechtsanwalt Peter Heer, sagt: «Das Gericht verlangt, dass die Stadt als erstes mit der BZO eine Grundlage schafft, und dass die Baudirektion danach ihre Gestaltungspläne auf dieser Grundlage aufbaut.»
Damit stellt das Baurekursgericht die bisherige Überzeugung von Baudirektion und Stadt auf den Kopf. Beide hatten die Ansicht vertreten, dass die BZO eine Sache von zweiter Priorität sei – das heisst: Dass diese nachträglich an die Gestaltungspläne anzupassen sei. Dahinter steht der Glaube, dass die Stadt in dieser Angelegenheit, wo der Kanton das Sagen hat, ohnehin nur die kantonalen Vorgaben nachvollziehen könne, weil das kommunale Recht vom kantonalen übersteuert werde. Das Baurekursgericht teilt diese Meinung nicht. In den Worten von Anwalt Heer: «Das Urteil nimmt die Stadt in die Verantwortung.»

«Der Gemeinderat ist gefordert»

Die Revision der Bau- und Zonenordnung für das Hochschulquartier ist vom Stadtrat verabschiedet und wartet auf die Behandlung im Gemeinderat. Folgt man der Argumentation des Baurekursgerichts, muss diese Behandlung nun unter neuen Voraussetzungen erfolgen. Anwalt Heer: «Aus Sicht des Gerichts kann sich der Gemeinderat nicht mehr zurücklehnen und sagen: ‹Wir können ja nur vollziehen, was der Kanton von uns verlangt.› Der Gemeinderat ist gefordert, selber zu gestalten und sich selber zu überlegen, was im Hochschulquartier entstehen soll.»
Hinzu kommt: Bisher deutete alles darauf hin, dass es zu keiner Volksabstimmung über das Mammutprojekt Hochschulquartier kommt. Würden die weiteren Planungsschritte gemäss Baurekursgericht verlaufen, würde dies ändern: Der BZO-Entscheid des Gemeinderats ist referendumsfähig. Wenn nun die BZO-Korrektur entgegen der ursprünglichen Intention doch zu einem grundlegenden, über Sein und Nicht-Sein des gesamten Projekts entscheidenden Schritt wird – dann wird auch die Abstimmung darüber zentral. Denn in der Kurzform heisst das Urteil des Baurekursgerichts: Ohne angepasste BZO kann die kantonale Baudirektion keinen Gestaltungsplan erlassen. Und ohne Gestaltungsplan gibt es keinen Umbau des Hochschulquartiers.
Anwalt Heer sagt zum Entscheid des Baurekursgerichts: «Ich habe zwar erwartet, dass wir früher oder später mit unseren Argumenten Gehör finden. Dass uns nun bereits das allererste Gerichtsurteil in dieser Angelegenheit Recht gibt, ist sehr erfreulich.»

Urteil wird weitergezogen

Die Baudirektion hat nach dem Urteil des Baurekursgerichts zwei Optionen: Sie kann den vom Gericht vorgezeichneten Weg gehen und zuwarten, bis eine rechtskräftige, vom Gemeinderat und gegebenenfalls von der Bevölkerung abgesegnete BZO vorliegt. Oder sie kann das Urteil an die nächste Instanz, an das Verwaltungsgericht, weiterziehen.
Wie die Baudirektion heute Morgen mitgeteilt hat, wählt sie die zweite Variante: Das Gericht habe «eine Chance verpasst, Planungssicherheit zu schaffen». Die Baudirektion werde den Entscheid des Baurekursgerichts vor Verwaltungsgericht anfechten.
Josua Raster, der Leiter des Rechtsdiensts beim kantonalen Amt für Raumentwicklung, begründet den Weiterzug damit, dass das Baurekursgericht «ein überraschendes Urteil» gefällt habe und man daher den Entscheid von einer höheren Instanz überprüfen lassen wolle. «Es ist ja schon oft vorgekommen, dass die Baudirektion in der Stadt Zürich kantonale Gestaltungspläne vorgelegt hat. Bisher wurden solche Gestaltungspläne immer problemlos rechtskräftig» – und zwar auch dann, wenn wie im Fall Uniquartier eine BZO als Grundlage fehlte.
Dass das Baurekursgericht im Fall Uniquartier vom bisher gepflegten Umgang mit solchen Fällen abgewichen ist, dürfte laut Raster mit einem jüngeren Bundesgerichtsurteil zusammenhängen, das sich mit dem Verhältnis von kantonalem und kommunalem Recht befasst hatte.

