Uniklotz berichtet

Tragödie im Gemeinderat

Rechts des Turmes der Universität hintereinander die beiden Spitalbauten der ersten Etappe, links nebeneinander zwei von drei künftigen Grossbauten.

Rechts des Turmes der Universität hintereinander die beiden Spitalbauten der ersten Etappe, links nebeneinander zwei von drei künftigen Grossbauten.

Gemeinderat Markus Knauss hat sich in der Debatte vom 15. Mai im Rat erlaubt, ausserhalb den Voten mit fachlich fundierten Argumenten und eher taktischen Äusserungen, eine Kritik der Sitzung abzugeben. Er bemerkte, dass er über die Debatte nicht glücklich sei. Die GLP verzichte auf Gestaltung. Die FDP mache Standortmarketing. Aber eine Grundordnung und eine Gestaltung der Stadt werde verhindert.

Der Antrag über einen Höhenplafonds für die Gebäude und derjenige über eine Zonenordnung mit Abstufung zum Hang und zu den Wohnquartieren wurden von der AL, den Grünen und der SVP gut begründet. Die Mehrheit von SP, FDP, GLP und EVP liessen das, was man die städebauliche Substanz hätte nennen können, kalt scheitern. „Alles offen lassen“, „keine Behinderung der Planungsprozesse“ waren die taktischen Aussagen, die dann effektiv das halbe Jahr der Kommissionsarbeit verschwendet haben und die Beschlüsse zu einem Nachvollzug der undifferenzierten Vorgaben der kantonalen Baudirektion machten.

Damit ist die Etablierung von vernünftigen städtebaulichen Grundsätzen bereits zu Beginn des Generationenprojekts untergegangen. Die engagierte Gruppe wollte den baulichen Schwerpunkt unten bei der Rämistrasse sehen und nicht oben im Hang bei den Wohnquartieren und fern der Erschliessung.

Positiv erstaunt hat hingegen die fast einstimmige Befürwortung des Antrags, die HMS-Bauten nicht unter Schutz zu stellen und den Stadtrat zu beauftragen, diesen Antrag dem Kanton zu stellen. Damit haben der Gemeinderat wie auch bereits 2016/17 der Kantonsrat einer Relativierung der HMS-Bauten zugestimmt. Sollen die weiteren Etappen der Spitalbauten mit reduzierten Gebäudehöhen ins Stadtbild eingefügt werden können, benötigen sie diesen Spielraum. Es ist vorauszusehen, dass es genügen würde, einen oder zwei der drei HMS-Trakte zu opfern.

Wir verweisen auf den präzisen Bericht „Das Hochschulquartier darf hoch hinaus“ im Tages-Anzeiger vom 16. Mai 2019. Die AGBB-ZH möchte hiermit der AL, den Grünen und der SVP ausdrücklich für ihren Einsatz im Interesse der Stadt Zürich danken.

9 Kommentare

  1. Felix de Fries

    Obwohl dem Rekurs gegen die drei staatsrechtlich fragwürdigen Planungszonen stattgegeben wurde, die der frühere Baudirektor dem Stimmbürger vorgelegt hatte und der Zürcher Gemeinderat einen Zonenplan für das Hochschulquartier definieren muss, besteht offensichtlich im Gemeinderat kein Wille jetzt die Planung am Zürichberg zu revidieren und einen Plafond für die Bauhöhen einzuführen. Am Projekt, das aus einem Wettbewerb hervorging, der trotz des laufenden Rekurses durchgeführt wurde, will er festhalten. Der neue kantonale Baudirektor, Martin Neukom, wäre gut damit beraten, jetzt eine Neubewertung der gesamten Planung am Zürichberg vorzunehmen und dabei das frei-werdende Gelände des Kinderspitals (mit 20’000 qm.) und den Abbruch von einzelnen Bauten des alten Kantonsspitals, das der Gemeinderat nicht mehr unter Schutz stellen will, in eine neue Planung einzubeziehen. Es ist jetzt wichtig, klare planungsrechtliche Voraussetzungen zu schaffen und das gesamte Genrationen-Projekt Berthold inklusive aller Spital- und Hochschulbauten noch einmal genau anzuschauen. Auch die Erschliessung des Quartiers durch Strassen und öffentliche Verkehrsmittel sollte erneut abgeklärt werden. Es sollte nach Möglichkeit vermieden werden, dass erneut ohne klare rechtliche Voraussetzungen, Geld für Planungen oder Bauten ausgegeben wird, das wir am Schluss als Steuerzahler zu bezahlen haben.

