Uniklotz berichtet

Öffentliche Informationsveranstaltung im Audi Max der ETH

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Die Vorträge und die Versprechungen

Regierungsrat Markus Kägi betonte einleitend die Einigkeit der Trägerschaft des Vorhabens für Bildung und Forschung und sprach vertröstend davon, dass man guten Städtebau machen wolle, ohne Riegel und Hochhäuser. Zu den Rekursen bemerkte er lediglich, dass zu deren Erledigung eine Frist eingeplant worden sei. Zum Inhalt, den Forderungen und den daraus hervorgehenden Chancen wurde das anwesende Publikum natürlich nicht informiert. Die Baudirektion scheint die Rekurse lediglich als kleinen Schnupfen zu sehen.

Der Projektdelegierte Peter E. Bodmer sagte, dass ein Abbruch der Wettbewerbe infolge der Rekurse fatal wäre. Die Aufteilung des Spitalareals in drei Gestaltungspläne bedinge, dass im erstzubebauenden Teil an der Gloriastrasse bereits ein voll funktionsfähiges Spital vorliegen müsse. Deshalb könne es dort durchaus zu einem „Hochpunkt“ bis zu 512 müM. kommen. Warum das Spitalgeviert in drei Streifen geteilt worden sei und diese Zwänge ausübt, blieb Geheimnis.

Stadtrat Dr. André Odermatt verwies ausführlich auf das Stadtraumkonzept, das 2017 erarbeitet worden ist, sich aber lediglich mit den Zwischenräumen der stets beanstandeten und unbehelligt weiter bestehenden Baukuben befasst. Das Konzept sei für die Wettbewerbsteilnehmer verbindlich und da in einem „Weissbuch“ festgehalten, in Zukunft messbar.

Spitalratspräsident Martin Waser betonte, dass die bestehenden Spitalbauten marod seien, dass ein modernes und menschlich gutes Spital angestrebt werde und vertröstete ebenfalls und einmal mehr, dass es keine grossen Kisten, keine “Warzen im Hang“, geben werde.

Der Rektor der Universität Prof. Dr. Michael O. Hengartner führte aus, dass auf der Wässerwies ein zweiter Hauptbau der Universität beabsichtigt sei. 11 internationale Teams seien zum Architekturwettbewerb eingeladen. Die Wettbewerbe würden trotz den Rekursen weitergeführt. Begründung: „damit man endlich etwas sehe“.

Aus dem Publikum, dem Dr. Esther Girsberger nach bewährtem Rezept lediglich kurz gehaltene Fragen vorschrieb und Statements ausdrücklich verbot, kamen Fragen zum Festhalten an den veralteten Spitalbauten, die wertvolles Areal besetzten und das Bauvolumen den Hang hinauf drückten. Ein Gemeinderat wollte wissen warum man denn bei einem modernen Spital noch in die Höhe gehe und zudem noch an einem Hang. Eine Frage betraf die digitale Darstellung des Projekts: „Warum wird dem Publikum im fortschrittlichen Zürich mit der Kompetenz der ETH kein digitales Modell zur Verfügung gestellt, damit jedermann aus seiner Perspektive die Volumen sehen kann?“

Volumen im Hang: schlimmer denn je!

Im Syntheseplan 2014 festgehalten:
Differenzierte Höhen, wie z.B. 480 müM (der quartierverträgliche Höhenplafond, den die AGBB seit 2015 über alles fordert) fanden sich im Areal der Universität auf der Wässerwies nahe der Rämistrasse. Die in die Breite des Hanges über 600 m ausgedehnten Sockelbauten des Universitätsspitals wiesen hingegen Höhenkoten von 500 müM. auf. Dazu kamen einzelne „Hochpunkte“ von 510 und 521 müM. Es ergab sich immerhin ein gemischtes Bild, allerdings mit einem kleinen Anteil von Zonen, in denen die geforderten 480 müM. nicht überschritten worden wären.

Kantonstratsbeschluss März 2017:
Für den genehmigten Richtplan gilt ein Höhenplafond von 512 müM. über alles. Das sind ca. 10 m mehr als die bereits hoch im Hang liegende Hochstrasse und Vorderberg aufweisen! Das Quartier würde von der Stadt her gesehen hinter den Baumassen verschwinden und umgekehrt von den Quartieren aus die Stadt. Die weit ausladenden 2014 mit 500 müM. angesetzten Sockelbauten haben jetzt Raum bis 512 müM. erhalten.