Raster hält es für richtig und wichtig, dass die Baudirektion auf dem von ihr gewählten Weg weitergehen kann. «Schliesslich hat ein kantonaler Gestaltungsplan ja zum Ziel, dem Kanton die Erfüllung seiner Aufgaben zu ermöglichen – und zwar gemäss Auftrag des Kantonsrats.»

Erhebliche Verzögerung

Rechtsanwalt Heer beurteilt den Entscheid der Baudirektion, den Fall an die nächste Instanz weiter zu ziehen, mit Skepsis: «Diese Sofortreaktion erstaunt mich.» Er zweifle nicht an der Richtigkeit des Gerichtsentscheids, zumal es auch andere Gründe für eine Gutheissung der Rekurse gegeben hätte. Zudem merkt er an: «Eine Beschwerde an das Verwaltungsgericht könnte die Behandlung der BZO-Revision durch den Gemeinderat bremsen, denn die Stadt Zürich muss wissen, ob sie nur eine kantonale Planung nachvollziehen muss oder ob sie in ihren planerischen Entscheiden frei ist.»
Mit anderen Worten: Sicher ist, dass es nun Verzögerungen geben wird. Weil die weiteren Gerichtsurteile und je nach dem auch der Gemeinderats- und der Volksentscheid abgewartet werden müssen, bevor weitere Schritte getätigt werden können. Die Verzögerung ist inbesondere für das Universitätsspital unangenehm, weil dieses dringend saniert werden muss. Wie sehr sich das Projekt verzögern wird, weiss heute niemand. Amtsjurist Raster sagt: «Eine Verzögerung von einem bis zwei Jahren sind das Minimum.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.03.2018, 07:57 Uhr

Kommentare:
• Hans Frei: «Erfreuliche Nachricht.»
• Paul Plotin: «Die Strategie des Regierungsrates und des bürgerlichen Kantonsrates, nämlich das rot grüne Stadtparlament und somit auch den Stimmbürger zu umgehen, ist nun gründlich gescheitert.... Und die Kosten für die verlorene Planung und der ev. Weiterzug an das Verwaltungsgericht bezahlt aber der übergangene Stimmbürger!»
• Peter Vogel: «Damit dürfte jegliche Entwicklung des Quartiers auf Jahre hin blockiert sein. Tolle Leistung, typisches schweizerisches Bünzligetue.
Bei der Infrastruktur, dazu gehören auch Hochschulen, muss geklotzt werden. Alles andere führt nur zu einer Pflästerlipolitk und x-fach höheren Kosten. Siehe Stadtzürcher ÖV.»
• Peter Hartmann: «Und wie immer gehts in der Schweiz nicht um die Sache (wurde zBsp. letzthin ein Nobelpreis an die Uni oder ETH verliehen?) sondern darum irgendwelche Betonklötze am dümmsten Ort und viel zu teuer hinzusetzen um die Verwaltung und Bauindustrie happy zu halten. Wurde nicht erst gerade der Flughafen Dübendorf als Innovation-HotSpot auserkoren (was immer das bedeuten mag wenn Ämter an genehme eigens gegr. Jungunternehmer Subventionen verteilen) wenn man den Flughafen schon bebauen will (natürlich nur um den Flugbetrieb abwürgen zu können) dann soll die Uni doch dort hin.»

