Uniklotz berichtet

Der Griff in die Trickkiste

Gastbeitrag von Walter Altherr

Gastbeitrag von Walter Altherr

Es kommt nun doch so, wie es von den Verantwortlichen gar nicht anders zu erwarten war: Allerorts finden wir in der Presse seit Jahresbeginn lobende Artikel über die Wunderwerke der prämierten Stararchitekten. Mit immer denselben, repetitiven Worthülsen versuchen die Politiker und die Vertreter der Universität sowie des Spitals weiterhin ihre vorgeschlagenen, genialen Schritte in die Zukunft bis hin zum hohen Olymp hochzujubeln. Die beiden prämierten Bauten werden dazu als Blendgranaten eingesetzt, um die offensichtlichen Schwächen der kantonalen Gesamtplanung zu übertünchen.

Mit viel Trara werden daher Halbgötter, sprich Stararchitekten, herbeigezaubert, denn wer kann schon gegen diese Künstler des Visionären sein. Mit kolorierten, räumlichen CAD-Darstellungen werden uns phantastische Erlebniswelten hingeworfen, denen wir einfach erliegen müssen: Ein sonnendurchstrahlter, gläserner Lichthof oder ein Spitalempfang bei dem es jedes Grand-Hotel schwer haben würde, dagegen zu konkurrieren. Insgesamt sind dies wahre Augenweiden. Dank geschickter Nutzung der perspektivischen Verkürzung werden der Presse erst noch Modellbilder zur Verfügung gestellt, welche im Hintergrund die überdimensionierten Spitalgebäude als beinahe niedlich erscheinen lassen. Zur Verharmlosung wird wie schon 2014 die Schrägansicht aus der Luft eingesetzt, damit die Bauten das Quartier nicht verdecken.

Eine zentrale Frage steht allerdings im Raum: Wird mit diesen eigentlich doch leicht durchschaubaren Ablenkungsmanövern, nämlich mittels dieser architektonischen Blendungen, letztlich das Kalkül der Kantonsregierung aufgehen?

Es lohnt sich zur Beantwortung dieser Frage die Ausgangslage daher nüchtern zu analysieren: Wir finden bei den Aussagen des Kantons nämlich etliche Behauptungen, die beschönigen oder mit Absicht gezielt in die Irre führen.

Da wird mit lobenden Worten die Einsicht hervorgehoben, dass ”Wege gefunden wurden, das Bauvolumen und auch noch die Bauhöhe zu reduzieren”. Damit soll suggeriert werden, dass bei den kantonalen Planern eben die Vernunft vorherrsche. Das tönt ja überzeugend! Doch wie steht es beim Raumbedarf? Waren die von den Professoren der Universität und der Klinik eingeholten Raumbedürfnisse nicht einfach so überrissen, dass sich mit einer in die Überlegungen miteinbezogenen und voraussehbaren Kürzungen nicht immer noch sehr fürstlich leben lässt? Und hat der Universitätsspital im Geheimen nicht bereits die Hand auf das Areal der Zahnklinik gelegt, um dort das vermeintlich ”eingesparte” Raumvolumen dann eben doch noch zu realisieren?

Ähnliches lässt sich auch bei der Bauhöhe, einem zentralen Punkt der Rekurrierenden, aufzeigen. War es nicht vielmehr der Kantonsrat, der die Oberkant-Bauhöhe von 521 m auf 512 m limitierte? Wenn der Regierungsrat Kägi sich heute selbstlobend zur reduzierten Bauhöhe äussert, dann vergisst er, dass ihm damals ob dem Parlamentsentscheid die Zähne laut knirschten, und er verdeckt zudem, dass diese Bauhöhe auch so noch – wie die vorhandenen Rekurse monieren – viel zu hoch ist. Es besteht nämlich die Gefahr, dass die kantonalen Planer ein Präjudiz schaffen möchten, um die späteren Bauparzellen, wie die Areale Gloria-Mousson und
Schmelzberg, ebenfalls auf diese Höhe von 512 m hochziehen zu können.