  2. Felix de Fries

    PS: Da das neue Zahnärztliche Zentrum auf dem Areal des Kinderspitals nur einen Teil der Fläche einnehmen wird, besteht Raum für andere Abteilungen des neuen USZ und für Institutionen wie z.B. das Lighthouse, das eng mit dem Zentrum für palliative Medizin des Universitätsspitals zusammenarbeitet, das bei der Klinik für Radio-Onkologie domiziliert ist. Auch die neue Tagesklinik für palliative Medzin des Lighthouse, die täglich von Patienten und Angehörigen besucht wird, könnte dort einen ruhigen Standort finden, der Spaziergänge ins nahe Doldertal erlaubt. Die stark befahrende Hohlstrasse beim Hardplatz ist mit ihrem Lärm und ihren Abgasen sicher kein geeigneter Standort für diese Patienten und ihre Angehörigen. (Mit der Platzierung des Lighthouse dort, wird der Abbruch der Siedlung von Giaccomo Barbatti begründet, die mit ihren grosszügigen freien Innenhöfen seinerzeit zu einem Prototyp für moderne Wonbauten in der Stadt wurden.)

  3. Felix de Fries

    PS II: Falls die Bauhöhen beim geplanten Hochhaus des neuen USZ noch einmal vermindern vermindert werden könnten , so gäbe es auf dem frei werdenden Kispi-Areal neben dem neuen Zahnärztlichen Zentrum sicher noch genügend Platz für die Abteilungen, die im geplanten Hochhaus von Christ und Gantenbein platziert wurden. Wenn der Schutz für einzelne Bauten des Kantonsspitals von Häfeli-Moser-Steiger aufgehoben werden könnte, so entstünde z.B. durch den Abriss des Bettenhauses Ost viel Raum für weitere Gebäude des neuen USZ, die landschaftsgerecht am Hang platziert werden könnten. In den HMS-Spitalbauten gegenüber der ETH und an der Schmelzbergstrasse könnten dabei Abteilungen und Klinken untergebracht werden, welche nicht auf moderene Zimmer mit entsprechenden Geschoss-Höhen angewiesen sind.

  4. Felix de Fries

    Ein nächstes Hochhaus auf dem Schanzenberg?
    Mit dem Bau eines neuen Hauses der Geisteswissenschaften, neben der Universität könnte am Zürichberg ein weiteres Hochhaus entstehen. Da die Planung dieses Neubaus im Rahmen des Bertold Projekt taktisch geschickt auf die Zeit nach 2035 verschoben wurde, „wenn die neuen Bauten der Universität und des Universitätsspitals abgeschlossen sind“, ist seine Form und seine Bauhöhe gegenwärtig kein Thema. Wie eine umfassenden Master-Arbeit bei den Professoren Annette Gigon und Mike Guyer hervorgeht, in der die bestehenden und geplanten Bauten im Quartier und ihre Einfügung ins Stadtbild untersucht werden, dürfte es beim Haus Stadtkrone am Schanzenberg um ein Hochhaus gehen, das die Räumlichkeiten für alle geisteswissenschaftlichen Seminare aufnehmen kann. Zusammen mit dem Neubau von Herzog und de Meuron auf der Wässerwies, der viele Räume in den Untergrund verbannt, soll so das Kunststück gelingen, die grossen Raumbedürfnisse der Universität im neuen Hochschulquartier unterzubringen.
    https://iea.arch.ethz.ch/wp-content/uploads/2018/05/Masterarbeit_B_GigonGuyer_FS18.pdf
    Dass die Konzentration aller dieser Aufgaben neben dem gesamten neuen Universitätsspital am unteren Zürichberg zu einem hohen Dichtestress und einem praktisch unlösbaren Verkehrsproblem führen wird, ist für die Planer des neuen Spital- und Hochschulquartier weiterhin kein Anlass, ihre Planungen zu überdenken. Auch die Verlegung von Hörsälen auf den Campus Irchel in zusätzliche neue Gebäude beim Strickhof, den wir zur Diskussion gestellt haben, ist für sie für sie weiterhin kein Thema.
    In Anbetracht der weiterhin vorherrschenden Idee alle Räumlichkeiten für die Erfüllung der verschiedenen Aufgaben der Universität und des Universitätsspitals am unteren Zürichberg unterzubringen, muss heute die Frage gestellt werden, ob der Echoraum für das „Generationen-Projekt“ Berthold so zusammengestellt war, dass in ihm die Auswirkungen dieses Projekt genügend bedacht werden konnten. Das seinerzeit rasch verworfene Projekt des Neubaus des USZ beim Bahnhof Stettbach hätte z.B. erlaubt, die Polikliniken dort in der Nähe der Kliniken, statt im Circle beim Flughafen zu platzieren und im Hochschulquartier mehr Platz für Bauten der Universität zu haben, die jetzt nach Oerlikon und Schlieren verlegt worden sind. Für Projekten dieser Grössenordnung wäre es in Zukunft wichtig, dass schon am Anfang grundlegende Alternativen angeschaut werden können, bevor vorschnell weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Beim neuen USZ und bei der neuen Universität besteht heute immer noch die Möglichkeit umzusteuern und bestehende Projekte anzupassen. Auf die Projekte zum Ausbau der ETH-Hönggerberg und ihre Erschliessung mit ÖV dürfen wir gespannt sein.