Das Bild mit gemischten und wenigen akzeptabeln Bauhöhen von 2014 ist mit dem Kantonsratsbeschluss 2017 einem durchgängigen und viel zu hoch angesetzten Höhenplafonds gewichen. Auf allen Arealen, z.B. auch auf der tief liegenden Wässerwies, dem heutigen Turnplatz der Kantonsschule, dürfen diese Höhen erreicht werden. Diese beträchtliche Verschlechterung hätte bei gutem Willen bereits im Übergang vom Richt- zu den Gestaltungspläne behoben werden können. Die Rekurse wären dann vielleicht ausgeblieben. Doch mit diesem Freipass in der Hand wird die bisherige seit 2014 andauernde Intransigenz (Unbelehrbarkeit) fortgesetzt und die Zusicherungen von Kägi und Waser verkommen damit einmal mehr zu billigen Vertröstungen: Hochhäuser und Riegel sind im Rahmen des Richtplans möglich. Für die letzteren gibt es noch eine Höhenzulage von 12 m.

Niemand hat weder aus Kreisen der Veranstalter der laufenden Wettbewerbe noch der Teilnehmer gehört, dass Bauhöhen unterhalb der Richtplanlimite begrenzt worden seien. Die oben beschriebenen Schalmeienklänge von Kägi und Waser widersprechen somit den Planungsgrundlagen. Wie das bereits in Ausführung begriffene GLC-Gebäude der ETH an der Gloriastrasse belegt, gibt es in einem Architekturwettbewerb nichts einfacheres als die Festsetzung einer Höhenbegrenzung. Bei der ETH ist Hanglage und Höhenregelung als zusammenhängend begriffen worden. Die Veranstalter der beiden laufenden Wettbewerbe müssen sich deshalb die Frage gefallen lassen, warum die Frage der Bauhöhen im Hang noch immer offen gelassen wurde.

Risiko eines „Hochpunkts“ im Spitalareal

Der Plafond „512“ und das gewachsene Terrain ergeben eine Gebäudehöhe, die mit 57 m markant aus der Hanglage herausragen würde. Damit wären wir bei der „Warze im Hang“ angelangt, wie sie das Frauenspital von 1970 verkörpert.

Ärzte und Pflegepersonal werden am Sachzwang, in der ersten Etappe einen Hochpunkt zu realisieren, keine Freude haben, denn Spitalhochhäuser sind eine Sache von gestern. Moderne Spitzenspitäler verlangen das Nebeneinander von Patient und Behandlung. 57 m Höhe entsprechen etwa 13 Spitalgeschossen. Mit einem solchen Patientensilo ist das Versprechen Wasers, ein menschliches Spital zu bauen, wohl Makulatur geworden.

Zum Vergleich mit dem 57 m hohen „Hochpunkt“ des Spitals: Das Hochhaus „City“ an der Sihlporte misst 50 m in der Höhe.

Zum Vergleich mit dem 57 m hohen „Hochpunkt“ des Spitals: Das Hochhaus „City“ an der Sihlporte misst 50 m in der Höhe.

Das marode Spital

Wenn immer wieder zur Recht gesagt wird, dass das bestehende Spital marod sei, warum wird dann zu Lasten des ganzen Spitalprojekts an dessen Erhalt festgehalten? Es geht um drei insgesamt 350 m lange Trakte, die zudem einen heute nicht mehr nötigen Erholungspark einschliessen. Diese Verschwendung von Raum führt neben Kompression und Höhenexzess auch dazu den künftigen Haupteingang von der gut erschlossenen Rämistrasse wegzuverlegen.

Ein dreister Versuch Faits Accomplis zu schaffen

Die drei im letzten Sommer ausgeschriebenen Gestaltungspläne sind durch den Erfolg der Rekurrenten vor dem Baurekursgericht im letzten März ausser Kraft gesetzt worden. Die Wettbewerbe der Universität und des Spitals wurden aber trotz der bereits laufenden Rekurse um die Jahreswende gestartet, das heisst „auf Risiko“. Dem Mehrheitsantrag des Kantonsrats, HMS-Bauten für ein besser funktionierendes Spital und zu Gunsten des Stadtbildes abzutragen, wurde nie Folge geleistet. Es wäre richtig gewesen, auch diese (bessere) Variante einem Wettbewerb zu unterstellen.

Zum dreisten Versuch Faits Accomplis zu schaffen gehört auch der Versuch, den Zwischenraumwettbewerb („Stadtraumkonzept“) übermässig in den Vordergrund zu stellen und damit das Laissez Faire des Stadtrats bezüglich Städtebau zu kaschieren.

Keine Entwarnung möglich

Mit der Höhenkote von 512 müM. sind talseitige Erhebungen der Bauten aus dem gewachsenen Terrain von zwischen 30 bis gegen 50 m zu erwarten. Den einleitenden Worten von Regierungsrat Kägi muss in aller Form widersprochen werden. Gebäude ab 25 m Höhe gelten von Gesetzes wegen als Hochhäuser. Die Bevölkerung muss davon ausgehen, dass in den laufenden und künftigen Architekturwettbewerben die für Stadtbild und Quartiere unakzeptablen Bauhöhen erlaubt sind.

