Uniklotz berichtet

Weniger Druck?

wenigerdruck

Hinter den Kulissen hat sich bereits vor, aber auch nach der Genehmigung des Richtplans durch den Kantonsrat im Frühling 2017 einiges bewegt, das zu Hoffnung auf eine Integration der Hochschul- und Spitalbauten in Stadt und Quartiere Anlass geben könnte. Die Baudirektion hat es aber bisher unterlassen, die Reduktionen von Flächen und Volumen verbindlich zu kommunizieren. Dies ist besonders bedenklich, weil sich gegenwärtig die „Spezialkommission Hochbaudepartement, Stadtentwicklung“ des Gemeinderats mit einer volumenrelevanten Bau- und Zonenordnung für das Hochschulquartier befasst.

Zu erwartende Reduktionen beim Universitätsspital:
Ca. 30% Reduktion über 3 Teilgebiete des Spitalareals. Das wird auch die im Blogbeitrag vom 18. August 2017 genannte ungebührliche Ausnützungsziffern von 323, 454 und 358% verringern.

Die Klippe liegt im Teilgebiet des Gestaltungsplans Kernareal Ost an der Gloriastrasse. Unglücklicherweise ist noch spät im Planungsprozess ¼ des Baufeldes für die Erhaltung des (ausgehöhlten) Anatomiegebäudes verschenkt worden. Dies geschah im November 2016 nach dem Ende der Beratungen der kantonsrätlichen Kommission. Die Folge ist, dass die fehlende Fläche die Volumen in die Höhe treibt, das Stadtbild schädigt und ein modernes und horizontal organisiertes Spitzenspital illusorisch macht. Von der Baudirektion ist zu verlangen, diesen selbst auferlegten Zwang nicht auf Kosten der Stadt und der Funktion des Spitals zu lösen.

Zu erwartende Reduktionen im Areal Wässerwies der Universität:
Die Universität hat ein renommiertes Planungsbüro, das über grosse Erfahrung mit Gestaltungsplänen verfügt, mit einer städtebaulichen Machbarkeitsstudie beauftragt: Die Hauptnutzungsfläche musste, weil die bauliche Dichte (Ausnützungsziffer) viel zu hoch war, um fast 30% zurückgenommen werden. Nimmt man die Höhenlimite von 480 m ü. M., die im (gegenwärtig durch das Baurekursgericht ausser Kraft gesetzten) Gestaltungsplan festgehalten ist, wäre das Areal Wässerwies der Universität Zürich in trockenen Tüchern!

spiegel

Oberkante der Schraffur: 500 m ü. M. Oberkante „Sptialwand“ rechts der Mitte: 512 m ü. M. – der jetzt gültige Höhenplafonds des Kantonsratsbeschlusses von 2017. Angezeigt durch eine hauchdünne horizontale Linie.
Diese Bauhöhen – eine Sicht- und Klimaklippe in der Stadt Zürich – wären nicht mehr nötig.

Nur der Gemeinderat kann es richten und einen dem Stadtbild und der reduzierten Nutzung entsprechenden Zonenplan für das Hochschulgebiet fordern oder sogar vorschlagen.

Ziel muss sein, die Volumen sorgfältig mit nach oben abnehmenden Gebäudehöhen in den Hang hinein zu stufen. Wenn dies gelingt, entfällt auch die oben beanstandete Klippe für Sicht und Klima.

Eine städtebauliche Überlegung: Gerade ein Spital gehört nicht zu den Ikonen, die sich auf Distanz im Stadtbild manifestieren sollte. Spitäler zeigen ihre Qualitäten im Nahbereich. Wie schon früher gesagt, funktionieren Spitäler, die in die Höhe gehen, schlecht. Moderne Spitzenspitäler sind mit dem Konzept, dass Behandlung und Patienten nebeneinander liegen, horizontal organisiert.

Alles in allem sind das zwei gute Gründe das USZ in den Hangfuss hinein zu komponieren.

Bilanz für die drei Gestaltungspläne:

1. USZ Kernareal Ost:
Erst wenn die Baudirektion in der Lage ist, die infolge des Baulandverlustes durch die Anatomie hervorgerufenen Probleme zu lösen, kann mit vernünftigen Bauhöhen innerhalb von 480 m ü. M. gerechnet werden.

2. Wässerwies:
Mit dem Höhenplafonds des Gestaltungsplans von 480 m ü. M. ist dem Stadtbild von Zürich Rechnung getragen. Problematisch ist nur noch die Verteilung der drei Höhenlimiten von 480, 476 und 467 m ü. M. Hier sollte die Höhenreduktion dem südlichen Grenzgebiet mit Wohnnutzung an der Zürichbergstrasse zu Gute kommen: Die Diskrepanz von Oe7 zur Kernzone ist zu gross.

