Uniklotz berichtet

Gerichtsentscheid ermöglicht „Volonté Générale“ für das Zürcher Hochschulquartier!

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Gemeinsinn für die Weiterentwicklung von Zürich ist zu finden, muss gefunden werden: Fr. 4.5 – 6 Mia sind für das Generationenprojekt von Hochschulen und Spital vorgesehen. Jean-Jacques Rousseau hilft uns mit seiner These des Gemeinsinns:

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Dass das gegenwärtig in Richt- und Gestaltungsplänen festgelegte Vorhaben des Hochschulzentrums mit seiner kruden Volumetrik und seinem brutalen Eingriff ins Stadtbild als Volonté Générale nicht taugt, ist seit seiner Präsentation 2014 völlig klar. An der kruden Volumetrik – ohne Städtebau – hat sich seither kaum etwas geändert. Dazu passt auch, dass die Baudirektion einen Mehrheitsantrag des Kantonsrats in den Wind geschlagen hat. Er hätte eine bessere Verteilung der Volumen und die Absenkung der exzessiven Bauhöhen erlaubt.

Niemand hat Freude am Projekt, nicht einmal die Bauträgerschaften.

Die künftigen Nutzer würden sogar durch die für sie unpassende Bauform des Hochhauses geschädigt: Das Spital will kein betrieblich veraltetes Spitalkonzept, das in die Höhe geht und die Universität für ihre Labors keinen aufragenden Turm.

Die Baudirektion muss sich nicht wundern, wenn sich die Fronten verfestigt haben und mehrere Rekurse gegen die 3 von 6 ausgeschriebenen Gestaltungspläne ergriffen wurden: „Wie du hineinrufst in den Wald, dir die Stimme entgegenhallt“. Die seit Jahren andauernde Unbelehrbarkeit – das nennt man „Intransigenz“ – hat das Projekt nicht besser gemacht. Wie Uniklotz schon verschiedentlich berichtet hat, haben Fehler im Planungsprozess – vor allem die Abwesenheit der städtebaulichen Dimension – zu einem Resultat geführt, an dem, wie gesagt, niemand Freude hat. Die beiden bereits in einem früheren Beitrag zitierten Leserbriefe beleuchten verschiedene Aspekte der Situation.

Tages-Anzeiger 2.11.2015

Verdichten ja aber mit Augenmass.
Hier wird der hilflose Versuch unternommen, riesige Baumassen an die Flanke des Zürichbergs zu kleben.
Ohne Massstab, rücksichtslos und bar jeglicher 
städtebaulichen Vision muss ein solcher Masterplan 
abgelehnt werden bevor weitere Millionen verbraten 
sind.

Heinrich Blumer, Zürich

Von Anfang an war klar, dass die Volumetrik bezüglich Mass und Anordnung überbordet und das Bild unserer Stadt schädigt. Der Architekt Heinrich Blumer hat es auf den Punkt gebracht. Die Übung hätte abgebrochen werden müssen. Namhafte Fachleute haben auf die Absenz von Städtebau bei diesem Milliardenvorhaben hingewiesen. Nach 3 Jahren stehen wir immer noch am selben Punkt.

NZZ 8. Juni 2016:

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In den Jahren 2015 und 16 behandelte die kantonsrätliche Kommission die Vorlage. Mit der Ablehnung eines Rückweisungsantrags hat sie sich für eine Evolution entschieden. Doch ihr oben erwähnter Mehrheitsantrag zur Verbesserung bezüglich Stadtbild und Funktion fand kein Gehör. Die vom Kantonsrat gewünschte Evolution hat nie stattgefunden.

Am 23. März 2018 hat das Baurekursgericht die eingereichten Rekurse gutgeheissen und die Gestaltungspläne „USZ-Kernareal Ost“, „Wässerwies“ und Schmelzbergareal“ aufgehoben.
Der federführenden Baudirektion wurden Verfahrenskosten von CHF 40’000.- auferlegt, die drei Rekurrenten mit je CHF 3’000.- entschädigt.

Das Baurekursgericht hat die Frage der BZO Hochschulquartier dorthin zurückgeschickt, wo diese längst hätte gelöst  werden sollen: an die Stadt Zürich. Zuerst die (volumetrisch überrissenen) kantonalen Gestaltungsplane festzulegen und dann die BZO daran anzupassen sei die falsche Reihenfolge, denn die Baudirektion hat auf nicht vorhandener Grundlage Gestaltungspläne erlassen. Mit der neuen Regelung können endlich Volumen definiert werden, die für das Stadtbild verträglich sind. Die nie geleistete Stufe des Städtebaus kann jetzt nachgeholt werden. Der Gemeinderat hat die im falschen Sinn konzipierte Vorlage des Stadtrats für eine BZO Hochschulquartier bereits im Januar erhalten. Ihrer Behandlung und Korrektur steht nichts im Weg – ausser vielleicht der übereilt bekanntgegebene Beschluss der Baudirektion zum Weiterzug des Entscheids ans nächste Gericht!
Die AGBB-ZH freut sich darüber, dass der Gemeinderat der Stadt Zürich jetzt die Gelegenheit erhält, die BZO Hochschulquartier im Interesse der Stadt und ihrer Bewohner zu formulieren.

