Medien, Uniklotz berichtet, Weltwoche

Replik

25582E04-401F-43E1-B0F2-30F12EB7A157

An die Leserinnen und Leser unseres Blogs:

 Im letzten Blogbeitrag hat uniklotz.ch den Artikel von Christoph Mörgeli in der Weltwoche wiedergegeben. Inzwischen hat die Weltwoche seine Replik publiziert. Dieses Mal möchten wir in etwas unkonventioneller Form darüber berichten: Zuerst die Replik, wie sie erschienen ist und dann der Text mit rot gedruckten Einschüben von uniklotz.ch. Damit wird die Beantwortung dort eingebaut, wo sie fällig ist.

Ein Versuch!:

Replik Weltwoche Weltwoche Online – www.weltwoche.ch ReplikBestmögliche medizinische Versorgung Die Weltwoche, Ausgabe 162018

 

Replik

Bestmögliche medizinische Versorgung

Beim Genrationenprojekt handelt es sich um ein 4.5-6 Mia-Vorhaben mit Bezeichnung „Hochschulgebiet Zürich Zenrtrum“. Die Titelgebung schrumpft es jedoch zu einen Versorgungsspital. Damit spielt Markus Kägi den Gedanken aus, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung bedroht sei. Das ist Unsinn. Richtig ist, dass in der heutigen Zeit ein Unispital mit über 10 Geschossen ein Horror für alle Spitalexperten bedeutet.

 

Die Weltwoche schrieb in ihrer letzten Ausgabe von einer -überdimensionierten -«Stalin-Allee», die am Zürichberg entstehen soll. Das ruft nach einer Richtigstellung.

Von Markus Kägi

 

In der Weltwoche erschien letzte Woche eine Kolumne unter dem Titel «Neues vom Qualitätsjournalismus». Darin wurde auf einen heftigen Verriss im Tages-Anzeiger Bezug genommen und kritisiert, dass der «Verrissene» selbst nicht zu Wort kam. In derselben Aus-gabe berichtete die Weltwoche unter dem Titel «Stalin-Allee am Zürichberg» über die Weiterentwicklung des Hochschulgebiets Zürich Zentrum (HGZZ). Die Weltwoche ging hier allerdings genau in der kritisierten Art vor: Keine der beteiligten Institutionen wurde vorgängig mit den zahlreichen falschen oder verzerrenden Aussagen konfrontiert. Das ruft nach einer Richtigstellung. Es ist im Zeitungswesen üblich, eine Seite darzustellen. In diesem Fall die Seite der Rekurrenten. Wenn Herr Kägi Neues über die Hochschulplanung bringt, will er auch nicht, dass sein Bericht mit möglichen Gegenmeinungen gemischt wird. Sein Angriff geht ins Leere.

 

Der Autor reiht sich nahtlos an die meisten Kritiker, wenn er beteuert: «Kaum jemand bezweifelt den zusätzlichen Bedarf an Räumlichkeiten und Infrastrukturen des Wissens- und Gesundheitszentrums mitten in Zürich.» Häufige Variante dieser Aussage: «Natürlich müssen sich Unispital, Uni und ETH im Zentrum weiterentwickeln können. Aber . . .»

Mit anderen Worten: Niemand will als frustrierter Architekt, Partikularinteressenvertreter oder sonstiger Ver- und Behinderer von Innovation und Weiterentwicklung dastehen. Alle handeln in bester Absicht aus uneigennützigen, hehren Motiven.

Regierungsrat Markus Kägi macht sich hier über ernsthaft engagierte Bürger in einer Demokratie lustig, die bemerkt haben, welches Unheil auf  Stadt und Stadtbild zukommt und deshalb seit Bekanntwerden des kruden Masterplans im Jahr 2014 für eine bessere Lösung einstehen. Ihn kränkt, dass der Widerstand gegen das aus den Fugen geratene Projekt nicht von selbst nachgelassen hat und dass es ihm nicht gelungen ist, die Sache über die  vergangenen Jahre auszusitzen. Auch die Qualität der Kritik im Vergleich mit der unbefriedigenden Planung mag ihn ärgern. Der Anhängerschaft eines besseren Projekts ist völlig klar, dass einmal falsch gebaute Substanz nicht mehr aus dem Stadtgewebe verschwinden würde. Ein sprechendes Beispiel dafür ist die Bausünde des Frauenspitals aus dem Jahr 1974.

Was dabei – bewusst oder unbewusst – ausgeblendet wird: Kanton, Stadt und die beteiligten Institutionen haben nicht nur eine grosse Verantwortung punkto Architektur und Städtebau, deren sie sich sehr wohl bewusst sind und der sie mit einer äusserst sorgfältigen, langjährigen Planung Rechnung tragen.