Nun mag der Architekturvorschlag von Herzog & de Meuron die meisten überzeugen. Lobenswert ist sicherlich, dass der massive Bau sich hinter den das Stadtbild prägenden Hauptgebäude der ETH und Universität durch die Rückversetzung etwas versteckt. So lässt es sich gut beurteilen, dass dieses Gebäude seine Aufgabe erfüllen wird. Zu loben ist das Geschenk des grosszügigen Vorplatzes an die Rämistrasse.

Anders sieht es hingegen bei den Plänen für die Universitätsklinik aus. Ein Spital muss primär einmal funktional den medizinischen Anforderungen und den betrieblichen Abläufen genügen. Die medizinischen Behandlungen haben sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert und dies wird sich noch beschleunigen. Die Aussenarchitektur ist daher nur eine schöne Zugabe – mehr aber nicht. Damit kommen wir zu den sogenannt schützenswerten HMS-Gebäuden, die wegen den erforderlichen Bauabständen der Hauptgrund sind, dass die Neubauten hoch an den Hang hinauf gedrängt werden und als Folge davon erst noch nach einem eigentlich unnötigen Boulevard rufen, der wiederum den Abbruch von mehreren, durchaus funktionstauglichen Gebäuden verlangt. Es erstaunt immer wieder, wie wenig dies in den Medien diskutiert wird.

Es ist für alle unbestritten, dass die HMS-Bauten den heutigen Anforderungen kaum mehr genügen und sie in Zukunft wohl nicht mehr als Spital der Zukunft genutzt werden können. Hier droht eine museale, potemkinsche Fassade. Der Kanton verzichtet diesbezüglich auf eine Transparenz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Er legt auch nicht offen, wie er in Zukunft diese Räume nutzen wird und hält sich lieber an den vereinbarten Waffenstillstand mit dem Heimatschutz. Hier müsste aber auch der Heimatschutz über die Bücher gehen und auf die Sentimentalität verzichten. Unsere Altvorderen hatten vor 80 Jahren auch keine Hemmungen, den in die Jahre gekommene Spitalbau durch einen Neubau zu ersetzen.

Es ist daher nicht nachvollziehbar, weshalb der Kanton nicht für einen Abbruch dieses Gebäudes kämpfte. Weshalb ist ein Gebäude, das seinem Zweck als Spital nicht mehr nachkommen kann, weiterhin schützenswert? In Fachkreisen besteht zudem die klare Meinung, dass sich Hochhäuser für Spitalgebäude weniger eignen, denn die dabei zu lösenden Logistikprobleme sind sehr komplex und zu aufwendig.

Würde also auf die hinter dem Spitalpark stehenden HMS-Gebäude verzichtet, ergeben sich mehrere Vorteile: Die Gebäude können gegen die Stadt auf eine ähnliche Höhe wie das neue Universitätsgebäude verlegt werden, und zudem stehen für die Neubauten mehr Grundfläche zur Verfügung. Dadurch kann auch die Anzahl Stockwerke reduziert werden. So würden die funktionalen Abläufe wesentlich verbessert und zusätzlich könnte erst noch die Durchlässigkeit für die Fallwinde, welche im Sommer die Durchlüftung des Stadtzentrums unverzichtbar sind, erhöht werden. Denn diese Durchlässigkeit ist mit den Verbindungen über drei Stockwerke zwischen den einzelnen Gebäuden kaum gewährleistet. Denn diese stellen sich doch wie Segel gegen die Fallwinde.

Wer also etwas gegen das Diktat des Kantons hat, gilt sofort als Hinterwäldler, der sich gegen die Zukunft verschliesst. Wer sich also für eine gute Durchlüftung der Stadt unten an der Limmat einsetzt, gilt ab sofort als Turbo-Grüner, der sich besser mit Stricken von ungewaschener Schafwolle befassen sollte, als die Altstadt von einer Überhitzung zu verschonen. Wer sich sogar für ein qualitätvolles Stadtbild und somit für eine Bauhöhe von 480 Metern einsetzt, ist ein notorischer Bedenkenträger.