Chance aus Rekursen noch nicht erkannt

Die aus Sachzwängen und nicht aus Überzeugung hervorgegangene überbordende Volumetrik würde das Stadtbild auf alle Zeiten schädigen. Die in erster Instanz erfolgreichen Rekurse bieten die Gelegenheit, die seit der Präsentation von 2014 immer wieder öffentlich beanstandeten Mängel endlich zu beheben.

Was die AGBB-ZH betrifft, ist es deren ausdrücklicher Wunsch, möglichst bald – und frei von unnötigen Sachzwängen – zu einer besseren Lösung zu kommen. Die an der Veranstaltung demonstrierte Haltung der Bauträger, jetzt mit geschlossenen Augen Vollgas zu geben und die Wettbewerbe bis Ende Jahr fertigzustellen, lässt keine Bereitschaft dazu erkennen. Die Vertröstungen und das uneinsichtige Weiterwursteln auf falschem Pfad sind nicht geeignet, die Rekurrenten umzustimmen.

Die AGBB-ZH fordert ein besseres Projekt für Hochschulen und Spital:

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3 Kommentare

  1. Dr. Walter Altherr

    Eine einfache Motivation der Gebetsmühle ist es, bei der Drehung der Gebetsmühle den Wunsch zu hegen, dass alle in der Walze befindlichen Mantras durch die Drehung zum Wohle der fühlenden Wesen wirken, deren Leid beseitigen und ihnen Glück bringen (gemäss Wikipedia).

    Landvogt Kägi plaudert und plaudert wie eine Gebetsmühle immer dasselbe …

    Es gibt keine von ihm abgelesene Rede ohne Lobhudelei vom Geschenk für die Zukunft – eben dem „Generationenprojekt“. So wie letzthin an der ETH. Kägi wird dabei eskortiert von einem braungebrannten, externen Berater. Auch bei ihm übertönen repetitive Schalmei-Klänge jede berechtigte Frage aus dem Publikum.

    Gebetsmühlen beruhigen und lullen ein – zum Glück waren die Ledersessel in der Aula bequem …

    Diese repetitiven Orientierungsveranstaltungen lenken gezielt ab und sind daher gefährlich. Viele Zuhörer nehmen den Regierungsrat gar nicht mehr ernst und haben das Gefühl, ihnen werde die Zeit gestohlen. Viele werden daher in Zukunft abseits stehen. Dann kann die Verwaltung ungestört schalten und walten, so wie sie es will.

    Gefahren sehen wir auch darin,

    wie sich der Landvogt Kägi bedenkenlos über die finanziellen Wagnisse. Die Frage der Finanzierung geht ohnehin am Volkswille vorbei. Dies ist Gigantismus ungefragt auf Kosten des Steuerzahlers.

    wie Kägi das Urteil des Baurekurs-Gerichts als lästige Schmeissfliege versteht. Ja, es wird gegenüber der nächsten richterlichen Instanz sogar eine Drohkulisse aufgebaut: Wird das erstinstanzliche Urteil bestätigt, dann wird der Kanton zukünftig bei seinen Bauten massiv behindert. Beansprucht der Kanton für sich ein Sonderrecht?

    wie die Projektleitung möglichst rasch Fakten schaffen will. Mit den ausgelösten Wettbewerben will sie von Fragen über Bauhöhen und zum Stadtbild ablenken und baldmöglichst nur noch über prämierte Architekturentwürfe diskutieren. Dann ist endlich der „Point of no Return“ erreicht. Dies nach dem Moto: Schliesslich wurde schon so viel in das Projekt gesteckt, weitere Einschränkungen oder – noch schlimmer – ein Abbruch der Übung kann der Bevölkerung nicht zugemutet werden. Wir kennen dies von vielen Projekten im Inland und im Ausland. Wir kennen aber auch deren ins Uferlose gewachsenen Kosten.

    wie Universitätsrektor Hengartner, übrigens auch noch Vorstandsmitglied des von Bertold mitbetroffenen QV Oberstrass, mit euphorischem Lobgesang – ebenfalls einer Gebetsmühle gleich – die Zukunft für die Jugend herbeiredet.

    wie oft die Wahrheit geritzt und vieles geschönt wird. Da wird die Reduktion der maximalen Bauhöhe auf 512 m als Einsicht gepriesen obwohl dies eine Einschränkung des Kantonsparlaments ist. Da wird von einer einsichtigen Reduktion des Bauvolumens um 30% gesprochen und dabei verschwiegen, dass das ursprünglich vorgegebene Volumen fern jeglicher Vernunft war.