Dass die Planung so lange gedauert hat, macht sie nicht besser. Diese Argumentation der Langjährigkeit wirkt angesichts der Unbelehrbarkeit seit der Präsentation im Jahr 2014 etwas abgenutzt. Sie wurde auch in den Rechtsschriften der Budirektion ausgiebig verwendet. Es ist die Intransigenz (Unbelehrbarkeit) der Baudirektion die schliesslich zu den Rekursen geführt hat. Es hat genügend Gelegenheit gegeben das Projekt stadtverträglich zu machen. Ein Mehrheitsantrag des Kantonsrats für ein besseres (horizontal organisiertes) Spital verbunden mit einer Reduktion der Bauhöhen wurde in den Wind geschlagen. Beim Übergang vom Richt- zu den einzelnen Gestaltungsplänen hat sich eine weitere Gelegenheit ergeben. Sie wurde nicht genutzt, weil die Gestaltungspläne bereits gezeichnet waren!

Nein, sie dürfen auch die zeitliche Komponente nicht ausser Acht lassen. Der Druck aus Gesundheit, Bildung und Forschung ist real. Allein das Universitätsspital Zürich muss jährlich hohe siebenstellige Summen in den Unterhalt der veralteten Spitalgebäude stecken, Tendenz steigend. Geld, das in der eigentlichen Gesundheitsversorgung deutlich sinnvoller angelegt wäre.

Investitionen in die Erhaltung der drei Häfeli Moser Steiger-Trakte des betrieblich veralteten Spitals sind wenig sinnvoll. Infolge zu geringer Geschosshöhen und der geringen Bautiefe der nur einbündigen Grundrisse wird zusammen mit dem eingeschlossenen Parkteil unten an der Rämistrasse Raum verschwendet der dann oben fehlt. Das führt zu Volumenkompression am Hang, zu unökonomischen und betrieblich nachteiligen Hochhäusern und, bedingt durch die Verschiebung der Sternwartstrasse nach oben, zu einer Abbruchwelle an bestehender Bausubstanz. Fazit: Ohne Korrektur des Gesamtkonzepts gibt es kein modernes, d.h. horizontal organisiertes Spitzenspital.

 

Augenfälligster Mangel des Artikels ist, dass er vom Projektstand 2013 ausgeht. Seither sind fünf (!) Jahre vergangen, in denen das Projekt kontinuierlich weiterentwickelt und redimensioniert wurde – vielfach auf Anregung von Quartieren, Fachkreisen, Bevölkerung oder Politik. Das Resultat sind unter anderem reduzierte Flächen (keine 350 000 Quadratmeter Mehrfläche, sondern mehr als 15 Prozent weniger),

Die Baudirektion hat nie m2-Zahlen genannt, immer spricht sie in vagen Prozenten, deren Basis in den Wolken schwebt. Die Flächenreduktion erfolgte bei den Spitalbauten bereits in einem früheren Stadium und ist nicht etwa der Einsicht in die städtbauliche Untragbarkeit zu verdanken, sondern dem Umstand, dass das Kantonsspital seine Bauten künftig selbst finanzieren muss. Was aber zählt, ist dass erst Ende 2016 auch noch die Anatomie als schützenswert bezeichnet wurde und dass dadurch ein beträchtlicher Teil der dort  vorgesehenen Neubausubstanz nicht realisiert werden kann. Die Baudirektion hat also, wie schon um 2011 im Gebiet Rämistrasse, Ende 2016 trotz der Volumenkompression weiteres Baugebiet „verschenkt“. um mehrere Stockwerke reduzierte Maximalhöhen (keine Rede von «sperrigen Hochbauten») Pardon Herr Regierungsrat Kägi: Die viel zu hoch angesetzten Flachbauten mit 500 müM sind geblieben und die darüber hinausragende „Spitalwand“ von 80 m Länge wurde lediglich von 521 auf 512 müM herabgesetzt, jedoch nicht eliminiert.

und eine deutlich bessere Durchwegung als der heutige Zustand im Quartier. All das ist zusammengefasst im Weissbuch, einer von den beteiligten Institutionen und Behörden gemeinsam erarbeiteten Absichtserklärung mit verbindlichen Grundsätzen für ein attraktives Hochschulgebiet, einzusehen unter www.hgzz.zh.ch. Unter Belassung der beanstandeten im Stadtbild nicht verträglichen Kuben haben Stadt und Kanton relativ spät einen 1 Mio teuren Wettbewerb über die Gestaltung der Zwischenräume der Kuben veranstaltet. Die AGBB hat die Jury vor Beginn des Wettbewerbs vor der Alibiübung eines „Zwischenraumwettbewerbs“ gewarnt. Das Resultat der wenig nützlichen Veranstaltung ist Hauptbestandteil dieses sogenannten Weissbuches geworden.

