Uniklotz berichtet

Appendix

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Der Blinddarm in der Medizin – eine Sackgasse, die immer wieder für Unannehmlichkeiten sorgt

Auch in der Spitalplanung kommen Appendixe mit Fragezeichen daher.

Auch in der Spitalplanung kommen Appendixe mit Fragezeichen daher.

 

Das abgebildete Strassengeviert definiert das Areal des Universitätsspitals. Sehr einschneidend – bis mitten ins Herz des Areals – erstreckt sich eine viel zu grosse Fläche mit ihrer dreiseitigen Umrandung durch nach heutiger Sicht zu schlanke endlos lange Spitaltrakte. Die nach aussen gerichteten Denkmalpflege-Abstände von 15m kommen noch dazu. Die dünnen ausgreifenden Baukörper versperren viel und enthalten zu wenig und das Wenige an Nutzfläche noch mit nach heutiger Sicht zu geringen Geschosshöhen und Gebäudetiefen. Sie werden einem modernen Spitzenspital – wie es die Politik fordert – bald im Wege stehen.

Grosser Flächenverschleiss und wenig Nutzen ist der Pferdefuss der HMS-Trakte in der bisherigen Planung.

Die drei Trakte gehören zum beachtlichen Werk der damals bekannten Architekten Häfeli Moser Steiger (HMS).

Der fragile dreiteilige HMS-Bügel (grau) schiebt die für unser Jahrhundert geplante Baumasse weg von der Rämistrasse (gelb) gegen den Zürichberg hinauf und drückt sie dort zusammen (rot).

Der fragile dreiteilige HMS-Bügel (grau) schiebt die für unser Jahrhundert geplante Baumasse weg von der Rämistrasse (gelb) gegen den Zürichberg hinauf und drückt sie dort zusammen (rot).

Im letzten Blogbeitrag vom 15. November 2018 ist als Folge dieser fragwürdigen Festlegung die künstlich zu schaffende Achse mit den Problemen, die sie generiert, beschrieben worden. Heute wenden wir uns einem anderen Problem zu. Es ist der Appendix hinter dem mittleren der HMS-Trakte.

kernareal

Mit Kernareal West bezeichnet, zwängt sich dieser dünne Arm des neuen Spitals zwischen die Schmelzbergstrasse und den mittleren Trakt (USZ West). Ein „Denkmalpflege-Abstand“ von 15 Metern verringert die Bautiefe noch zusätzlich. Wer weiss, dass dieser mittlere HMS-Trakt mit etwa 37m Höhe der höchste ist und bezüglich Proportionen der am wenigsten gelungene, sieht einerseits, dass der Appendix hinter eine hohe Wand gepackt werden muss, und anderseits, dass die Beseitigung dieses Trakts ein gut proportioniertes Bauareal hergeben würde. Dieser Akt würde das Neubaugebiet aus dem engen Korsett befreien und erlaubt ein optimales Konzept von Spitalbauten mit den heute geforderten grossen Bautiefen. Diese ermöglichen es bekanntlich, Behandlung und Patienten auf der selben oder auf nahe gelegenen Ebenen anzuordnen.

Nimmt man sich die im Spitalareal beginnende Hanglage vor, so ergeben sich aus der Erweiterung des Baufeldes zwei Vorteile. Erstens lassen sich im flachen Teil die teuren Hangsicherungen vermeiden und zweitens können die flachen Bauten nach oben hin gelockert in den Hang hineingestuft werden.

Wie in der Medizin sind Appendixe ungünstig, weil sie abgelegene Zonen schaffen. Wenn der Appendix dann noch hinter den höchsten der HMS-Trakte gezwängt wird, entsteht eine Schlucht statt eines Ausblicks. Die Schlucht erstreckt sich auf der Süd- und die Aussicht auf der Nordseite.

Es braucht jetzt den Befreiungsschlag für das 21. Jahrhundert!