Im Rahmen einer „Volonté Générale de tous“ erwartet sie die Bereitschaft der Baudirektion, das Projekt zu überarbeiten.

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5 Kommentare

  1. H.O. Matthias

    Unendiches Wachstum steht im Widerspruch zur Endlichkeit von unserem Planet…Dies gilt nicht nur für das Hochschulgebiet….das ganze Wirtschaft- sprich Schneeballsystem muss radikal umgedacht werden….die Bevölkerungsentwicklung inklusive…

  2. Felix de Fries

    Warum die Uni die Evolutionäre Medizin, die Labortierkunde, die Veterinär Pharmakologie, die Medizinische Molekulargenetik, die Medizinische Genetik, die Regenerative Medizin, die Sozial-Anthropologie und die Empirische Kulturwissenschaften nicht auch nach Oerlikon verlegt, das verkehrsmässig mit S-Bahnen und Schnellzügen bestens erschlossen ist, und in der Nähe der drei dort geplanten Uni-Bauten sicher noch Platz für weitere Gebäude bieten würde, ist nicht nachvollziehbar. Wenn dort ein neues Zürcher Hochschulquartier entsteht, dann würden dort weitere Institute wertvolle Synergien ermöglichen. Im grossen städtischen Projekt an der Thurgauerstrasse könnten zudem in der Nähe der Universitätsgebäude neben einem Altersheim auch Wohnungen für Studenten, Assistenten und Professoren gebaut werden mit Anschluss an den Glattpark und das Ufer der Glatt. Es wäre jetzt wichtig zu wissen, welchem städtebaulichen Konzept die Verlegung dieser Uni-Institute an die Wagi-Strasse in die Stadt Schlieren entspricht, welche in jüngster Zeit mit der gezielten Ansiedlung von Start-Ups von sich reden gemacht hat. Spielt hier schon die angekündigte Koordination der Stadt Zürich mit Gemeinden am Stadtrand?

  3. Felix de Fries

    Dass die Institute für Anthropologie und Empirische Kulturwissenschaften sowohl in Schlieren wie auch in Oerlikon platziert werden sollen, wo sie in der Nähe der Soziologie und er Psychologie platziert werden könnten, macht deutlich, dass hier schon wieder eine Verzettelung der Standorte von Uni-Instituten droht. Die Konzentration von humanmedizinische und veterinärmedizinische Fächern, die jetzt nach Schlieren kommen sollen, würde sicher Sinn machen. In Oerlikon könnten sie in der Nähe von Instituten platziert werden, die ihnen neue Synergien in der Forschung und Lehre erlauben würden. Den Bedürfnisse des neuen Hochschulcampus in Oerlikon und seinen Benutzern muss durch die Planung der Quartiere Rechnung getragen werden. Sportanlagen und ein grosse Hallenbad sind ja bereits vorhanden. Richtung Saatlenquartier könnte durch Aufzohnung noch mehr Raum für Uni-Bauten und Wohnungen etc. geschaffen werden. Es ist nicht klar, ob die Planung auf dem Wagi-Areal in Schlieren einem übergeordneten Konzept der Stadtentwicklung geschuldet ist, oder einfach der Tatsache, dass dort die Uni noch genügend Raum am Stück für ihre Neubauten gefunden hat. Wie die Stadt Zürich bei dieser Planung mitreden konnte und ob sie einen alternativen, zentraler gelegenen Standort auf dem Stadtgebiet vorgeschlagen hat, wissen wir nicht.

  4. Felix de Fries

    PS: Warum diese humanmedizinischen und veterinärmedizinischen Institute nicht auf dem Campus Irchel platziert wurden, wo an der an der Froburgstrasse beim Tierspital und der Langensteinstrasse beim Irchel noch Platz für sie vorhanden gewesen wäre, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, da Planungsprozesse in ihrer Frühphase meistens nicht öffentlich durchgeführt werden.

  5. Felix de Fries

    Die humanmedizinischen Institute (für Regenerative Medizin, Evolutionäre Medizin, Medizinische Genetik und Medizinische Molekulargenetik) sind in Zukunft auf dem Wagi-Arel in Schlieren weit entfernt vom neuen Universitätsspital, bei dem sie, nach früher gemachten Ansagen, hätten konzentriert werden sollen. Die Institute für Labortierkunde, Veterinär-Pharmakologie und Toxikologie sind weit entfernt von der Veterinärmedizin (Ichel Nord) und dem neuen Laborgebäude dort. Für die Reise zum Wagi Areal können Studierende und Forschende ab 2019 vom Farbhof aus die neue Limmattalbahn benützen, die bis nach Schlieren Geissweid führt. So werden also in Zukunft wieder mehr Leute auf lange Reisen geschickt, für die es keine direkte öffentlichen Verbindungen gibt. Das gilt in Zukunft auch für die Patienten der Poliklinik des neuen Kinderspitals auf der Lengg, die in Zukunft für Konsultationen mit ihrer Begleitung in den Circle nach Kloten reisen müssen. Die Planung verursacht so für die Zukunft wieder viel mehr Verkehr, der in vielen Fällen mit dem eigenen PV zurückgelegt werden dürfte.

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