 

Noch keine konkreten Pläne:

Nicht nachvollziehbar ist auch der immer wieder bemühte «praktisch durchgehende Gebäuderiegel», der die Stadt angeblich in zwei Teile trennen werde. Hier haben wir den Beginn des Erkennens des unqualifizierten Eingriffs ins Zürcher Stadtbild. Vorerst allerdings erst in ablehnender Form. Wie im Artikel von Christoph Mörgeli gesagt, kommt es bei diesem 600m langen Riegel zu Erhebungen aus dem Hang von 30 bis gegen 50m! Das ist veritabler Unsinn. Tatsache ist erstens, dass noch gar keine konkreten Bauprojekte vorliegen. Offenbar kennt Herr Kägi das Wesen der Planung nicht: Wenn Richt- und Gestaltungspläne solche übermässige Dimensionen vorsehen, sind diese Gegenstand der Rekurse und nicht irgendwelche leere Versprechungen. Die Baudirektion hätte in den letzten 4 Jahren genügend Gelegenheit gehabt, die beanstandeten Höhen zu reduzieren (seit 2015 schlägt die AGBB-ZH die stadt- und quartierverträglichen 480 müM vor) und damit die Rekurse zu vermeiden.

Die entsprechenden Projektwettbewerbe von Unispital und Uni sind in vollem Gang, die -Resultate werden Ende 2018 erwartet. Und zweitens (wie gesagt): Die Durchwegung wird verbessert. Von einer Trennung der Stadt kann keine Rede sein. Die Bevölkerung wird dazu verleitet, auf Hoffnung zu bauen. Die planerischen Festlegungen im Richtplan und in den 3 von 6 vorgesehenen Gestaltungsplänen sind andere: Die Flachbauten mit Höhenbegrenzung von 500 müM und die Hochhäuser mit 510 und 521 müM.

Das Generationenprojekt HGZZ ist eine gemeinsame Investition in die Zukunft. Sie stellt sicher, dass auch die nächsten Generationen auf die bestmögliche medizinische Versorgung und eine weltweit anerkannte Forschung und Lehre zählen können. Medizinische Kreise verlangen für ein modernes Spitzenspital eine horizontale Organisation, bei welcher Patient und Behandlung nebeneinander liegen. Daraus können sich bandartige Strukturen ergeben oder konzentrische mit Behandlung in der Mitte und umgebende Bettentrakte. Mit dem Zwang zur Höhe durch die genannte Volumenkompression ist die Voraussetzung der  „bestmöglichen medizinischen Versorgung“ jedoch nicht gegeben. Sorgen wir dafür, dass dieses wichtige Ziel zwischen Partikularinteressen und – teilweise durchaus gutgemeintem – übertriebenem Perfektionismus nicht aus den Augen verloren wird. Wir sind es unseren Nachkommen schuldig! Der Einsatz der AGBB-ZH hat eine bessere Lösung zum Ziel, bei der sowohl die Einordnung ins Stadtbild als auch die betriebliche Funktionalität des Spitals erreicht werden. Da ein Baubeginn mit den damit verbundenen hohen Baukosten noch nicht erfolgt ist, sind die notwendigen Verbesserungen des Projekts jetzt noch planbar und auch bezahlbar.

 

Der denkwürdige Entscheid des Baurekursgerichts mit der Steilvorlage an die Behörden der Stadt Zürich bietet den dazu notwendigen Marschhalt.

 

 

 

