Historischer Berner Städtebau

Berthold V. von Zähringen war Stadtgründer von Bern. Die Zähringer hatten für kurze Zeit Oberhand in Zürich und Berthold V begründete um 1300 in Zürich das erste Spital. Darum hat die Baudirektion des Kantons Zürich dessen Name für die grosse Planung mit Spital im Hochschulgebiet ausgelehnt. Ob Regierungsrat Kägi dabei auch an seine grosse Leistung als Städtebauer gedacht hat? Berthold hat auf jeden Fall mit seinem Projekt der Stadt Bern inzwischen den Status des Weltkulturerbes erreicht.

Zürcher Städtebau der Gegenwart

Ob Berthold V am gegenwärtigen Stand des Zürcher Generationenprojekts, das seinen Namen beansprucht, Freude hätte, muss bezweifelt werden.

Da ist einmal der infolge früher Fehlentscheide den Hang hinaufgeschobene Volumen-Tsunami der mit Hochhäusern im Hang das Stadtbild verdirbt. Dazu kommt die fragwürdige Vorgehensweise, in der bei bereits laufenden Rekursen ein internationaler Architekturwettbewerb auf dem einen Areal (Uni / Wässerwies) und ein mehrstufiger Studienauftrag (Universitätsspital) auf dem anderen Areal gestartet wurde. Der Rekurs hat inzwischen Erfolg gehabt: Die grundlegenden Gestaltungspläne sind ausser Kraft gesetzt.

Unverhofft gab die Baudirektion bekannt, dass das Zahnärztliche Institut auf das frei werdende Areal des Kinderspitals in Hottingen verlegt werde. Anschliessend war in der Quartierzeitschrift „Fluntermer“ vom Juni 2018 zu lesen, dass das Ambulatorium des Universitätsspitals auf diesem frei werdenden Areal des Zahnärztlichen Instituts, das ausserhalb des Spitalperimeters liegt, platziert werden soll. Das bedeutet „neues Baufeld für das Spital“.

Fragen über Fragen

  1. Ist es klug, bei bereits laufenden Rekursen zwei aufwendige Wettbewerbe auf ungesicherter Grundlage zu starten?
  2. Ist es klug, während dem laufenden mehrstufigen Studienauftrag des Spitals, gewichtige Teile des Raumprogramms (Ambulatorium) auf ein neu erworbenes externes Gründstück zu verlagern?
  3. Ist es klug, all diese Unsicherheiten in der Zeit auflaufen zu lassen, in der das Baurekursgericht die Stadt Zürich beauftragt hat, vor den (inzwischen ausser Kraft gesetzten Gestaltungsplänen) zuerst eine BZO Hochschulquartier zu erschaffen? Eine gemeinderätlichen Kommission hat die Beratung für diese BZO erst vor kurzem aufgenommen.

Reif für die Reparatur

Wie bereits in früheren Blogbeiträgen von uniklotz beschrieben, gründet die unglückliche Vorlage auf zu vielen Sachzwängen und frühen Fehlentscheiden. Die Kompression der Bauvolumen gegen den Hang bringt für Spitalnutzung ungeeignete und kostspielige Hochhäuser hervor, die mit dem Stadtbild von Zürich nicht verträglich sind. Dazu kommen die oben genannten organisatorischen Fragen. Hat die Baudirektion noch den Überblick?

Die Kommission und schliesslich der Gemeinderat der Stadt Zürich erhält die einmalige Chance, das angeschlagene Generationenprojekt für Hochschulen und Spital in bessere Bahnen zu lenken. Der Zeitpunkt ist günstig, denn es ist noch kein einziger Bau-Franken investiert.

Seit 2015 fordert die AGBB-ZH ein besseres Projekt für die Hochschulen und das Spital:

  • Bessere Verteilung der Volumen im exponierten Hang des historisch gewachsenen Hochschulquartiers.
  • Respektierung des Stadtbildes durch Vermeidung von exzessiven Bauhöhen im Hang.
  • Aufsplittung des langen horizontalen Gebäuderiegels zu Gunsten einer klimatischen Durchlässigkeit der Hanglage zwischen Stadt und Zürichberghang.
  • Horizontal organisierte, niedrige Bauten, die es erlauben, Behandlung und Patient nebeneinander anzuordnen.
  • Prüfung einer Variante mit Abriss von HMS-Trakten, denn ohne die so geschaffene Zusatzfläche ist kein kostengünstiges, modernes Spitzenspital mit horizontaler Organisation möglich.