  5. Felix de Fries

    PS: Wenn die Gebäude in der Umgebung und die Entwicklung der Stadt in ihrer Landschaft so sorgfältig untersucht worden wären, wie das in der oben angeführten Master-Arbeit geschehen ist, dann hätte man kaum die Hochhäuser am Berg als Lösung für das neue USZ vorgeschlagen. Statt die Polikliniken in den Circle beim Flughafen zu verlegen, könnte man diese im Hochschulquartier belassen, was eine enge Verbindung zwischen Lehre, Forschung und Anwendung in der Medizin weiterhin erlauben würde. Verschiedene Kliniken des USZ, die auf hohe Räume angewiesen sind, und der Notfall könnten dabei mit ihren Bettenstationen beim Bahnhof Stettbach gebaut werden, wo sie aus dem ganzen Kanton und aus dem ganzen Land via Strasse und ÖV bestens erschlossen wären. (Für die gemieteten Räume im Circle beim Flughafen könnten dabei sicher andere Mieter gefunden werden.) Mit einer solchen Lösung könnte das Hochschulquartier vor einer zu hohen Verdichtung, zu viel Verkehr und der Vermassung von Studenten, Ärzten und Pflegenden in überfüllten Aussenräumen und Verkehrsmitteln bewahrt werden. Ein Umdenken beim neuen USZ und eine neue Planung wären gegenwärtig immer noch möglich, da bisher für das USZ noch kein neuer Bau errichtet worden ist. Dazu müssten aber die Politik und die beteiligten Interessengruppen jetzt zu einem entsprechenden Marschhalt Hand bieten, der ein Nachdenken und eine neue Planung möglich macht. Auch wenn dabei bereits investierte Planungskosten abgeschrieben werden müssten, so könnten doch aufwändige Bauten für ein Spital ohne echte Ausbau- und Zukunftsperspektiven vermieden werden und mehr Raum für neue Gebäude der Universität entstehen, die nicht mehr in den Himmel reichen müssten. Auch der geplante Abbruch der Frauenklinik wäre heute als Fremdkörper in der Landschaft steht, dabei eines Tages möglich.

  6. Felix de Fries

    Beim Bahnhof Stettbach, der via S-Bahn, Bus, Tram Autobahn und Strasse optimal erschlossen ist, entsteht der neue Bürostandort für die Administration des neuen USZ, aber kein Spitalgebäude, das auf diese maximale Erschliessung unbedingt angewiesen wäre. Die Chance, dort verkehrs- und landschaftsgerecht Bauten des neuen USZ zu errichten, die für Patienten, Ärzte und Pfleger und andere Mitarbeiter aus dem ganzen Kanton leicht erreichbar sind, wurde unter dem Einfluss des überladenen Generationen-Projekts im Hochschulquartier leichtfertig vergeben. Weder der Kanton Zürich noch die Stadt Zürich haben seit dem Jahr 2009 noch einmal etwas unternommen, um diesen Ort als möglichen Standort für Kliniken des neuen USZ genauer anzuschauen.