Es ist zu hoffen, dass Vernunft einkehrt und nach einer besseren Lösung gesucht wird. Das Stadtparlament hat es in der Hand und könnte hier die Richtung vorgeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass es hier um Milliardeninvestitionen geht.

Noch als Letztes: Regierungsrat Kägi äussert sich immer vollmundig, dass die Bedürfnisse für den Universitätsspital ganz genau abgeklärt wurden. Wer so etwas behauptet ist ein Pharisäer, der nicht wahrhaben will, dass die medizinische Versorgung einem immer schnelleren Wandel unterworfen ist. Das Triemli-Spital ist ein für sich sprechendes Beispiel: 2007 bewilligte das Stimmvolk 290 Mio Franken für den Bau und vor einem Jahr konnten wir in der NZZ folgende Schlagzeile lesen: ”Wie aus dem Vorzeige-Bettenhaus am Triemlispital ein Millionengrab geworden ist”. Aber Regierungsrat Kägi kann die Zukunft für sein Generationenprojekt besser voraussehen …..

1 Kommentar

  1. Kommt Zeit Kommt Rat

    Betrachtet man unvoreingenommen, das Foto aus der Vogelperspektive mit den beiden Wettbewerbsgewinnern, fällt auf, dass das Projekt des UZH Kernareal besser in der Situation „sitzt“ als dasjenige des Forum UZH Zürich Zentrum. Obwohl die räumlichen und funktionalen Voraussetzungen für das Projekt Spitalbau einengender sind als diejenige für das Forum. Somit ist der eigentliche «Winner» das Projekt UZH Kernareal.

    Trotz der tollen Idee des attraktiven Vorplatzes des Forums, ist Volumen des Hochbaus ein Fremdkörper in der Situation, welcher zusätzlich den «Obelisk» Schwesterhaus zerdrückt. Dieses Projekt hat aber das Potential, ohne notwendigen Fremdentscheide, optimiert zu werden. – Somit müssen wir uns damit nicht weitere Sorgen machen.

    Das Projekt UZH Kernareal ist unter den gegebenen Programvoraussetzungen seht gut durchdacht, in Zukunft können die weiteren Etappen, auch von anderen Architekten, einfach realisiert werden, ohne dass das Konzept verloren geht.
    Betrachtet man das Projekt aber, aus der Augenhöheperspektive sind die Volumina in Bezug zur Hangsituation immer noch zu hoch. Die vorgesehenen «Innenhöfe « werden gezwungenermassen zu Lichtschächten degradiert. Auch der Aussenraum zwischen dem HMS Bau und den neuen Kuben, so schön dieser im Situationsplan aussieht, wird zum Hinterhof. Damit dieses Projekt optimiert werden kann, braucht es, im Gegensatz zu Forum UZH, leider notwendige Fremdentscheide.

    Zurück zum Titel «kommt Zeit kommt Rat»
    Damit die erste Etappe, die logistisch und funktionell wichtigste (Königsetappe) nicht bereits auch die weiteren Etappen «verbaut», ist es absolut notwendig, dass diese jetzt schon mehr Platz, zum Park hin, bekommt, in dem die Alte Anatomie verschoben oder gar geopfert wird.
    Tatsache ist, dass sich Zeitgeiste verändern. – A priori kann somit gelassen gesagt werden, dass sich der Momentane in Bezug auf den HMS Bau, bis die Königsetappe fertiggebaut ist, sich längstens gerändert hat.
    Somit mein Appell an Alle: Verschiebt oder opfert die Alte Anatomie, für einen guten Start des Generationenprojektes UZH Kernareal.

    Heinrich O. Matthias

Antworten

Theme by Anders Norén