• Ruedi Lais: «Kantonale Gestaltungspläne sind in unserer Demokratie ein Systemfehler. Sie übersteuern die demokratisch beschlossenen (je nach Gemeinde inkl. Referendumsmöglichkeit) Bau- und Zonenordnungen. Erlassen werden sie nicht vom Regierungsrat, sondern von einer einzigen Person, nämlich dem Baudirektor. Dabei betreffen sie öfter Grossprojekte, an denen auch andere Direktionen (hier z.B. die Gesundheits- und die Bildungsdirektion) beteiligt sind. Es ist gut, wenn die Gerichte für eine einheitliche, demokratisch abgestützte Raumplanungspolitik sorgen, in der auch die Gemeindeautonomie ihren Platz hat.»
• Sandro Lagger: «Herr Lais: wenn sie das Gefühl haben, man müsse jede Frage auf Gemeindeebene delegieren, dann braucht es bald auch keinen Kantonsrat mehr und sie sind ihren Job los. Bei allen Institutionen im Hochschulquartier (Uni, ETH, Unispital) handelt es sich um sysemrelevante Institutionen von nationalem Interesse. Dann ist es undemokratisch, wenn lokale Partikularinteressen nationale Interessen übersteuern. Die SP ist die neue SVP.»
o Andreas Diethelm: «Ach ja, und weil die Institutionen systemrelevant sind, oder was immer Sie meinen, hat die Wohnbevölkerung den Mund zu halten. Und das nat. Interesse, oder was immer Sie meinen, könnte auf dem Flugplatzgelände Dübendorf nicht wahrgenommen werden? Im Ernst? Sie sollten sich näher mit der Demokratie befassen, bevor sie hemmungslos verbal um sich schlagen.»
• Philipp M. Rittermann: «beamte unter sich streiten sich ob der reihenfolge der eingegebenen dokumente. köstlich. da kommt mir doch unweigerlich wieder "der emil auf der post" in den sinn. ich glaube, der hat nichts an geltung verloren-, zumindest nicht bei den züzis.»
• Stefan Kreis: «Leider unterlässt es der Artikel, die Kernfrage zu stellen: Inwiefern widerspricht der Gestaltungsplan der BZO? –Sinn und Zweck von Gestaltungsplänen ist ja gerade, dass Bauten von der BZO abweichen dürfen. (§83 PBG). Rügt das Gericht ganz einfach die Passivität der Stadt? Diese Passivität widerspricht aber weder BZO noch PBG. Lieber Tagi, hier wäre etwas mehr Ausführlichkeit und eine Erläuterung wirklich angezeigt.»
• Bruno Burger: «Die Baudirektion hat es unterlassen vorgängig der Planung, die nötigen planungsrechtlichen Abklärungen durchzuführen, dem sagt man schlampige Geschäftsführung. Es geht nun nicht, dass der Steuerzahler für den verursachten Schaden aufkommt. Es muss sofort einen öffentlichen Kassenstutz gemacht werden, um die Schadenssumme den dafür verantwortlichen Politikern in Rechnung zu stellen, oder von deren Pensionsgelder in Abzug gebracht zu werden....»
• Jan Meier: «Gut, dass hier mal die Bremse gezogen wird. Die Stadtdiktatur meint auch sie kann machen was sie will. Das Projekt ist übergross, führt zu noch mehr Verkehr, Lärm. Wohnungsnot und verschandelt das Stadtbild. Die Uni darf gerne wachsen: In Dübendorf, Winterthur oder anderen benachteiligten Regionen. Diese fortwährende Fokussierung auf Zürich und die immer ungleicheren Lebensverhältnisse sind zu korrigieren. Sagt ein Stadtzürcher.»
• Dieter Jann: «War das da nicht der Kanton?»
• Hans Hemmi: «„Sagt ein Stadtzürcher“? Formale Rechtsstaatlichkeit ist wichtig, aber über die Konsequenzen dieser, nachvollziehbaren, Haltung müsste auch für den Rest der Problembehandlungen gelten;„Häuserbesetzung, Drolenmillieu, fragwürdigeInitiativen aus politischer Wünschbarkeit durchsinken, etc.“ Das sagt ein zahlender Kantonsbürger.»