3. Schmelzbergareal:
Die Verhältnisse beim Gestaltungsplan Schmelzberg in Hochlage bei den Wohnquartieren liegen im argen, sowohl die Ausnützungsziffer von über 400% als auch die vom Amt für Städtebau der Stadt Zürich vorgeschlagene Zone Oe7. Damit kommt es an der Zonengrenze zu den Wohnquartieren zu einer Gegenüberlage von Oe7 und W3!! Zudem hervorstechend und gut sichtbar von überall her.

1 Kommentar

  1. Felix de Fries

    Die in Blog-Beiträgen angekündigten Verminderung von Gebäudevolumen und Gebäudehöhen über 3 Teilgebiete des USZ und die angekündigte Verminderung der Verdichtung auf der Wässwerwies sollten uns nicht verwirren. Weiterhin sind die Funktionen von vielen geplanten Gebäude des neuen USZ und ihre Lage im Einzelnen nicht klar, und damit auch nicht die effektiven Raumbedürfnisse. Vom geplanten Ambulatorium an der Plattenstrasse an der Stelle des heutigen Zahnärztlichen Institutes, das ja neu ins Areal des alten Kinderspitals kommen soll, wissen wir bisher nichts Genaueres. Deshalb kann auch nicht quantifiziert werden, wieviel Raum durch das Stehenlassen des alten Anatomie-Gebäudes an den Hang hochgeschoben wird*. Monumentale Hochbauten an der Sternwart-Strasse dürften weiterhin durch die Köpfe geistern. Auch bei der Wässerwies ist weiterhin nicht klar, welche Abteilungen der Universität dort platziert werden sollen. Eine zentrale Bibliothek für alle Studierenden, welche die die Bibliotheken der einzelnen Institute in Oerlikon, auf dem Irchel und im Wagi-Areal und anderswo ablösen soll, wird von den Studierenden abgelehnt, die von ihr Texte nur noch in Form von bestellen, kostenpflichten Ausdrucken erhalten könnten. Vom angesagten Medizin-Zentrum, das eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschung, Lehre und Anwendung ermöglichen sollte, wissen wir weiterhin nichts Näheres. Das Schanzenberg-Areal , an dem die Universität in Zukunft die geisteswissenschaftlichen Institute konzentrieren will, soll erst nach den Erfahrungen mit anderen Neubauten in den 30er Jahren geplant werden.
    Der Gemeinderat sollte trotzdem jetzt einen Zonenplan für das Hochschulquartier fordern, der den Bedürfnissen der Studierenden und der BewohnerInnen dieses Quartiers Rechnung trägt. Dabei wäre zu beachten, dass die Studierenden der hier stattfindenden Vorlesungen und die Mitarbeiter der hier angesiedelten Institute einen guten Zugang zum Quartier haben, in dem sie auch Begegnungs-, Verpflegungs- und Freizeitmöglichkeiten vorfinden, sowie genügend bezahlbare Wohnungen und Zimmer ohne dass nicht-akademische Quartierbewohner verdrängt werden, bei denen viele von Ihnen zur Untermiete wohnen. Zu diesem Zweck sollten in der Nähe (namentlich zwischen den Standorten Uni-Zentrum und Uni-Irchel, unterhalb der Seihlbahn Rigiblick, an der Hochstrasse oder bei der Endstation Zoo neue Bauten, in denen gewohnt und gearbeitet werden kann, geschaffen werden, was dank einzelnen Aufzohnungen möglich werden könnte. Auch beim Irchel, in Oerlikon und beim Wagi-Areal in Schlieren braucht es genügend Wohnraum für MitarbeiterInnen und Studierende der Uni. Auch auf dem frei werdenden Areal des Kinderspitals hätte es neben einem neuen zahnärztlichen Zentrum noch Raum für Wohnungen, die allerdings Pflegerinnen und Pflegern des neuen Unispitals Raum bieten sollten, die zu ihrer anspruchsvollen Arbeit nicht auch noch lange Arbeitswege zu Lasten ihrer Freizeit haben sollten.

    *Für StadtbewohnerInnen ist es weiterhin wichtig, dass es Gebäude gibt, die ihre Geschichte in der Stadt widerspiegeln. Nach dem Grossbrand beim Bahnhof, bei dem ganze Gebäude abgebrannt sind, ist es wichtig, dass jetzt ihre Fassaden erhalten bleiben, die ja von der Stadt beim geplanten Abriss des Globus Provisoriums zurecht als Teile der städtische Silouette bezeichnet wurden.
    Beim Stauffacher, am Kreuzplatz und auch im Seefeld wurden auf Kosten von historischen Stadtteil-Silouetten Neubaten platziert, die nicht viel Geschichte repräsentieren und BewohnerInnen keine Identifikation erlauben.

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