3 Kommentare

  1. Felix de Fries

    PS: Der Direktor des USZ, Martin Waser, sollte in jedem Fall demnächst das Konzept des neuen Universitätsspitals und seiner Kliniken im Detail aufzeigen, damit der Raumbedarf und die Finanzierung der einzelnen Gebäude bewertet werden kann. Dabei sollte er auch deutlich machen, wie die neue Zusammenarbeit des Spitals mit der Forschung und der Lehre aussehen soll und die Aufgabenteilung mit den öffentlichen und privaten Spitälern in der Region.
    Die Platzierung von einzelnen Kliniken des neuen Unispitals im nahe gelegenen und verkehrsmäsig bestens erschlossenen Triemli-Spital, das über einen Notfall und alle heute nötigen diagnostischen und therapeutischen Mittel verfügt, könnte über die jahrzehntelange Bautzeit am Zürichberg hinaus, die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen und eine vertiefte zukünftige Zusammenarbeit der beiden Institutionen begründen, die heute manchmal im Umgang Animositäten zeigen. Für die Stadt Zürich, welche das neu gestaltete USZ beherbergen wird, und in seine Eingliederung in den Stadtraum bereits grosse Mittel investiert hat, ergäbe sich dadruch die Möglichkeit die hohen laufenden Kosten für den Betrieb des Triemlispitals etwas zu reduzieren und so mehr Zeit dafür zu haben, die Aufgaben der Stadtspitäler Waid und Triemli und ihre Zusammenarbeit mit anderen Gesundheits-institutionen in der Region zu überprüfen, so dass eine gute, patientennahe Gesundheitsversorgung auch in der Zukunft gewährleistet werden kann.

  2. Dr. Walter Altherr

    Zur Replik von Regierungsrat Kägi

    Wenn der Regierungsrat von einer Richtigstellung des in der Ausgewogenheit doch ausgezeichneten Artikels zur „Stalin-Allee am Zürichberg“ spricht, dann wählte er dazu das Mittel der Nebelpetarden! Er vernebelt nämlich, dass „sein von ihm so genanntes Generationenprojekt“ an einem Volksvotum vorbei manövriert werden soll. Mutig malt er im farbenreichsten Nebel, die Einmütigkeit der Planer, der Behörden, der mitsprechenden Organisationen sowie der Bevölkerung. Dazu wählt er die Petarde des Typs „Verteufelung“: Er spricht von „äusserst sorgfältiger, langjähriger Planung“ – wer aber die verschiedenen Planungsskizzen über die Jahre hinweg verfolgte, weiss, dass die Entwürfe im Volumen immer fetter und noch gigantischer wurden. Wenn der Regierungsrat heute von Einsicht und somit von einer Reduktion des Nutzungsvolumens von 15% spricht, dann ist dies wohl nicht ganz Ernst zu nehmen …

    Doch zurück zur „Verteufelung“: Er benutzt dazu das Bild: Hier die zustimmende, der Zukunft verpflichtete Mehrheit und dort die aus Eigennutz querulierenden Nörgler – dies ist etwas gar vereinfachend, Herr Regierungsrat! Wie haben Sie am 2. November 2015 im Vortragssaal des Kunsthauses doch gesagt: „Dazu hat die Volksstimme nichts zu sagen.“

    Ihr Aussage, dass die Planer die „Anregungen der Quartiere, Fachkreisen, Bevölkerung oder Politik“ berücksichtigt hätten, entspricht wohl nicht der ganzen Wahrheit. Zumal die Planer ein feinmaschiges Netz von Ja-Sagern gesponnen haben. Es gibt parteipolitische Verbandelungen ganz nach dem Motto „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, aber auch die beiden immer wieder zitierten, dem Projekt zustimmenden Quartiervereine haben die Ebene der Unparteilichkeit längst verlassen, denn dort muss man nicht lange suchen und man findet in beiden Vorständen Interessenvertreter und neuerdings sogar familiäre Bande.

    Es ist ja sehr interessant, dass der Regierungsrat, den Entscheid des Baurekurs-Gerichts mit keinem Wort erwähnt. Darin wird dem Kanton und dem Stadtrat auf die Finger geklopft und festgestellt: Es sei nicht alles rechtens. Dem Gericht genügte der Umstand, dass die Baudirektion Gestaltungspläne auf fehlender Grundlage erlassen hat, diese für ungültig zu erklären. Statt ein einfaches „Verstanden“ wird nun weitergerechtet – dies wohlverstanden mit Steuermitteln.

    Und es wird weiterhin alles vernebelt … und nur von den Spitalbauten gesprochen. Ob aber die Überbauung für die Wirtschaftswissenschaften, die mit dem propagierten Gesundheitscluster nichts zu tun haben, unbedingt im Zentrum sein muss, wird eben im Dunst des Nebels wohlweislich versteckt.

  3. Heinrich O. Matthias

    Warten wir das Resultat des jetzt laufenden Wettbewerbes für die erste Etappe ab, da kommt dann die WAHRHEIT auf den Tisch.

    Das bedeutet, die angekündigte oeffentliche Informationsveranstaltung von Herrn Regierungsrat Markus Kägi und Co..vom 31 .Mai 2018 im Audi Maximum der ETHZ muss verschoben werden bis das Resultat des Wettbewerbes publik ist. – Die Bevölkerung will FAKTEN sehen und keine Worthülsen hören !!!!!

Antworten

Theme by Anders Norén