• Peter Vogel: «Leute wie Sie gehören aufs Land. Sagt ebenfalls ein Stadtzürcher. Züri will wachsen und wird leider systematisch daran gehindert. Die Wohnungen sind gerade deshalb so teuer weil das Angebot absichtlich verknappt wird.»
o Falk Fischer: «Als gebürtiger Stadtzürcher darf ich Ihnen mitteilen, dass ich keinerlei Interesse an zusätzlichen Wachstum der Stadt verspüre. Im europäischen Ausland gibt's genug achsotolle Grossstädte. Geht doch dorthin.»
• Claudia Brüllmann: «Nicht Stadtdiktatur sondern Kantonsdiktatur, Hr. Jan Meier.»
• Alejandro Romero: «Das sagt aber der typisch bünzlige Stadtbewohner. Dichte, Verkehr und Lärm was Leben ist, gehört nun mal zur Stadt und so zur Urbanität. Was nicht zur Stadt gehört sind Bünzlis wie sie welche ihre Stadt als ihr Ballenberg und grünen Kibbuz haben wollen. Mehr Wohnungen sollen auch da durch Verdichtung möglich sein, nur dagegen stemmt ihr wieder. Alles soll weitaus von Zürich dezentralisiert werden, was noch Mehrverkehr erzeugt. Hauptsächlich die bünzligen Städter haben ihr beschauliches Ballenberg. Wenn es schon da ein Theater gibt soll man Zürich zur Wahl stellen entweder das Projekt zu aktzeptieren oder sonst wird hierfür Adlisberg, Zürichberg oder den Käfer, Hönggerberg geopfert. Genug ist genug mit diesem stinkbünzligen Getue.»
• Victor Brunner: «Baudirektion : «eine Chance verpasst, Planungssicherheit zu schaffen». Die Wahrheit: Stadt und Kanton haben einmal mehr schludrig gearbeitet. Ziel war es das Volk und Direktbetroffene bei dem Grossprojekt aussen vor zu lassen! Selbstverständlich kann die Baudirektion gegen das Urteil rekurrieren und Steuergelder verschleudern, in der Baudirektion normal!»
• Peter Haller: «Wenn hier jeder Bünzli mitreden will kommt man nie zu einem guten Ende. Man kann es nie allen Recht machen. Das Projekt ist gelungen und modern. Die meisten Gegner werden die fertige Überbauung sowieso nicht mehr erleben. Also bitte: Einmal weiterdenken als bis zum Balkon.»
• Rolf Müller: «Ist es Ihnen egal, wenn geltendes Recht ausgeschaltet wird oder haben Sie den Artikel nicht verstanden?»
• Victor Brunner: «Sorry, das ganze Projekt ist Schrott und nur Geldverschwendung. Warum nicht einen neuen zukunftsgerichteten Wurf machen und neu bauen. Zum Besipiel auf dem Areal des Flughafen Dübendorf. Wahrscheinlci langfristig billiger, moderner, ohne zusätzliche Belastung für Zürich. Dafür Wohnnungen, auch im teuren Segement, erstellen und zusätzlich gute Steuerzahler in einer höchst attraktiven Gegend erstellen. Für Zürich ein wirklicher Gewinn, anstatt den geplanten Sanierungsschrott realisieren!»
o Hans Hemmi: «Stimmt, habe ich ganz vergessen. Das Steuergeld kommt ja nicht von den bestausgebildeten von UNI und ETH. Und das Unispital ist sowieso reine Geldverschwendung. Der Kanton wird samt ETH vermutlich eines Tages bereuen, die Standortwahl für die Entwicklung des Unispitals etwas gar oberflächlich durchgeführt zu haben und ohne Not den Alternativstandort Dübendorf voreilig fallengelassen zu haben. Aber das mit der formalen Rechtsstaatlichkeit hat leider wirklich Vorrang, und das ist ernst gemeint.»

