Im vergangenen Januar sind zwei Architekturkonkurrenzen ausgelobt worden: Das Forum der Universität und die 1. Etappe der Bauten für das Universitätsspital. Währenddem das Forum den von der AGBB bereits 2014 vorgeschlagenen Höhenplafonds einhält, ist es bei den Spitalbauten zu den befürchteten Hochhäusern im Hang gekommen. Von diesen handelt der Blogbeitrag, den Sie jetzt geöffnet haben.

Der Häldeliweg bildet den Hangfuss des Zürichbergs am besten ab. In jeder Beziehung: Er liegt auf der Falllinie des Hangs und demonstriert, zwischen Hochstrasse oben und unterer Gloriastrasse unten, seine Abschüssigkeit eins zu eins. Dem Fussgänger bieten sich Ausblick auf die Stadt und Weitblick auf den Gegenhang am Uetliberg. Das ist das Erlebnis einer Stadt wie Zürich, die das Glück hat, die dritte Dimension der Höhe zu kennen. Die Stadt – umgekehrt – sieht den Hang, der sie begrenzt. Eine wertvolle kollektive Erfahrung, ein Baustein der Zürcher Identität.

Wie bebaut man einen Hang?

arena

Das römische Theater, hier im Bild Augusta Raurica, gibt den Hinweis: Der Hang bleibt zwar mit seiner Neigung ein Hang, doch wird er gestuft, bebaut und zivilisiert. Das ist, nach den Erstbauten der ETH und der Uni auf der Platte unten, längst im Hangfuss des Zürichbergs geschehen. Eine Mischung von Instituten und Wohnbauten, die nach oben in reine Wohnquartiere übergehen. Mit der Hangbebauung ist es meist gut gegangen, denn es hat sich eine natürliche Stufung ergeben.

Doch folgten die Ausreisser, die zerstörerischen „Warzen im Hang“. Das Frauenspital, aber auch das Gebäude des Zahnärztlichen Instituts und dasjenige der Elektrotechnik oberhalb des Gloriaranks. Von allen Seiten der Stadt aus gesehen, ragen diese Volumen übermässig aus dem Hang. Ende der siebziger Jahre war allen klar, dass wir das nicht mehr wollen. Fortan galt es, das Mass zu finden. Beispiele dafür sind das Backsteingebäude der Universität neben dem Schwesternhochhaus und das sich im Bau befindliche GLC-Gebäude der ETH oberhalb des Gloriaranks. Obwohl weiter oben im Hang positioniert, wird es weniger hoch ausfallen als das Gebäude der Elektrotechnik.

Den Tatsachen in die Augen sehen, bevor sie gebaut sind

Ein Horizontalblick zeigt die Tatsachen am besten: Wie steht das Verhältnis zu den Nachbarn? Wie ist die Stufung im Hang? Gibt es eine Mauerbildung? Wächst die schöne Stadt weiter oder wird es disruptiv und zerstörerisch?

skizze

Im Bild links die zwei hintereinander gestaffelten Spitalbauten der 1. Etappe (in Grau). Zwei weitere solche Grossbauten folgen in einer 2. Etappe links anschliessend. Zu viert sollen sie den Hangfuss besetzen. Sie messen alle um die 60 X 80 Meter in der Grundfläche  bei Gebäudehöhen von 33 bis über 40 Metern. Bei 25 Metern Höhe ergäbe sich nach dem kantonalen Baugesetz bereits ein Hochhaus – also 4 Hochhäuser im Hang.

Zum Vergleich (auf gleicher Höhe im Hang positioniert) rechts das „Careum“ und weiter rechts davon das Hochhaus des Zahnärztlichen Instituts, beide rot. In Gelb, zwei Kurven weiter oben an der Gloriastrasse, drei zusammengebaute Wohn-Grossbauten aus der vorletzten Jahrhundertwende.

Die Baugruppe an der Gloriastrasse - so hoch, weil zu dieser Zeit noch keine Bauordnung für die Stadt Zürich vorgelegen hat.

Die Baugruppe an der Gloriastrasse – so hoch, weil zu dieser Zeit noch keine Bauordnung für die Stadt Zürich vorgelegen hat.

Gebäude des „Careum“

Gebäude des „Careum“

Zahnärztliches Institut

Zahnärztliches Institut

 

„Wehret den Anfängen“:

Es ist zu bedenken, dass die beiden Wettbewerbe mit etwas über 1 Mia Franken geschätzter Bausumme erst 1/5 der geplanten Baumasse des Generationenprojekts HGZZ (Hochschulgebiet Zürich Zentrum) ausmachen. Das ganze Vorhaben soll bekanntlich 4.5 – 6 Mia Franken erreichen.

Später folgen das Areal Schmelzberg (bereits kant. Gestaltungsplan), das Areal Gloria- Moussonstrasse und schliesslich die Areale Nord, die sich bis gegen die Haldenbachstrasse ausdehnen.

Im Spitalareal gilt es bereits zu vermeiden, was für alle Areale des HGZZ zu verhindern ist: das Entstehen einer „Stadtmauer“, die die Wohnquartiere vom Stadtzentrum trennt und sich klimatisch als Barrière gegen den Luftaustausch auswirkt.