Aus: WERK / Bauen+Wohnen, Juli 2018

Aus: WERK / Bauen+Wohnen, Juli 2018

Dass die Hochschulplanung Zürich Zentrum kein Glanzstück ist, und der Bezeichnung „Generationenprojekt“ nicht genügt, hat sich schon früh im Jahr 2014 gezeigt und bestätigt sich je länger je mehr. Die heissen Sommer und die überall aufkommende Diskussion über das Stadtklima haben ein weiteres Defizit des Konzepts ans Licht gebracht: Die Baumasse am Hang ist schlicht zu gross, ist falsch ausgerichtet und bedeutet für das Stadtklima von Zürich eine Hypothek.

Falsche Ausrichtung der Baumasse

Die Baumasse liegt – wegen ihrem zu hoch liegenden Rückgrat der neu in den Hang zu brechenden Sternwartstrasse – horizontal im Hang. Bekanntlich ist der Zürichberg, solange es ihn gibt, in der Falllinie strukturiert: bezüglich Sicht, Zirkulation und Luftaustausch. Das Projekt liegt somit in jeder Hinsicht quer. Im „Stadtraumwettbewerb“ 2017, der den Bauvolumen des Richtplans der Baudirektion nachgeordnet wurde, statt umgekehrt, konnten nur noch die Zwischenräume der übermässigen Kuben gestaltet werden. Die verzweifelten Versuche, die Bewegungsräume doch noch in der Falllinie zu strukturieren, sind löblich, zeigen jedoch umso mehr, wie falsch die ganze Baumasse angeordnet ist. Der beste Hang von Zürich würde seine charakteristische Strukturierung verlieren.

Untragbare bauliche Dichte

Im Zusammenhang mit den Unterlagen, die die gemeinderätliche Kommission für die Beratung der neuen Bauordnung für das Hochschulgebiet erhalten hat, findet sich eine Tabelle über die Ausnutzungsziffern der verschiedenen Areale des Projekts. Diese Kennzahl steht für das Verhältnis zwischen der Fläche des Baugrundstücks und der Summe aller oberirdischen Geschossflächen. Es ist ein Mass für die bauliche Dichte, das jeder Planer und Architekt zu deuten weiss.

Nach der Publikation der Kennzahlen für die verschiedenen Areale kann es nicht mehr erstaunen, dass die in jeder Hinsicht überborden Volumen schon immer beanstandet wurden. Auf der Wässerwies, dem Areal der Universität (heutige Sportanlage) beträgt die Zahl 440%, auf drei Teilbereichen des Areals des Universitätsspitals 323, 454 und 358% und nahe der Wohnquartiere auf dem Schmelzbergareal 426%. Diese Werte liegen jenseits von gut und böse.

Die Katze ist jetzt aus dem Sack: Das sind erstickende Dichten, die keinesfalls an einen Hang gehören. Der beste Hang von Zürich würde sein Gesicht für immer verlieren.

Das Zürcher Stadtklima

Hitze beeinträchtigt das tägliche Leben in den sogenannt gemässigten Zonen. Da Zürich nicht zu den Orten mit lebhaften sommerlichen Winden gehört, ist alles zu tun, dass in der gegenwärtigen Phase der Erwärmung das Leben erträglich bleibt. Es sind Massnahmen zu ergreifen, die die Verhältnisse verbessern. Die zu erwartende Verschlechterung, den der horizontale bauliche Riegel im Hang bringen würde, darf nicht hingenommen werden.

Beim Klima und beim zu massiven Eingriff ins Stadtbild liegen die noch nicht gelösten Probleme des Multimilliarden-Generatonenprojekts für die Hochschulen und das Spital.

Forderungen der AGBB

  • Bessere Verteilung der Baumassen:
    Der zu grossen Baudichte ist durch eine massive Flächenreduktion oder durch die Verteilung der Bauvolumen auf ein grösseres Bauareal zu begegnen. Für letzteres bietet sich der diesbezügliche Mehrheitsantrag des Kantonsrats an. Darin wird auf den Abbruch der betrieblich und baulich überholten HMS-Trakte zu Gunsten eines modernen Spitzenspitals hingewiesen. Denn die zu grossen Freihaltungen an der Rämistrasse sind der Grund für die ungünstige Kompression weiter oben im Hang.
  • Der noch geltende Höhenplafonds von 512 m ü. M. (12 m über der Aussichtsterrasse der Kirche Fluntern!) ist auf die seit langem von der AGBB empfohlenen 480 m ü. M. zu reduzieren.

  • Neues Klimamodell der ETH nutzen:
    Die ETH hat zusammen mit der EMPA ein Modell für die Durchlüftung von urbanen Strukturen in Betrieb genommen (NZZ 16. Juni 2018). Die AGBB schlägt vor, verschiedene Volumenmodelle des Projekts in die Prüfung zu geben und Schlüsse daraus zu ziehen: sowohl mit Erhaltung als auch unter Abbruch der HMS-Trakte.

Es empfiehlt sich, im Hochschulgebiet Zürich Zentrum klug zu bauen. Wir erwarten von einem Generationenprojekt eine gesamtheitlich gute Lösung.

    • Keine Hindernisse gegen die Luftströmung im Hang.
    • Keine Baumassen, die zu stark aus dem Stadtrelief herausragen.
    • Den 600m langen horizontalen Gebäuderiegel aufbrechen.
    • Schaffung von Schneisen für den Luftaustausch zwischen Stadt und Hang.
    • Je niedriger die Fassaden, desto grösser die Chance, dass Bäume sie beschatten.