• Patrick Stähler: «Die Hochschulen müssen sich entwickeln können, wofür auch neue Gebäude notwendig sind. Gleichzeitig haben die Bewohnerinnen das Recht, dass die Gebäude sich gut ins Stadtbild einpassen und sie am Hang keinen Fremdkörper darstellen.
Beides zusammen geht nur, wenn man auch Teile des heutigen Unispitals abbricht, denn so könnten die Volumen nicht mehr ganz so hoch sein. Aber scheinbar gilt der komplette alte Spitalbau von Haefeli Moser Steiger als sakrosankt. Warum?
Warum diskutieren wir nicht einen Teilabriss? Wir haben in der Stadt einige HMS Bauten, die komplett geschützt sind wie Kongresshaus oder das Haus zur Palme. Wollen wir ein Gebäude schützten, dafür aber das Stadtbild verhunzen, bzw. den Hochschulen die Luft abschnüren? Zumindest sollte wir die Diskussion führen.»
• Alejandro Romero: «Genau das Bünzlige Getue wegen dem Stadtbild soll endlich in Zürich aussterben, denn es geht mir auf den Kecks. Das Stadtbild einer Weltstadt soll nicht fix sein, wohl eher das Landschaftsbild des übrigen unbebauten Mittellandes wie die Goldküste hätte man ab 1920 wie der Wald unter Schutz stellen müssen. Das Stadtbild einer zu nach Innen verdichtenden und entwickelnden Stadt soll offen und dynamisch sein. Bünzlis sollen da wenig bis keine Mitsprache erhalten, sondern wegziehen und einer offeneren anspruchsloseren neuen Bevölkerung welche gerne verdichteter lebt Platz machen. Hochhäuser mit Alpenpanorama auch am Hang sieht besser aus als mit Gibeldächer von Baumkronen überdeckt.»
o reto zürcher: «Ja Romero, Sie stehen eben auf Plattenbau wie bei Ihren Vorbildern aus der DDR. Wir aber eben nicht, da können Sie uns Bünzli schimpfen so lange Sie wollen.»
o Barbara Grohé: «Ja Herr Romero, wir bedecken Zürich mit Beton-Bunkern und sehen uns dann im Urlaub schöne Städte wie Paris und Barcelona an.»
o Alejandro Romero: «@Barbara Grohé. Gerade von Barcelona soll sich Zürich an Verdichtung, Bauhöhen und Architektur eine fette Scheibe abschneiden. Barça, Monaco und zum Teil Paris mit 8-9 Stöckige Blockränder stellen zu Zürich völlige Gegensätze. Wenn wir wie Barça verdichtet bauen würden welches gar dichter als beim Univiertel geplant ist, geht hier erst recht der Schrei los, vom zu viel Beton oder wohl eher Backstein. Mit Barça und Paris meint man nur die Altbauten, sonst meint man es als Lippenbekenntnis.»
• Kevin Siegenthaler: «Eine gute Nachricht. Jetzt kann man sich mal in Ruhe überlegen, wie eine menschenfreundliche Dimensionierung dieser Projekte aussieht.»
• Alejandro Romero: «Menschenfreundliche Dimensionierung? Meinen Sie Grünbünzlifreundliche Dimensionierung? Ich bin auch Stadtbewohner und wäre ich selbst Quartierbewohner, würde mich dies nicht im Geringsten stören, sondern eher am urbaneren Stadtbild erfreuen. Als Bewohner im K5 stehe ich offen zum Kongresshaus und Hardturmstadion. Ich stünde auch offen einer Überbauung des Kasernenareals mit Hochhäuser sowie sogar weiteren Umpflügung des Quartiers. Ein Bauspiel wäre auch Hochhäuser entlang der Limmatstrasse, beim Limmatplatz und entlang der Langstrasse mit dessen Verbreiterung zur Avenue und Allee.»
• Erich Müller: «Ohne nachgewiesenen Bedarf überbaut hier eine sehr mächtige Lobby ein ganzes Quartier. Das Projekt ist schlicht und einfach grössenwahnsinnig. Nicht mal eine Abstimmung soll es geben...soviel zum Demokratieverständnis der Bildungs-Elite.»
• Paco Sieber: «"Ohne nachgewiesenen Bedarf"? Sie haben tatsächlich gar keine Ahnung wie es um die Platzverhältnisse der Uni Zürich steht die mit ihren gut 25'000Studenten aus allen Nähten platzt und auf unnötig viele zusätzliche Standorte verteilt ist die alle teuer angemietet werden müssen nur weil die Entwicklung im Zentrum und auch auf dem Irchel dauernd eingebremst wird.»
o Rolf Müller: «@P. Sieber: Haben Sie das Projekt wirklich studiert oder glauben Sie einfach den blauen Augen der Obrigkeit? Wer das ganze Vorhaben einmal genauer unter die Lupen nimmt und nachfragt weshalb dieser Gigantismus sein muss erfährt eben keine konkreten und nachweisbaren Zahlen von Uni/Spital sondern es wird einfach auf Vorrat gebaut. Ob sinnvoll oder nicht. Aber selbstverständlich auf Kosten der Steuerzahler.»
o Victor Brunner: «Müssen 25'000 Studenten wirklich im Stadtzentrum platziert werden? Der grösste Unsinn. ETH hat es vorgemacht wie zeitgemässe Studienplätze an der Peripherie erstellt werden können!»
o Thomas Hitz: «Das ganze Universitätsspital, samt "medizinischer Hochschule", Forschungseinrichtungen, Reha-Abteilung etc. könnte man problemlos nach Dübendorf (Militärflugplatz) verlegen. Dort hätte es auch genügend Platz, um später allenfalls nötige Erweiterungen vorzunehmen. Das Gebiet ist durch den öffentlichen Verkehr gut erschlossen, und eine Piste für Ambulanzjets hat es auch bereits. Ideale Voraussetzungen also. Und die aktuellen Gebäude des Kantonsspitals könnten von der Uni für andere Zwecke genutzt werden.»
o Reto Zumstein: «@Brunner: Deshalb hat die Uni ja im Irchel vor 40 Jahren auch eine grosse Ausstenstelle gebaut. Schon mal davon gehört, Brunner? Vielleicht zuerst informieren, dann sinnfrei kommentieren....»
o Claudia Brüllmann: «Hr. Sieber: Mit solchen Argumenten wurde für das PJZ geworben. Es stellte sich schon vor Baubeginn als (angeblich) zu klein heraus. Reine Augenwischerei.»
Quelle:
https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/umbau-des-hochschulquartiers- gebremst/story/29730239