    http://www.usz.ch/news/Mitteilungen/Seiten/usz-buerostandort-stettbach.aspx

  7. Felix de Fries

    Dass das USZ beim Bahnhof Stettbach ein neues Gebäude für seine Administration errichtet, während die zukünftige Nutzung der HMS-Bauten im Hochschulquartier weiterhin unklar ist, welche nach Ansicht des städtischen Baudirektors und des Heimatschutzes unbedingt vollständig erhalten werden sollen, ist ein Fingerzeig auf die unbekannte Hand, welche offensichtlich die Planung des neuen USZ steuert. Ob es sich hier um die „unbekannte Hand des Marktes“ handelt (mit der Baulobby, Flughafenlobby, Unilobby und Spitallobby) oder nur um die verschworene Gemeinde der Anhänger des Generationen-Projekts, Bertold, wissen wir, wie in einem Film von Fritz Lang, wahrscheinlich erst am Schluss.

  8. Felix de Fries

    Dass weder die Polikliniken noch die Administration des USZ in den HMS-Spital-Bauten neben den geplanten Neubauten platziert wurden, macht deutlich, dass die Planung des neuen USZ von Anfang an nicht durch sachliche Gegegenheiten oder die „Nähe von Forschung, Lehre und Anwendung“ bestimmt war, sondern durch Einzelinteressen, die möglichst schnell realisiert werden sollen. Dass die Polikliniken in den Circle beim Flughafen gelegt wurden, das Medikamentenlager und die Labors nach Schlieren und die Administration nach Stettbach ist offensichtlich einzelnen Interessengruppen und ihren Lobbyies geschuldet, für die das neue USZ offensichtlich zu einem optimalen Selbstbedienungsladen für Aufträge geworden ist, da eine koheränte Planung bei diesem Generationenprojekt offensichtlich von Anfang an gefehlt hat. Dass dabei für Studenten, Patienten, Ärzte, Pfleger und andere Mitarbeitende eine Stadt der langen und unnötigen Wege ensteht, scheint gut ins neue Stadtkonzept von André Odermatt zu passen, der dadurch wohl die Plätze in den neu gestalteten Quartieren beleben möchte. Man und frau soll in der neuen Stadt im Auto, ÖV oder auf dem Velo möglichst viel in Bewegung sein auf dem langen Weg an die Arbeit, in die Uni, in die Bibliothek, in die Poliklinik oder auf den Sportplatz. Dass dabei kaum echte Begegnung und feste Kontakte in der Nachbarschaft entstehen, scheint niemanden zu kümmern, weil ja alle jetzt möglichst flexibel und mobil sein sollen.
    Die Diskussion um öffentliche Plätze vor dem Opernhaus, beim Kunsthaus, auf der Rathausbrücke, am Bahnhofquai oder bezüglich der Terrase beim Kongresshaus wird auf ästhetische Details reduziert. (Beim Opernhaus soll der Abbruch des Fleischkäs Besserung schaffen, bei der Rathausbrücke der Neubau mit Abbruch der Pavillons von Manuel Pauli, beim Heimplatz, wo der Neubau nicht zurückgenommen werden konnte, die neue Möbelierung des Plätzschens, das übrig geblieben ist, beim Kongresshaus, wo trotz hohem Nachtragskredit das originale Foyer mit Mosaik-Boden und die originale Aussentreppe in zwei halbrunden Etappen geopfert wird, die Neugestaltung der Dachterrasse.) Mit Diskussionen um solche Retouchen am Stadtbild, für die offensichtlich viel Geld vorhanden ist, kann die Diskussion über das neue Spital- und Hochschulquartier und seine Wirkung auf die Stadt elegant ausgeblendet werden.

  9. Felix de Fries

    PS: Wir dürfen gespannt sein, welches neue Projekt uns die Stadt für die Gestaltung des Bahnhofquais nach der heissen Auskernung der Gebäude durch einen Grossbrand, dessen Urheber weiterhin nicht bekannt sind, vorlegen wird. Das Globus-Provisorium von Karl Egender musste sie nun renovieren. Ein öffentliche Terrasse auf dem Dach mit Barbetrieb wurde dabei nicht gebaut. Sie hätte den BesucherInnen eine einzigartige Sicht auf den Fluss und die Stadt ermöglicht.

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