Die Geschichte des Problems:

2011, als die Festlegung mit dem allzu raumgreifenden HMS-Bügel im Sptialareal getroffen wurde, war der enorme Raumbedarf des Sptialprojekts noch nicht bekannt. Er hat sich erst bei der Raumermittlung ergeben und führte zusammen mit den Raumansprüchen von Universität und ETH zu den bekannten Missbildungen durch Auftürmung im Stadtbild. Auch das „Percement“ – der Durchstich – für eine neue Sternwartstrasse ist ein Kind dieser Geschichte.

Wie weiter?

Die erste der drei Spitaletappen, diejenige an der Gloriastrass auf dem Kernareal Ost, ist vom HMS-Bügel nicht tangiert und soll als erste realisiert werden. Die weiteren Etappen folgen mit zeitlichem Abstand. Diese „Pause“ erlaubt es, den Geburtsfehler mit dem allzu einschneidenden HMS-Bügel zu korrigeren.

Geringere Bauhöhen durch Erweiterung des Baufeldes geht parallel zu den Bedürfnissen eines modernen und horizontal organisierten Spitzenspitals.

Dabei wird es nicht einfach sein, die erste Etappe bezüglich der Bauhöhen im Zaun zu halten, hat doch deren Baufeld die im Planungsprozess sehr spät beschlossene Erhaltung der alten Anatomie (ein ausgehöhltes Gebäude) zu verkraften.

Die Nutzung der Fläche der alten HMS-Bauten erlaubt es, eine kostspielige neue Sternwartstrasse mit dem teuren Durchstich durch bestehende Bausubstanz fallen zu lassen.

Die viel zitierte Interessenabwägung (modernes Spitzenspital und geringere Bauhöhen gegen Erhalt der HMS-Bauten) – wie sie 2017 schon der Kantonsrat vorgeschlagen hat – kann nach der 1. Bauetappe Ost nach wie vor stattfinden. Das Zeitfenster bis zur Realiastion der weiteren Etappen ist gross genug und der Nutzen beträchtlich.

1 Kommentar

  1. Felix de Fries

    PS: Verlegung des Lighthouse an die Egli-Hohlstrasse

    Eine wichtige Institution des Gesundheitswesens, das Lighthouse für palliative Medizin, soll von der ruhigen Carmenstrasse, wo Spaziergänge ins Doldertal möglich sind, an die stark befahrene Hohlstrasse verlegt werden, wo man wegen Lärm und Gestank in seinen letzten Tagen wohl kaum auf die Strasse treten wird. Ist die Ecke Hohl- Eglistrasse wirklich ein geeigneter Standort für ein neues, erweitertes Lighthouse? Was gegenüber sein wird, ist noch nicht klar. Wird es eine neue Umladestation für Güter von der Schiene auf die Strasse sein, Gebäude einer neuen Gewerbezone oder Wohnbauten? Wir wissen es nicht. Gibt es in der Stadt Zürich wirklich keinen besseren Standort für ein neues Lighthouse am Zürichberg, am Sonnenberg, an der Limmat oder dem Friesenberg? Die Verlegung des Lighthouse an diesen Standort soll jetzt den Abbruch der Siedlung mit 200 Wohnungen, die als Prototypen eines modernen städtischen Wohnbaus für Arbeiter und Angestellte 1930 nach Plänen von Giacomo Barbatti erstellt wurden, legitimieren. Eine Renovation wird wegen „Zerrütung durch Schwerverkehr auf der Hohlstrasse, schlechter Bausubstanz und mangelnder Erdbebensicherheit“ ausgeschlossen, obwohl die über 100 praktisch identischen Wohnungen, die zwei Jahre später an der Eichbühlstrasse erstellt wurden, erfolgreich umgebaut wurden, so dass sie heute punkto Komfort, Schalldämmung und Wärmedämmung dem heutigen Standard entsprechen. Im geplanten Neubau sollen 50 Wohnungen weniger entstehen, wobei aber durch weniger Wohnungen für Alleinstehende und mehr Wohnungen für Familien mit Kindern und zwei Wohngemeinschaften die Wohnfläche um 20% zunehmen und Platz für das neue Lighthouse entstehen soll. Die Preise dürften sich im Neubau verdoppeln.
    http://www.lokalinfo.ch/artikel/artikel-detail/datum/2018/12/05/zuercher-lighthouse-plant-seine-zukunft-flexibel-1/

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