4 Kommentare

  1. Felix de Fries

    Schön, wie jetzt unmittelbar nach Annahme des Rekurses eine breite Diskussion in Gang kommt, bei der nun Vorschläge ins Feld geführt werden, die schon vorher auf uniklotz zur Diskussion gestellt wurden. So z.B. die Verlegung von Abteilungen der Uni an einen zweiten, nahe-gelegenen Standort, die Re-Dimensionierung des neuen USZ, der Abbruch einzelner Häfeli-Moser-Steiger Bauten usw. usf. Ein schlankeres Unispital für Forschung und Lehre, das seine speziellen Aufgaben in Zusammenarbeit mit den öffentlichen und privaten Spitälern in der Region erbringt, würde am unteren Zürichberg sicher genug Platz finden, nachdem der Regierungsrat nun das Kispi-Areal für das neue Zahnärztliche Institut benützen will und das frei werdende Gebäude am Anfang der Plattenstrasse für die ambulante Medizin. Dass die Anhänger einer Re-Evaluation und Re-Dimensionierung von einigen Leuten als Anti-Urbanisten und Bünzli gesehen werden, sollte uns zu Denken geben. Urbanität verlangt, dass wir uns in überblickbaren, verdichteten Räumen begegnen können und nicht die Vermassung in anonymen Personen-Strömen, wie sie heute am HB und in der Europa-Allee stattfindet. Am Anfang der Gloriastrasse vor der Universität würden gemäss dem heutigen Berthold-Projekt die Studenten und Mitarbeiter der Uni mit den Patienten des USZ, seinen Ärzten und Pflegern sowie den Besuchern zusammenkommen, begleitet von Trams, PWs und anfahrenden Ambulanzen. Dabei soll, entsprechend der Planung, durch den Spitalpark und Erdgeschoss-Nutzungen der Uni-Gebäude auf der Wässerwies, Urbanität entstehen. Die Anballung von Personen und ihre Kanalisierung in Pendler- oder Konsumenten-Strömen, wie wir sie täglich erleben, schafft aber erfahrungsgemäss kaum Kontakte und damit Anonymität statt Urbanität. Eine solche verlangt eben, dass sich einzelne Menschen in begrenzten Strukturen mit speziellen Funktionen begegnen können, so z.B. am Fluss, wo Sport und Erholung angesagt ist, im Niederdorf, wo es um Begegnung geht oder auf der ETH-Terrasse, wo sich Studenten treffen. Die Überlastung eines einzelnen städtischen Raums mit grossen Personen-Strömen schadet somit der Urbanität. Die Verlegung von Institutionen, die von vielen Leuten zentral erreicht werden können müssen (z.B. die Universität und das Unispital) in Aussengemeinden, erzeugen neue, anonyme Pendler-Ströme und Autoverkehr. (Dies ist zum Beispiel bei der Verlegung der Polikliniken des USZ nach Kloten für die nächsten Jahre der Fall. Es braucht also in einer Stadt eine relative Nähe zwischen solchen Institutionen und Raum fürs Wohnen, Arbeiten und die Freizeit, die gut per Velo oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein müssen. (Eine angrenzende Gemeinde wird diese Funktionen gemäss ihren Gegebenheiten anders anordnen als das die Stadt tut.) Analog zur ETH-Hönggerberg könnte die Universität, wie vorgeschlagen, einzelne phil.II Fächer in ihrer Nähe auf den Campus Irchel verlegen, den sie gegenwärtig stark ausbaut. Damit könnte die Stadt im Sinne einer massvollen Verdichtung innerhalb ihrer Grenzen in überblickbaren, historisch gewachsenen Räumen wachsen, während Aussenquartiere und Aussengemeinden andere, spezielle Aufgaben übernehmen. Wirkliche Urbanität bedeutet eben, dass sich Leute mit ähnlichen Aufgaben und Interessen leicht persönlich begegnen können. Deshalb machen auch Gewerbezonen für Start-Ups in Städten Sinn. Die stake räumliche Trennung der Bereiche Arbeit, Wohnen, Einkaufen und Freizeit, wie sie seit 1950 aufgekommen ist, hat viel unnötigen Verkehr erzeugt, und die Urbanität beschädigt. Der Bau von Wohnhochhäusern am Stadtrand (im Hirzenbach und von Shopping Centren (in Spreitenbach und im Glattzentrum) sind Beispiele für dieses Denken, dem jüngst wieder beim Projekt für die Wohnhochhäuser zum geplanten Hardtum-Stadion gehuldigt wurde. Höhere Häuser, die sowohl Wohnungen, wie auch Ateliers, Werkstätten, Büros, Restaurants, Gärten und Läden Raum bieten, zeigen, (wie das nahe gelegene Limmat West), dass das möglich ist und gut funktioniert. Für solche Lösungen braucht es aber eine Planung, welche die Interessen von zukünftigen Benutzern, Bewohnern und Anwohnern einbezieht, statt einer Generalplanung mittels Gestaltungsplänen, wie sie der Kanton beim Generationen-Projekt Berthold und beim PJZ durchziehen will und die Stadt bei der Europa-Alle und beim Grossprojekt an der Thurgauerstrasse.