    Bedenken sollen zum Denken anregen …

    Wäre es nicht schön, wenn die Verantwortlichen des Kantons und der Stadt sowie die beauftragten Planer und Architekten mit der Bevölkerung in einen echten Dialog treten würden? Wenn diese Vertreter zuhören und nicht einfach von der hohen Kanzel herab schöngeistige Monologe führen würden?

    Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der Stadt

    Ihr habt es in der Hand. Ihr müsst nächstens über den euch durch den Kanton aufoktroyierten Richtplan entscheiden. Es ist zu hoffen, dass dabei das Stadtbild, die Kosten und letztlich die Vernunft im Auge behalten wird und nicht primär die verirrten Parteifreunde der Exekutive oder Ämtlischacher gedeckt werden.

  2. Felix de Fries

    Wie die Informationsveranstaltung im Auditorium Maximum der ETH gezeigt hat, soll das Projekt einer Spital-Europa-Allee am Berg, trotz der Rekurse nach Meinung von Markus Kägi, Martin Waser, André Odermatt und Michael Hengartner unbedingt in der angesagten Weise weiter durchgezogen werden, obwohl weiterhin vieles wie z.B. die Finanzierung oder der Bedarf völlig unklar ist. Von der staatsrechtlichen Frage, ob eine willkürlich zusammengestellte Planungszone, die sich nicht in einen bestehenden kommunalen Zonenplan einfügt, überhaupt rechtlich gültig ist, wollen sie nichts wissen. Im Gegensatz zur ETH, die den bestehenden Campus auf dem Hönggerberg durch zwei Türme und einen Boulevard erweitern will, https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/vier-neue-hochhaeuser-auf-dem-hoenggerberg/story/31329660 welche beide das Stadtbild nicht verändern und niemandem vor der Nase stehen, will die Uni auf der Wässerwies, neben der Kernzone des Unispitals, mehrere Hochhäuser bauen, deren Funktionen entsprechend den wechselnden Ansagen (von einem Medizin-Zentrum über Institute für internationales Recht bis hin zu einer zentralen Unibibliothek) variieren.
    Ohne ein klares Konzept sollen andere Uni-Institute zum Teil auf einem erneut erweiterten Campus Irchel, zum Teil in Oerlikon und zum Teil auf dem Wagi Areal in Schlieren platziert und mit Shuttle-Bussen verbunden werden. Der Bau des Ambulatoriums des Unispitals an Anfang der Plattenstrasse, der durch die Platzierung der Zahnmedizin auf das frei werdende Kinderspital-Areal möglich würde, führt also nicht zu einem kohärenten Spital-Projekt und einer Re-Dimensionierung der Hochhäuser am Zürichberg. Die versprochene Quartierentwicklung, die mit Wohnbauten neben diesen Projekten möglich werden sollte, entpuppt sich damit als reines Verkaufs-Argument. Weiterhin wird die Lösung für alle Raumbedürfnisse in einer starken Verdichtung auf engem Raum dank Hochhäusern nach dem Vorbild der Europa Allee gesehen, die zu einem Modell für Verdichtung in der ganzen Stadt zu werden scheint, das in variierter Form an verschiedenen Orten reproduziert werden soll. (Die Platzierung von Wohnbauten oder Institutsgebäuden auf dem Zürichberg an der Dreiwiesenstrasse bei der Endstation Zoo, die eine Entlastung im Platten-Quartier bringen könnte, wird nicht in Betracht gezogen.)
    Dass die bestehende Europa Allee nach Fertigstellung aller Hochbauten zu einem Schattenloch wird, in dem Käufer und Angestellte entlang von Techno-Hochhäusern durch enge Gassen kanalisiert werden, macht deutlich mit welchem Menschenbild hier geplant wurde. Man wird an Fritz Langs Metropolis erinnert und an technokratischen Projekte wie La Défense in Paris. Die konzeptlose Platzierung von Uni-Instituten an den verschiedensten Standorten und die Verschiebung der Polikliniken des Unispitals und des Kinderspitals in den Circle beim Flughafen soll Tausende auf lange Wege schicken. Von einer Nähe verschiedener Bereiche, die persönlicher Austausch und neue Synergien ermöglicht, kann dabei keine Rede mehr sein. Das Erhalten von Häfeli-Moser-Steiger-Spitalbauten würde in einem solchen Umfeld leicht zu einer musealen Konservierung führen, wie wir sie von anderen verpassten Planungs-Chancen (z.B. der Fachwerk-Häuser beim Kreuzplatz) kennen.

  3. H.O. Matthias

    Wer mit Hoffnung lebt , lebt absurd( A. Camus ) die Hoffnung auf Vernunft liegt nun beim Gemeinderat..Es wäre schön ich müsste nicht mit Hoffnung leben aber ich traue dem Gemeinderat nicht, somit habe ich die Hoffnung bereits verloren…

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