  2. Felix de Fries

    PS: Es versteht sich, dass das PJZ, wo wichtige zentralörtliche Leistungen erbracht werden, einen zentralen Standort benötigt, der von den Mitarbeitenden mit der S-Bahn (hier Station Hardbrücke) gut erreicht werden kann. Ein solcher Standort nahe zu den Gerichten, mit Anschluss zur S-Bahn und gutem Zugang zur Hardbrücke, zur Autobahn inkl. Umfahrung und zur Seebahnstrasse wäre auch auf dem Hardfeld, zwischen Hardbrücke und Duttweilgerbrücke, zur Verfügung gestanden. Dies hätte erlaubt, das zentraler gelegene Areal des Güterbahnhofs für eine, zum Stadtzentrum geöffnete, verdichtete Gewerbe- und Wohnzone zu nutzen. Diese Chance für eine solche, zentrumsnahe Verdichtung wurde aber beim PJZ ohne ein vertieftes Studium alternativer Standorte vergeben. Dabei dürfte der informelle Deal (Kasernen-Areal gegen Güterbahnhof-Areal) eine wichtige Rolle gespielt haben. Zu einem Zeitpunnkt verfügbare Flächen verführen Planende offensichtlich leicht zu voreiligen Schlüssen und Vorstellungen. Dies könnte bei Grossprojekten durch die Pflicht, alternative Standorte und Lösungen anzuschauen, vermieden werden.

  3. Felix de Fries

    Ob kantonale Gestaltungspläne automatisch kommunale Zonenpläne oder Bauordnungen übersteuern, ist eine grundlegende staatspolitische Frage, über die am Schluss wohl das Bundesgericht befinden muss. Dass für die Hochbauprojekte im Hochschulquartier kommunale Gestaltungspläne festgesetzt werden müssen, wie es die SP und die Grünenvor vor gut einem Jahr im Kantonsrat erfolglos gefordert hatten, und das kantonale Baurekurs-Gericht jetzt auch in seinem Urteil festhält, entspricht den Vorstellungen zur Gemeinde-Autonomie, welche eine Grundlage unseres Bundesstaates sind. Dass kommunale Zonenpläne und Bauordnungen von Gemeinderäten beschieden werden müssen und Referendums-fähig sind, entsprich unserem Prinzip, dass zuletzt die Bürger entscheiden. Dass für das Areal des Generationen-Projekts Berthold weiterhin die städtische Bauordnung von 1963 gilt, als es noch kein Planungs- und Baugesetz gab, die nun durch 6 kantonale Gestaltungspläne hätte abgelöst werden sollen, von denen drei jetzt in Kraft gesetzt werden sollten, zeigt das ruppige Demokratie-Verständnis, das im Hype um Grossprojekte in den letzten Jahren um sich gegriffen hat. Ein Entscheid des Bundesgerichts zu diesen Fragen dürfte viele Gemeinden überall im Land betreffen, die sich mit Grossprojekten auseinandersetzen müssen.

  4. Dr. Walter Altherr

    Ein Regierungsrat und ein Stadtrat scheitern an ihrer eigenen Arroganz!

    In allen Veranstaltungen zum Grossprojekt Bertold waren die Vertreter des Kantons und der Stadt von störender Überheblichkeit. Ein Dialog mit den Anwesenden fand kaum ernsthaft statt. Als Hauptargument für die Berechtigung von Bertold galt immer die zeitliche Dringlichkeit eines Neu- und Ausbaus des Universitätsspitals.

    Diese Veranstaltungen waren mit unterschiedlicher Besetzung immer reine Werbe- oder Verkaufsanlässe und somit Alibi-Übungen. Nie, aber auch gar nie, nahm die Projektleitung ernsthaft Stellung zu den Argumenten der Kritiker. Dass dem für die breite Bevölkerung überrissenen Plan Bertold eine etwas bescheidenere Vision – aber dies eben doch bei zustimmender Haltung – gegenüberstand, wird bis heute sowohl von der Projektleitung als auch von den Medien kaum erwähnt.

    Der Verzicht der Behörden, auf einen echten Dialog mit dem kritischen Teil der Bevölkerung, hatte zum Resultat, dass erstens keine Anpassungen an den Plänen stattfanden und dass zweitens den Projektkritikern – dies als letztes Mittel überhaupt gehört zu werden – gar nichts anderes als ein Rekurs übrig blieb.

    Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Grossbaustelle der ETH im Gloriarank: Dort hatte die ETH mit den Anwohnern das Gespräch gesucht und eine Kompromisslösung gefunden.

    Auf ein ähnliches Vorgehen hatte der Kanton also verzichtet: Noch ist uns die Aussage von Regierungsrat Kägi am 2. November 2015 im Vortragssaal des Kunsthauses im Ohr, dass hier die Volksstimme nichts zu sagen habe.

    Nun hat das kantonale Baurekurs-Gericht die Vertreter dieses Vorgehens abgestraft. Wenn sich jeder private Bauherr an das Gesetz halten muss, dann gilt dies umso mehr auch für die öffentliche Hand, sonst könnte man dies als Trickserei oder – noch schlimmer – als Klüngelei bezeichnen.

    Natürlich ist der Entscheid des Gerichts unangenehm und für die eigenen Hofjuristen mit einem Gesichtsverlust verbunden. Der behördliche Sturm der Entrüstung überrascht daher nicht. Die übertriebene Hast, um fern des geltenden Rechts, das Grossprojekt rasch am Volkswille vorbei durchwinken zu können, führt jetzt zu einer selbstverschuldeten Verzögerung.

    Statt nun unmittelbar die Hausaufgaben zu machen, sieht sich der Kanton in der Rolle der beleidigten Leberwurst und sucht ihr Recht über den Gerichtsweg. Ein riskanter Weg, der erst noch zu zusätzlichen zeitlichen Verzögerungen führen wird. Das Stadtparlament ist zudem dringend geraten, die dem Grossprojekt Bertold angepasste BZO genauestens unter die Lupe zu nehmen und der Masslosigkeit des Kantons im Sinne der städtischen Bevölkerung einen Riegel zu schieben. Wer ist schon so dumm und baut an einen Hang Hochhäuser? Dies ist undiskutabel ein gestalterischer Fauxpax.

    Über Bertold wird wohl noch viel diskutiert und geschrieben werden – über Sinn oder Unsinn der Bauhöhen, über die vielleicht übertriebene Konzentration der Uni und ETH im Zentrum der Stadt oder gar über die Massigkeit der Baukuben -; aber eines hat uns das Urteil des Baurekurs-Gerichts gezeigt: Noch sind wir keine Bananenrepublik, in der Kanton und Stadt schalten und walten können, so wie es ihnen gerade passt. Das aufmerksame Volk kann bei einem solchen Milliardenprojekt nicht so einfach übergangen oder besser ausgetrickst werden.

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